LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Fortsetzung des Prozesses um brutalen Raub in Bereldingen 2008

Der brutale Überfall auf ein Ehepaar in Bereldingen ist fast zehn Jahre her. Seit Montag wird die Tat verhandelt. Vor der Kriminalkammer müssen sich drei 41, 34 und 36 Jahre alte Männer und eine 31 Jahre alte Frau wegen Raub, Freiheiheitsberaubung und schwerer Körperverletzung verantworten. Der fünfte Angeklagte Kenan D. (42) kam erst gar nicht zu den Verhandlungen.

Den Angeklagten wird vorgeworfen im Dezember 2008 mit großer Brutalität ein Ehepaar in deren Wohnung in Bereldingen überfallen und ausgeraubt zu haben.

Am Dienstag sagte das Opfer (83) als Zeugin aus. Auf ihre Tochter gestützt betritt die elegante, weißhaarige Frau den Gerichtssaal. Sie ist ein wenig nervös und ein wenig außer Atem. Sie hätte die Richterin nicht verstanden, sagt sie, sie bittet sie doch bitte ein wenig lauter zu sprechen.

Nicht alltägliche Vernehmung

Es ist eine in mehrfacher Hinsicht nicht alltägliche Vernehmung. Mit resoluter Stimme erzählte die Seniorin, was ihrem Mann und ihr am 23. Dezember 2008 widerfahren ist. Die Tat liegt fast zehn Jahre zurück, doch ist sie der 83-Jährigen so gegenwärtig, als hätte sie die Todesängste an jenem Tag erst diese Woche durchlitten.

Es ist kurz nach 16.00, als es an der Tür klingelt. Die damals 73-Jährige schließt auf, vor ihr stehen ein Mann und eine Frau. Sie erkennt die Frau wieder. Es ist Amandine U. (31), die sie vorher schon im Treppenhaus getroffen hatte. Die Seniorin erinnert sich: Sie hat auch den Mann schon mal am Vortag gesehen und mit ihm gesprochen. Er hatte ihr erzählt dass er das Appartement sehen will, weil er es kaufen wolle. Doch das ist nur ein Vorwand.

Einen Augenblick später drängen zwei Männer durch die Tür, stoßen die Frau zu Boden. Dann wird sie geknebelt, gefesselt und mehrfach geschlagen. Amandine U. sei dann weggelaufen. Die hätte alles „arrangiert“, sagt sie. Und, auf die Frage der Richterin: „Ja, ich hatte Angst. Ich dachte, ich sterbe. Ich konnte kaum noch atmen. Das war ganz schlimm.“

Nach einem Schluck Wasser aus der Flasche gibt sie zu Protokoll, die Verbrecher hätten sich nach der Kombination des Tresors erkundigt, doch sie habe die Nummer nicht herausgeben wollen. Nach Schlägen sei sie in sich zusammengesackt. Dann hätte einer der Angeklagte ihr eiskaltes Wasser über den Kopf geschüttet. Später habe einer der Männer sie so heftig geschlagen, dass sie auf den Boden gefallen sei.

Erst als sie über ihren mittlerweile verstorbenen Mann erzählt, zittert die Stimme des Opfers. Sie weint, doch wer aufgrund des äußeren Erscheinungsbildes der Zeugin eine schwache Frau erwartet hatte, wird eines besseren belehrt. Die Frau hat trotz ihres hohen Alters ganz wenige Erinnerungslücken.

305.000 Euro Schadenersatz gefordert

Sie hätte dann die Safe-Kombination von ihrem Mann bekommen und den Tresor selbst aufgemacht. Aus dem Tresor raubten die Räuber Schmuck im Wert von 50.000 Euro. In der Nebenklage beantragte der Rechtsanwalt einen Gesamtschadenersatz von rund 305. 000 Euro.

Auch teure Handtaschen und Schals nahmen die Räuber mit und verschwanden. „Wenn sie telefonieren, erschieße ich sie“, habe der Mann mit der Pistole gesagt. Die Zeugin erkannte den Mann mit der Pistole wieder. „Er war es, er sitzt auf der Anklagebank.“ Sie erkennt auch die anderen.

Drei Tage lang mussten die damals 73-Jährige und ihr Mann anschließend mit Kopfverletzungen und Prellungen im Krankenhaus verbringen. Die weißhaarige, zierliche Frau hat seit einigen Jahren massive Schlafstörungen und Angstattacken.

Ein Polizist trug am Dienstag den Abschlussbericht des Tatbestandes vor Gericht vor. Eine DNA-Spur brachte die Kripo zunächst auf die Spur eines der Täter. Viele Ermittlungsschritte, wie akustische Handyüberwachungen folgten dann und rundeten die Ermittlungen ab. Am Mittwoch trug ein Mitarbeiter der Spurensicherung der Kripo Luxemburg seine Erkenntnisse vor.

Der gezwungene Räuber

Dann folgten die Aussagen des Angeklagten Sendy Hamed F. (41). Er hätte immer umsonst in einem Snack in Forbach gegessen. Der Inhaber war Kenan D., der hätte ihm eines Tages einen Einbruch vorgeschlagen. Er soll (mit anderen) in eine Wohnung in Luxemburg einbrechen, die zum Verkauf stünde. In der Wohnung stehe ein Tresor mit einer größeren Summe. Weil er sich aber weigerte, hätte D. ihn unter Druck gesetzt. Schließlich hätte er eingewilligt. „Ich habe das aus Angst getan. Nicht wegen dem Geld“, sagt er. Er hätte dann die Mannschaft zusammengestellt. Er hätte nur getan, was D. ihm aufgetragen hatte. Er bestand darauf, dass er während dem Raub vermummt gewesen sei. „Von welcher Farbe war die Vermummung“, fragte die Richterin. „Mais Madame, une cagoule est toujours de couleur noire.“ Die Richterin nahm das zur Kenntnis. Dann beschuldigte der Angeklagte seine mutmaßlichen Komplizen. Er hätte beim Raub nur zugesehen. Die beiden Männer hätten eine Pistole und ein Messer bei sich gehabt. Er sei nie gewalttätig gewesen. Die Beute hätte er D. noch am selben Abend ausgehändigt. Der sei aber nicht mit der Beute zufrieden gewesen. „Er glaubte, ich hätte ihn bestohlen“, beteuerte er.