LUXEMBURG
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Bis zu 250 Euro Strafe: Sich am Wegesrand bedienen kann teuer werden

Viele Obstbäume tragen bereits Früchte, die zum Verzehr einladen. Eine Handvoll Mirabellen im Vorbeigehen mitnehmen, schnell beim Wandern einen Apfel pflücken oder ein paar Kirschen in den Mund stecken: Viele Spaziergänger nutzen gerne Bäume an Straßenrand oder auch Felder neben den Wegen mal schnell als Snackbars.

Auch Mundraub ist Diebstahl

Doch gerne sehen dies vor allem Landwirte nicht und klagen über Wanderer, die die „Ernte“ mitgehen lassen.

Denn wenn hunderte Leute vorbeigehen und jeder nimmt sich etwas mit, dann summiert sich dies gewaltig. In Deutschland erfüllte bis Mitte der 1970er Jahre das Entwenden von „Nahrungs- und Genussmitteln in geringer Menge oder von unbedeutendem Wert zum alsbaldigen Verzehr“ den Tatbestand des „Mundraubs“ und war auch als solcher im Strafgesetzbuch geregelt.

Da es sich juristisch gesehen nur um eine „Übertretung“ handelte, war hier auch nur eine geringe Strafe vorgesehen. Hintergrund war, dass nach dem Krieg in Notzeiten die hungrigen Diebe nicht allzu hart bestraft werden sollten.

Inzwischen spielt es aber keine Rolle mehr, was entwendet wird - egal, ob Apfel oder Armbanduhr, es handelt sich um einen normalen Diebstahl, der nach Paragraf 242 Strafgesetzbuch zu ahnden ist.

„Ernteprodukte“ sind geregelt

Wie sieht es hier in Luxemburg aus? Gibt es im Großherzogtum den Tatbestand des „Mundraubs“ oder wird ein Auge zugedrückt, wenn man sich am Straßenrand mal einen Apfel von Vater Staat genehmigt?

Einen klaren Tatbestand wie den Mundraub im deutschen Recht hat das luxemburgische Strafrecht nicht. Und doch: Wenn man sich an „Ernteprodukten“, also etwa Früchten, zu schaffen macht, die einem nicht zustehen, dann kann dies nach Art. 557.6 durchaus zu einer Strafe von 25 bis 250 Euro führen, auch wenn es sich lediglich um eine Rechtsverletzung/Übertretungen 2. Klasse („contravention de deuxième classe“) handelt, wie es von der Justizpressestelle heißt.