LUXEMBURG
CAROLINE REINIG

„Pre-College Programme“: Zwei Wochen in den USA leben und studieren

Der Auszug von Zuhause, um im Ausland zu studieren, ist ein herausfordernder Lebensabschnitt, der nicht unterschätzt werden sollte. Mit diversen Programmen kann man sich aber schon mit dieser Situation vertraut machen. Ich (19) bin alleine nach Amerika geflogen, um ein zweiwöchiges „Pre-College“ Programm auf der amerikanischen Universität „University of Connecticut“ (UCONN) mitzuerleben.

Einschüchternde Eindrücke

Nach einer über zehnstündigen Reise kam ich endlich im Zentrum New Yorks an. Es war mittlerweile nach Mitternacht und als Begrüßung blendeten mich die großen Werbeschilder am Times Square. In knapp acht Stunden würde mein Zug nach Hartford, dem der Universität nächstgelegenen Bahnhof, abfahren. Und ich hatte noch nicht mal mein Hotel gefunden. Mein Stresspegel war hoch und Stress prägt diese Stadt, was ich am eigenen Leibe erfahren sollte.

Ich drängelte mich durch die hektischen und vollen Straßen New Yorks, auf der Suche nach einem zu dieser Zeit geöffneten Mobilfunkanbieter - und wurde tatsächlich fündig. Nach einstündigem Warten wurde ich über einen Flat Screen aufgerufen. Der Verkäufer war mein erster echter sozialer Kontakt seit mehr als zwölf Stunden. Zum ersten Mal fühlte ich mich nicht verloren in der großen Stadt, in der keiner Zeit für niemanden hatte. Zuletzt ging es zum Bahnhofschalter, um meine Zugtickets abzuholen, die mir nicht, wie versprochen, über E-Mail zugesendet wurden. „Was schauen Sie mich so an“, hieß die Begrüßung der Angestellten, als ich vortrat. Meine Nacht fiel mit drei Stunden Schlaf so recht kurz aus.

Studieren, abhängen und trainieren

Nach fünfstündiger Fahrt kam ich auf dem Universitätsgelände an. Der Campus wirkte auf mich fast so groß wie Luxemburg-Stadt. Die Straßen waren wie leergefegt. Die Sommerferien hatten bereits begonnen. Nur wenige Studenten bleiben in dieser Zeit für Forschung oder Sport zurück. Die Räume meines Wohnheims waren jeweils für drei Studenten ausgelegt und mit Schreibtischen, Betten und Regalen ausgestattet. Das Badezimmer wurde jeweils mit dem Nachbarzimmer geteilt.

Ich hatte das Glück, nur eine Zimmergenossin zu haben, mit der ich mich auf Anhieb gut verstand. Es stellte sich sogar heraus, dass ihr Großvater Luxemburger ist, der im Zweiten Weltkrieg mit ihrem Vater nach Amerika ausgewandert war.

Am nächsten Tag begann meine Woche im Genomik-Unterricht. Als ich diese Klasse gewählt habe, hätte ich keineswegs gedacht, an der Krebsforschung mitzuwirken. Der Unterrichtsplan bestand abwechselnd aus Vorlesungen und Praktika. Für die Auswertungen benutzten wir Geräte mit Millionenwert. Unser Professor verwendete diese Resultate teilweise für sein Forschungsprojekt, bei dem er rausfinden sollte, ob eine bestimmte DNA-Kette des menschlichen Körpers der Auslöser von Krebs ist. Der Unterricht zog sich meistens über den ganzen Tag bis 17.00. An manchen Tagen mussten wir Workshops nach Wahl belegen, wie zum Beispiel Unibewerbungen schreiben.

Abends ging ich mit meinen Freunden zum „Sportscenter“, wo wir meistens zwei Stunden lang trainierten und abschließend ins Schwimmbad gingen. Ich musste zu meinem Erschüttern feststellen, dass es in Amerika keine Selbstverständlichkeit ist, schwimmen zu können. Woraufhin ich es also zwei Freundinnen während meines Aufenthalts direkt beibrachte.

Eine großartige Erfahrung

Am Wochenende gingen wir zu einem lokalen Baseballspiel im „Dunkin‘ Donuts-Stadium“ in Hartford. Die Sitze waren komplett gefüllt und die Animation war großartig, sodass das ganze Stadium während des Spieles sang und tanzte. Bis der letzte Ball geschlagen wurde und die Heimmannschaft gewann vergingen vier Stunden mit vielen Werbepausen - und trotzdem kam einem die Zeit kurz vor.

In der zweiten Woche belegte ich Chemie. Vom Aufbau her war es genau gleich wie der Genomik-Kurs. Da ich Chemie als Fach schon in der Sekundarstufe hatte, fiel mir sofort der Tempounterschied des Kurses auf. Eine Vorlesung von 60 Minuten deckte bis zu 50 Prozent des luxemburgischen Schulabschlussstoffes ab, ohne große Details auszulassen.

Mein Aufenthalt auf der UCONN hat mich auf die Uni vorbereitet und mir innerhalb von zwei Wochen bestmöglich das Studentenleben gezeigt. Zudem bin ich mir nun im Klaren, dass mein gewünschter Studiengang Chemie das Richtige für mich ist. Ich kann jedem nur dazu raten, solche Erfahrung vor dem Studium zu machen. Danach ist es zu spät.