LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR / SOPHIA SCHÜLKE

Die „Revue“ hat vorerst überlebt – und was gibt es noch so?

Im Kapuzinertheater stehen derzeit keine Geringeren als Xavier Bettel, Lydie Polfer und Astrid Lulling auf der Bühne. Nicht in Person natürlich, sondern parodiert von den Schauspielern der „Nei 

Revue“. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Institution „Lëtzebuerger Revue“ nach 120 Jahren nicht von der Bildfläche verschwunden ist. Wegen finanzieller Engpässe war die traditionsreiche Show im vergangenen Jahr bekanntlich abgesagt worden und ihre Zukunft lange Zeit ungewiss, bis die neugegründete Vereinigung um Präsidentin Stéphanie Welbes einen Neustart wagte, dies mit einigen Schauspielern der alten Truppe aber ebenso neuen Gesichtern. 

„Es musste weitergehen“, da war man sich einig, immerhin galt es, „ein kulturelles Erbe“ zu erhalten. Als neuer Regisseur konnte Nico Lessyn gewonnen werden, der reichlich kabarettistische Erfahrung mitbringt, immerhin sitzt er seit rund 20 Jahren auf dem Regiestuhl der 1994 gegründeten Kabarett-Truppe  Rappdeckelen“. 

Für uns bot der Neuanfang der „Revue“ gleichzeitig eine passende Gelegenheit, uns etwas näher in der übrigen Kabarettszene Luxemburgs umzuschauen. Natürlich mussten wir eine Auswahl treffen, immerhin gibt es auch heute noch (oder wieder) in manchen Gemeinden des Landes eigene kleine Kabarett-Ensembles.

Nach 25 Jahren fiel der letzte Vorhang für die „Peffermill(ch)en“-Truppe

„Kabarett bedeutet, den Finger in die Wunde legen“

Am 1. März 2015 trat das Ensemble „Peffermill(ch)en“ mit der Produktion „Flunkerland“ zum letzten Mal auf. Nach zwei Jahren kehrten Josiane Fritz, Monique Reuter sowie Denise und Fons Ruppert dann aber noch einmal zurück, um ihr 320 Seiten starkes Buch (herausgegeben vom „Lëtzebuerger Literaturarchiv“) vorzustellen, beziehungsweise „zu spielen“ und auf ihre 25-jährige Geschichte zurückzublicken. Zwischen 1989 und 2014/15 hatte die Truppe 16 Programme mit literarischen, gesellschaftskritischen und politisch aktuellen Texten auf die Bühne gebracht, oft zweisprachig, immer mit Live-Musik. Die Wurzeln des Ensembles gingen indes auf die 70er Jahre zurück. Manche Mitglieder sammelten nämlich erste Erfahrung im „Rido Gaasperech“, wo sie unter anderem unter der Leitung von Tun Deutsch Boulevardtheater spielten. „Irgendwann wollten wir kritischere Sachen bringen, prägnanter sein und auf eigenen Füßen stehen“, erklärte Denise Ruppert letztes Jahr im Gespräch mit dem „Journal“ die Anfänge des Ensembles. „Kabarett bedeutet, den Finger in die Wunde legen, die Leute zum Nachdenken zu bringen. Wir hatten nie Nummern, bei denen die Zuschauer das Gehirn ausschalten konnten“, erinnerte sich derweil Fons Ruppert.
www.peffermillchen.lu
Jay Schiltz schreibt mit spitzer Feder für verschiedene Ensembles

