STEINFORT
JEFF KARIER

Der Villa Collart in Steinfort wird mit viel Liebe fürs Detail neues Leben eingehaucht

Solch historisch wertvolle und besondere Gebäude wie die Villa Collart mit ihrem Park, findet man in Luxemburg nur noch selten“, betont Françoise Bruck vom Architekturbüro Bruck + Weckerle Architekten. Das 1904 fertiggestellte Gebäude gehörte der industriellen Familie Collart, die unter anderem in Steinfort eine Eisenhütte betrieb. Diente die Villa anfänglich als Doppelwohnhaus, richtete die Gemeinde Anfang der 2000er ein Jugendhaus hier ein, und wurde auch noch anderweitig genutzt. „Vor ein paar Jahren wurde klar, dass die Villa in einem zum Teil sehr schlechten Zustand war. Es musste also etwas getan werden“, erklärt Michel Clemen von der Gemeinde Steinfort.

Schaffung eines Anziehungspunkts

Nach einem eingeladenen Wettbewerb wurde das von Bruck + Weckerle Architekten ausgearbeitete Projekt für die Neunutzung des Gebäudes 2013 zurückbehalten. Die Gemeinde wollte die historisch wertvolle Villa nicht nur erhalten, sondern unter anderem hier ein Restaurant integrieren, um so einen mit Leben gefüllten Anziehungspunkt für die Einwohner von Steinfort zu schaffen.

Das Restaurant, das später von Chefkoch Thomas Murer betrieben wird, wird Platz für etwa 50 Personen in vier miteinander verbundenen Räumen bieten, wobei noch weitere Plätze auf der Terrasse sein werden. „Wir haben versucht, durch die Strukturierung der Räume Gemütlichkeit und eine angenehme Atmosphäre in den historischen Rahmen zu bekommen“, erklärt die Architektin. Die Küche ist derweil auf das Erdgeschoss und den Keller aufgeteilt, wobei im Keller unter anderem die Spüle und Lagerräume untergebracht sein sind.

Minutiöse Arbeit

Die eigentliche Renovations- und Restaurationsarbeiten begannen im Januar 2016. „Im Vorfeld haben wir jedoch bereits mit größter Sorgfalt vieles ausgebaut, um es zu schützen. Etwa Fliesen, die zum Teil aus Schlacke der Eisenhütte Steinforts hergestellt wurden, oder auch Türrahmen.“ Wenn die Villa in den nächsten Monaten eröffnet wird, wurde somit rund fast drei Jahre gebaut. Dabei stellten sich immer wieder neue Herausforderungen. „Wir sind immer wieder auf unvorhersehbare Komplikationen gestoßen, was bei einem solchen Haus nichts Ungewöhnliches ist.“ So wurde im Keller etwa ein Brunnen gefunden sowie ein versteckter, zugemauerter Raum, von dem man nicht ganz sicher ist, was es mit diesem auf sich hat. Nun befindet sich hier ein Weinkeller. Aber auch Bahnschienen in den Mauern sowie Spannseile aus Stahl, die das Haus stabilisieren, wurden freigelegt.

„Wir haben versucht, das Maximum des alten Bestandes zu erhalten“, erklärt Mathieu Oly, Projektleiter für Bruck + Weckerle Architekten. Eine Auskernung kam nicht infrage. So wurden auch die alten Holzböden erhalten, die zum Teil unter anderen Bodenbelägen versteckt waren. Die einzelnen Parkettteile wurden herausgelöst, nummeriert und trocken zwischengelagert. „Erst nachdem das Parkett entfernt war, wurde klar, wie der Zustand des Hauses und dessen Statik ist“, führt Oly aus. Da die Belastung durch die Umnutzung steigt, wurden die Balken des Hauses verstärkt, wie auch das Fundament, was unter der Leitung von Bauingenieur Marc Waltener passierte. Durch Betoneinspritzungen entlang tragender Mauern wurde dies erreicht, denn die Villa steht eigentlich auf den Überresten einer alten Deponie der Eisenhütte. Wiederentdeckt wurden etwa auch Stuckarbeiten, die zum
Teil auf traditionelle Art und Weise rekonstruiert werden mussten.

