LUXEMNBURG
PATRICK WELTER

Durch ein enges Radwegenetz soll aus dem Sportgerät Fahrrad wieder ein Verkehrsmittel werden

Natur, Kultur und Sport in einer äußerst geschichtsträchtigen Ecke der Welt

Radeln in der Grossregion

Eine Radtour über die Grenzen Luxemburg hinaus? Da gibt es viele Möglichkeiten. Im Norden des Landes zum Beispiel bietet sich der Vennbahnweg an, längst der ehemaligen Trasse der Bahnverbindung zwischen Aachen und Luxemburg. Über 125 Kilometer geht es hier von Ulflingen aus durch das ostbelgische Hohe Venn. Zum Teil führt der Vennbahnweg - einer der längsten Bahntrassenwege Europas - auch durch Deutschland.
Übrigens wird in diesem September auch das letzte größere Teilstück des Radwegs zwischen Auel und Oudler in der Gemeinde Burg-Reuland asphaltiert. Damit endet vorläufig eine Reihe von Verbesserungsmaßnahmen an der Fahrbahnoberfläche, die seit der Eröffnung des Radwegs 2013 in Angriff genommen wurden. Im Nordwesten des Landes gibt es die Möglichkeit etwa von Oberbesslingen oder Wiltz (PC 20) aus auf die „Véloroute“ W9 einzuschwenken, die von Bastogne nach Gouvy führt. Bei Bourcy gibt es eine Abzweigung nach Houffalize. Das Radwegenetzwerk in der Wallonie („Réseau Autonome des Voies Lentes“) zählt insgesamt 1.400 Kilometer Strecke, die aber mehr oder weniger gut ausgebaut sind. Ausbaupläne gibt es viele, zum Beispiel von Martelingen nach Bastogne oder von Eischen nach Arlon im Süden. Im Dreiländereck Belgien/Frankreich/Luxemburg soll bis 2021 im Rahmen des teils mit europäischen Geldern finanzierten Projekts „Mobilité douce 3 Frontières“ bis 2021 ein zusammenhängender Radweg Messancy und Athus (Belgien), Petingen, Lamadelaine und Rodange (Luxemburg) sowie Saulnes, Herserange, Longwy, Rehon, Longaville und Mont-Saint-Martin (Frankreich) verbinden. Lothringen und die Region Grand Est in Frankreich bieten auch eine Menge von Ausflugsmöglichkeiten mit dem Rad. Bekannt ist etwa der Radweg „Chemin de la Moselle“ von Schengen über Sierck-les-Bains bis nach Cattenom. Das Saarland verfügt über eine Menge gut ausgebauter Radwege, etwa den Saarland-Radweg über 354,2 Kilometer, der durch das ganze Bundesland führt. Oder den Saar-Radweg: knapp 111 Kilometer von Sarreguemines (Frankreich) bis nach Konz, wo Saar und Mosel aufeinandertreffen. Und Rheinland-Pfalz verkauft sich als DAS „Radwanderland“. Hier gibt es rund 7.900 Kilometer Radwege. Das Netz umfasst neben sieben Radfernwegen in den Flusstälern von Rhein, Mosel, Lahn, Nahe, Kyll, Saar und Ahr auch 112 Themenrouten. Neu hinzugekommen sind etwa der Biebertal-Rundweg (26 km), die Kannenbäcker-Radroute (56 km), die Venn-Eifel-Mosel Runde (308 km) und der Westerwald-Radweg WW1 (223 km). Derzeit laufen 18 Baumaßnahmen an Bundesstraßen und neun an Landesstraßen. Dazu gehört auch der seit langem geplante Lückenschluss an der Mosel zwischen Alf und Zell. Wer etwas mehr Zeit hat, der sollte an die „VeloRoute SaarLorLux“, die auf rund 473 Kilometern durch das Dreiländereck Deutschland, Frankreich und Luxemburg führt. 
LJ MIT DPA
Mehr Infos: Rheinland-Pfalz: www.radwanderland.de
Saarland: www.urlaubsaarland
Wallonien: ravel.wallonie.be
Frankreich: www.lorvelo.fr

Die Zahlen sind genau genommen mies, sogar richtig mies. Der aktuelle Modalsplit, die Aufschlüsselung, wer im täglichen Verkehr welches Verkehrsmittel benutzt, sieht nur einen Anteil von zwei (!) Prozent Radfahrern, die sich mit ihrem Drahtesel auf den Weg zur Arbeit machen. Geradezu peinlich sind die Ergebnisse der Studie „Luxmobil 2017“, wenn es um den Schulweg geht. Wo es vor 30 oder 40 Jahren noch überwiegend das Fahrrad war, das die Schüler zur Schule brachte, nimmt heute „Mum’s Taxi“ eine Spitzenstellung ein - und verstopft die Straßen im Berufsverkehr noch zusätzlich. Nur zwei Prozent der Schüler fuhren 2017 mit dem Rad zur Schule! Dahinter dürfte das stark gestiegene Sicherheitsdenken der Eltern stecken und jede Menge Bequemlichkeit. Dabei stehen oder hängen fast 300.000 Fahrräder in den luxemburgischen Garagen und Kellern. Nach dem Verständnis der meisten Besitzer handelt es sich dabei um Sportgeräte.

Immerhin soll sich der Fahrradanteil bei den Berufspendlern bis 2030 auf vier Prozent verdoppeln und bei den Schülern sogar wieder einen Wert von zehn Prozent erreicht werden.

Um aus dem Freizeitgerät Fahrrad wieder ein Verkehrsmittel zu machen, hat der Staat schon ein nationales Radwegenetz entwickelt und wird weitere Mittel in den Ausbau stecken. Bis jetzt gibt es ein nationales Radwegenetz von 611 Kilometern, das im Grunde nur um die Hauptstadt herum und in Richtung Südwesten einigermaßen dicht gewebt ist. Ansonsten werden eher touristische Strecken entlang von Flüssen und Bächen abgedeckt. In der nördlichen Landeshälfte liegt noch vieles im Argen. Eine Übersicht dazu bietet die Webseite des Katasteramtes www.geoportail.lu. „Radwege“ und das Landessymbol anklicken und schon sieht man, wo Radfahren auf einer eigenen Verkehrsfläche über längere Distanzen möglich ist.

Im nationalen Verkehrskonzept MODU 2 steht der schöne Satz „24 Kilometer des nationalen Radroutennetzes befinden sich im Bau und 294 Kilometer sind in Planung.“ Im - neuen -

Bereichsplan Transport hat man die anstehenden Ausbauvorhaben aufgelistet:

Unter der „Priorität 1“ (kurzfristige Planung) werden dort die Strecken Schoenfels-Mersch, Bettemburg-Peppange, Mondorf-Ellange und Scheedhaff-Sandweiler-Gare aufgelistet, wobei es sich immer um kurze Streckenabschnitte handelt.

In die Kategorie „Priorität 2“ (mittelfristige Planung) fallen die Strecken Bleesbruck-Fouhren, Medernach-Ermsdorf, Rambrouch-Koetschette, Bourglinster-Beidweiler - Durchfahrt Junglinster [8], Strassen-Beggen via „Juegdschlass“ und Leudelingen-Abweiler. Ein Zugeständnis an die Kritiker der Umgehungstraße „Bascharage“, ist der geplante Radweg „Bim Diederich“ entlang der Ortsumfahrung. Ferne Zukunftsmusik ist der Fernradweg entlang der Trasse der „Schnellen Tram“ von Luxemburg nach Esch/Alzette.