„Das Ganze soll auch zum Nachdenken anregen“

In der Kabarett- und Theaterszene ist Jay Schiltz kein Unbekannter. Seinen Namen liest man seit Jahren in den Programmheften verschiedener Kabarett-Ensembles. Besonders für die Gruppe „Cabarenert“ ist er mit seiner spitzen Feder als Autor tätig, und auch zur aktuellen Show „Nei Revue“ hat er zwei Sketche beigetragen. Soloprogramme gehören ebenfalls zu seinem Repertoire, so etwa „An-Eck-Doten“ (2004) und „Béierdeckels-gespréicher“, das er 2006 erstmals für das „Kabaret Roude Léiw“ verfasste. 
In Person stand Jay Schiltz zuletzt zwischen Oktober 2016 und März 2017 mit seinem „Béierdeckels“-Programm „No Politics“ auf der Bühne. „Die Politik bietet immer Stoff für Kabarettprogramme“, verriet er damals im Vorfeld der Premiere. 
„Ich will nicht nur Schenkelklopfer-Geschichten bieten, sondern auch Momente, wo einem das Lachen schon mal im Hals stecken bleibt. Das ist genauso wichtig, sonst bleibt es oberflächlich. Politisches Kabarett soll auch zum Nachdenken anregen“, erklärte er uns im Interview.
Ein neues Soloprogramm hat der Kabarettist und Theaterautor derzeit nicht geplant, wie er uns auf Nachfrage hin wissen ließ. 
www.tinyurl.com/jayschiltz
„Cabarenert“ scheut Kritik an Berühmth

„Es ist nicht einfach, wenn man auf der Bühne parodiert wird“

Immer aktuell, immer kritisch, aber nie unter die Gürtellinie: Das sind die Grundsätze, an die sich das Ensemble von „Cabarenert“ hält. „Morgens gibt es Neuigkeiten und abends haben wir sie schon im Programm“, sagt Monique Melsen und fügt an, „das gefällt den Leuten.“ Aber noch ein anderer Umstand zeichnet die Arbeit der vier Schauspieler Al Ginter, Monique Melsen, Karin Seywert und Marcel Heintz sowie der Autoren Roland Gelhausen, Jay Schiltz, Claudine Muno, Jhemp Hoschscheit und Roland Harsch aus: „Wir haben uns als erste an Parodien von Politiker gewagt, auch an den Großherzog und die Großherzogin“, erinnert sich Melsen. Und die beiden Letzteren saßen auch einmal in Colmar/Berg im Publikum. „Sie haben gelacht und gefragt, ob sie uns in der Pause hinter der Bühne besuchen können, aber es ist wohl nicht einfach, wenn man unten im Publikum sitzt und oben auf der Bühne parodiert wird, das haben auch schon einige Politiker gesagt.“ Los ging es für die Truppe im Jahr 2000, da allerdings noch als „Cabaret J.B.“ mit Josy Braun, als dieser nicht mehr spielen, sondern nur noch schreiben wollte, folgte die Umbenennung. Da in diesem November die Premiere des Stückes „Endlech Alaska!“ von Jay Schiltz nachgeholt wird, kommt das „Cabarenert“ erst 2019 mit einem neuen Programm. Die Fans warten indes ungeduldig. „Wir haben ein treues Publikum und werden sehr viel angesprochen, wann das neue Programm kommt“, berichtet Melsen, die von den vier Schauspielern inzwischen am längsten mit dabei ist.
www.cabarenert.lu
„Kabaret Sténkdéier“ formiert sich neu

„Man kann nicht mehr um sich schlagen, ohne zu überlegen“

Das „Kabaret Sténkdéier“ steht seit 1988 - mit einer kurzen Unterbrechung, aber stets mit einem neuen und selbst geschriebenen Programm - auf der Bühne. Nun, zum 30. Bestehen, soll es eine Veränderung geben: „Wir waren für unser Nummernkabarett bekannt, das war unsere Stärke, aber dieses Jahr soll es ein ganzes Stück geben“, sagt Roland Meyer. Der Autor steht bei dem Kabarett vor allem als Musiker auf der Bühne. Nach einigen Wechseln in der Besetzung setzt sich das Team für das neue Stück „Tabula rasa“ aus ihm sowie den fünf Schauspielern Conny Braquet, Irène Zeimes, Patrick Kayser, Luc Schumacher und Mich Wagener zusammen. Auch wenn es keine einzelnen Nummern mehr sind, will man immer noch politisch und sozial sein. Der Ansatz bleibt dabei vertraut. „Es geht immer darum, eine Idee in einen ungewohnten Kontext zu bringen, das bringt die Leute zum Staunen und zum Lachen.“ Allerdings läuft das in Zeiten des zunehmenden Populismus ein bisschen anders. „Der populistische Aspekt war ja immer typisch für das Kabarett, aber das ist ja jetzt anders besetzt“, resümiert Meyer und fügt an, „da kann man nicht mehr um sich schlagen, ohne zu überlegen, was das bedeutet, wir möchten da subtiler und vorsichtiger sein.“ Das neue und subtilere Stück soll im November nacheinander in Marnach, Mersch und Bergem bis Anfang Dezember zu sehen sein.SOP
www.stenkdeier.lu
Seit 2002 gibt es das „Kabarä Feierstëppler“