Vielseitige Nutzung

Man wollte außerdem eine möglichst große Nutzungsflexibilität erreichen. Neben den vier Räumen, die den Speisesaal bilden, gibt es zwei weitere Räume, die in erster Linie als Galerie dienen. Das Konzept der Architekten sieht dabei vor, dass man diese bei Anlässen wie etwa einer Hochzeit an das Restaurant anbinden kann. Dass das Haus über zwei Eingänge verfügt, kam den Architekten sehr entgegen. So gibt es nun einen für die Gäste und einen für das Personal des Restaurants. Auch gibt es zwischen Speiseraum und Küche zwei Ein- beziehungsweise Ausgänge, wie es die Gesundheitsbehörde vorsieht.

Die Villa Collart beherbergt neben dem Restaurant und einigen Räumen für Ausstellungen auch die Räumlichkeiten des „Syndicat d’Initiative“ und sonstigen Vereinen der Gemeinde im ersten Stock sowie deren Archiv im Keller und unter anderem zwei große Seminarräume im zweiten Stock. So ergeben sich viele Nutzungsmöglichkeiten und Kombinationen für die Villa.

Ergänzungen im Einklang

Neu hinzugekommen ist neben einer Überdachung des Gästeeingangs und einer Terrasse auch ein Aufzug, womit die Villa barrierefrei ist. Dieser fügt sich dabei sehr gut in das Gesamtbild ein. Dass für den Aufzug die Villa ein Stück vergrößert werden musste, erkennt man von außen auch auf den zweiten Blick kaum. „Es war uns sehr wichtig, dass nicht etwa ein moderner Glaskasten für den Lift an die Villa gebaut wurde, sondern das Gebäude in seiner historischen Ästhetik bestehen bleibt“, betont Clemen.

Ersetzt wurde die Haupttreppe des Gebäudes, und zwar durch eine eindrucksvolle Wendeltreppe, die durch seine geschwungenen Linien Elemente des Jugendstils, in dem auch die Villa gebaut wurde, aufgreift. Die Tische des Restaurants werden ihrerseits Elemente der Treppe widerspiegeln. So werden die Tischbeine ähnlich den Sprossen des Treppengeländers sein.

Ein harmonisches Gesamtkonzept

Bruck + Weckerle Architekten haben die Villa Collart aber auch unter städtebaulichen Aspekten betrachtet und ein Konzept entwickelt, welches den umliegenden Park sowie das angrenzende Rathaus, das Kulturzentrum „Al Schmelz“ und mehrere Grünflächen miteinander verbindet. „Wir sehen den Park und das Gebäude als Ensemble“, erklärt Oly. Bei der Umgestaltung des Parks wurden für das frühe 20. Jahrhundert typische Bäume und Sträucher ausgewählt und andere entfernt.

„Das war auch nötig, um die Villa und den Park nach außen zu öffnen“, erklärt Bruck. So wurden Perspektiven geschaffen, etwa hin zum Rathaus. Außerdem wird eine neue Brücke über den Bach Eisch gebaut, der an der Villa vorbeifließt. Deren Geländer wie auch die Terrasse der Villa wird aus Stahlstäben bestehen, wodurch ein Bezug zu der industriellen Vergangenheit der Gemeinde und der Familie Collart geschaffen wird.

Da die Villa sowie der Park unter Denkmalschutz stehen, war die Zusammenarbeit mit dem „Service des sites et monuments nationaux“ sehr eng. „Diese verlief auch ausgesprochen gut und wir haben von deren Wissen und Erfahrungen profitieren können“, betont Bruck. Da es sich bei der Villa um ein öffentliches Gebäude handelt, mussten auch Dinge wie Brandschutz und andere Sicherheitsstandards erfüllt werden, die nicht immer einfach mit dem Ziel des Erhalts der alten Bausubstanz und des historischen Charakters zu vereinbaren sind. Dieser Spagat scheint den Verantwortlichen jedoch gelungen zu sein.

Ende Oktober wird es eine kleine Eröffnung der Villa Collart geben. Im Frühling 2019 soll dann voraussichtlich eine große Eröffnung folgen. Dann erstrahlt auch der Park in seiner ganzen Schönheit.