EHLERINGEN
CORDELIA CHATON

Worauf es beim Kauf einer Matratze ankommt, weiß man beim Hersteller Stoll

Stoll nennt sich „Maître Matelassier“ und ist seit über 50 Jahren der einzige Fabrikant von Matratzen in Luxemburg. Wir haben mit Direktor Yves Schroeder über die Wahl der richtigen Matratze im Geschäft in Ehleringen gesprochen. Dort befindet sich auch die Produktion, die die Kunden selbst verfolgen können. Seit kurzem gibt es sogar Führungen.

Lëtzebuerger Journal

Herr Schroeder, Sie verkaufen viele Matratzen - aber fast alle mit Latex. Woran liegt das?

Yves Schroeder Latex ist ein natürliches Material und passt sich dem Körper am besten an. Egal, wie ich mich hinlege, ich bin immer ideal abgestützt. Federkern stützt nur da, wo Federn sind und an den Rändern kann das schon mal kritisch werden. Unsere Latexmatratzen weisen darüber hinaus eine offene Struktur auf, damit die Luft besser zirkuliert. Dadurch sind Faktoren wie Temperatur oder Feuchtigkeit ausgeglichener. Das schützt auch gegen Milben. Wenn Menschen allerdings eine Allergie gegen den Naturlatex haben, empfehlen wir synthetischen Latex, der auch bei Babymatratzen verwendet wird.

Wie lange hält eine Matratze?

Schroeder Auch wenn wir sicher sind dass unsere Matratzen 15 Jahre halten, empfehlen wir einen Wechsel nach zehn bis zwölf Jahren.Wir hatten auch schon mal einen Kunden, der kam und beschwerte sich, es sei eine leichte Delle in seiner Matratze. Wie sich aber dann herausstellte, war sie von 1984! Es ist natürlich schon besser, die Matratze früher zu wechseln, auch, weil sich der Körper verändert. Wir bieten deshalb auch 22 verschiedene Modelle mit verschiedenen Härten an und nehmen uns sehr viel Zeit, um die Kunden hier vor Ort zu beraten. Denn jeder Körper ist anders; nicht nur, was das Gewicht und die Größe betrifft, sondern auch, was die Schlaflage angeht.

Wie lange sollte man eine Matratze probeliegen?

Schroeder Die meisten Menschen merken schon nach ein paar Sekunden, ob sie gut liegen. Aber wir bieten Kunden auch an, dass sie hier ein Nickerchen halten können. Nicht umsonst dauern die Beratungsgespräche zwischen einer und vier Stunden. Sehr viele Kunden entscheiden sich für unsere Multizonenmatratzen wie „Feschbesch“ oder „Befort“, welche ein sehr angenehmes Liegegefühl vermitteln.

Neben Latex gibt es auch andere Materialien wie Kaltschaum, Ziegenhaar oder Schafwolle. Was halten Sie davon?

Schroeder Kaltschaum ist ein preiswertes Industrieprodukt. Es ist als Gästebett gut einsetzbar. Wir kombinieren es mit Latex in unserer günstigsten Version, die 280 Euro für 80x200 cm kostet. Doch die Eigenschaften von Latex hat es nicht. Es hat schon seinen Grund, warum manche Kaltschaummatratzen von Konkurrenten im Internet eine Rücksendequote von bis zu 38 Prozent haben. Was exotischere Füllungen angeht, finden sich diese vor allem bei höherpreisigen Betten wie beispielsweise Boxspringbetten.

Warum sind Boxspringbetten so in Mode?

Schroeder Es handelt sich um Betten, bei denen der Lattenrost durch eine Matratze ersetzt wurde. Sie sind recht hoch und daher für viele Kunden bequem. Sie sind seit rund fünf Jahren in Mode und wirken pompös, opulent und groß. Viele Kunden kennen sie aus dem Urlaub, weil sie sich auch in Hotels finden. Da ist der Gedanke, was gut aussieht, verspricht auch guten Schlaf, für viele nahe liegend. Letztlich ist es eine Mode. Vor rund zehn Jahren gab es niedrige Futons. Seit einigen Jahren verkaufen sie sich sehr schlecht. Jetzt sind die hohen Boxspringbetten angesagt. Sie verlangen jedoch oft nach viel Platz und die Kopfteile können eine Breite von bis zu 3,50 m erreichen. Wir haben Modelle, die 30.000 Euro kosten. In diesem Preissegment kommen auch Kunden mit exklusiverem Geschmack zu Ihrem Traumbett.

Was muss man denn sonst für eine Matratze rechnen?

Schroeder Das hängt von der Qualität ab. Aber für 1,40x2 m zahlen Sie rund 1.600 Euro. Wenn man das auf 15 Jahre umrechnet und mit dem Preis eines Handys oder Autos vergleicht, ist das nicht viel. Darüber hinaus können die Kunden die Produktion selbst verfolgen, wir laden sie gern dazu ein. Wir produzieren hier in Luxemburg und sind Lieferant des großherzoglichen Hofes. Für alle Komponenten garantieren wir den Standard „Ökotex 100“. Regelmäßig schicken wir an das staatliche Labor Proben, damit wir immer einen Nachweis über die Qualität unserer Ware haben. Und sie haben natürlich auch die Wahl zwischen verschiedenen Bezugsstoffen.

Was gibt es denn für Stoffe?

Schroeder Wir bieten neun Bezüge an. Das reicht von Kaschmir über Bambusfasern, synthetische Fasern oder Schafwolle bis hin zu gummiertem Stretch. Letzterer wird gern in Krankenhäuser oder Gemeinschaftsunterkünften verwendet, weil Flüssigkeiten nicht eindringen können, der Stoff sehr leicht zu reinigen ist und dadurch absolute Hygiene bietet.

Was halten Sie von Toppern?

Schroeder Diese weichen Auflagen dienen letztlich nur dazu, minderwertige Matratzen angenehmer zu machen. Angesichts der Qualität unserer Ware brauchen wir das nicht. Sinnvoller sind da schon Matratzenschoner, also dünnere, abziehbare und waschbare Stoffbezüge, denn es kann immer mal ein Glas Milch im Bett verschüttet werden.

Ist das Internet eine Konkurrenz für Sie?

Schroeder In unserem Gewerbe auf jeden Fall. Aber wir verkaufen rund 1.300 Matratzen pro Jahr und sind stolz darauf, der einzige heimische Produzent zu sein. Seit kurzem bieten wir auch Führungen an, die vor allem von Vereinen genutzt werden. Viele Senioren freuen sich, wenn sie hier Maschinen sehen, die zum Teil 40 Jahre alt sind. Wir sind das Gegenteil von Internethändlern - dank intensiver Beratung und heimischer Fertigung durch unsere 18 Mitarbeiter bieten wir höchste Qualität zu Herstellerpreisen ohne Zwischenhändler.