„Dorftheater hat irgendwann nicht mehr gereicht“

Seit 2002 gibt es das „Kabarä Feierstëppler“. Damals trat die Truppe mit ihrem Programm „Gi mir net ze wäit…?“ auf. Entstanden ist das Kabarett aus einem Dorfverein, das Dorftheater spielte. „Das hat uns irgendwann nicht mehr gereicht“, sagt Clod Thommes. Seitdem ziehen die „Feierstëppler“ mit ihrem Programmen durchs Land, für die sie zahlreiche namhafte Autoren wie Jemp Schuster, Jhemp Hoscheit, Rol Gelhausen, Jay Schiltz, Serge Tonnar, Claudine Muno, Francis Kirps, Viv Meintz-Maas oder Jean-Michel Treinen. gewinnen konnte. Balli Baldauff ist der „treue Musiker“ der Truppe. Ihre Programme haben die Kabarettisten zwischen 30 und 40 Mal quer durchs Land aufgeführt. Thommes weist darauf hin, dass sich die „Feierstëppler“ vor allem als sozialkritisches Kabarett, und nicht als politisches Kabarett verstehen. Voraussichtlich im Herbst 2019 wird das Team bestehend aus Clod Thommes, Lil Feinen, Roger Gereke, Lucienne Schleimer, Marie-Jeanne Jacobs und Romain Schleimer mit einem neuen Programm an den Start gehen. Einen Nachdreh ihres Programms „Al gin ass näischt fir Feiglinger“, das bislang 35 Mal aufgeführt wurde, könnte es ebenfalls geben, wie Thommes andeutet. Bis dahin sei nämlich die Hälfte der Truppe tatsächlich in Rente. 
www.feiersteppler.lu
Seit 17 Jahren touren die „Makadammen“ erfolgreich durchs Land

„Weder politisch noch männerfeindlich“

Vor einem Monat erst haben die „Makadammen“ ihre „Turlatäin“-Tournee beendet. 60 Mal standen sie mit dem Programm auf der Bühne. Eine lange Verschnaufpause gibt es nicht, das nächste Textbuch halten Susy Lentz, Maggy Molitor, Monique Mille und Théa Engel bereits in Händen. Im Herbst ist Premiere. Die vier Damen sind ein eingespieltes Team, kein Wunder, immerhin kennen sie sich seit 40 Jahren, seit ihrer Zeit beim „Lëtzebuerger Theater“ und der „Revue“. Der Frauentag in Roeser bildete im Jahr 2001 den Grundstein für die Gründung einer eigenen Truppe. „D’Meedercher vun der Revue“ sollten dort ein paar Sketche zum Besten geben. „Das hat uns so gut gefallen, dass wir danach ein Ensemble nur mit Frauen gegründet haben“, erzählt Maggy Molitor in einem früheren „Journal“-Interview. Das Programm, bei dem die Gesangseinlagen stets eine große Rolle spielen, ist weder männerfeindlich noch politisch, sondern eher sozialkritisch, oder wie es Maggy Molitor formuliert: „Wir machen uns über uns selbst lustig, darüber, wie wir uns im Alltag benehmen. Eigentlich greifen wir alles auf, was mit dem täglichen Leben zu tun hat. Ziel ist es, die Leute zum Lachen zu bringen. Sie sollen sich in dem, was auf der Bühne passiert, wiederfinden. Eigentlich ist das Leben ja sowieso ein Kabarettstück“.SIM
www.makadammen.lu