PARIS
CHRISTIAN SPIELMANN

„Chambre 113“ ist die erste „Co-Médico Musicale“ überhaupt

Claire-Marie Systchenko bewies in jungen Jahren bereits ihr Talent als Musikerin und Komponistin. Didier Lockwood entdeckte sie für den Jazz. Später komponierte sie zwei Opern und machte ihr „Master in Musical Theatre“ in London. Nun hat sie ein Musical komponiert: „Chambre 113“, das sie als erste „Co-Médico Musicale“ bezeichnet. Sie spielt sogar in verschiedenen Vorstellungen im „Théâtre de Ménilmontant“ in Paris die Rolle der Mathilde. Vincent Vitoz inszenierte, und Eric Bongrand schrieb das Buch und die Texte.

Ein Unfall und seine Folgen

In einem Krankenhaus wartet Julien (Fred Colas) bereits seit Stunden auf den Arzt Dr. Grinsky (Emmanuel Quatra), der sich lieber mit der blonden Krankenschwester Natacha (Noémie François) amüsiert. Auch Mathilde (Chloé Horry) irrt herum, ohne dass sich jemand um sie kümmert. Als der Doktor den Namen des Mannes mitbekommt, besinnt er sich schließlich auf seine Aufgaben als Arzt und erklärt ihm, dass seine Frau Mathilde einen Unfall hatte und im Koma liegt. Wie es aussieht, sind die Chancen auf Genesung sehr gering. Julien bringt es anfangs nicht über sich, seine Frau zu besuchen. Erst auf Drängen der Krankenpflegerin Roseline (Hélène Hardouin) beginnt er, mit ihr zu reden. Es vergehen Monate, ohne dass eine Besserung eintritt. Roseline meint, dass Julien ihr etwas verbirgt, das Mathilde darin hindert, entweder vom Leben loszulassen oder zurückzukehren.

Gefühle und Humor

Das Musical beginnt mit dem erfrischenden Song „Bienvenue à l’hôpital“, und man könnte meinen, dass es sich um ein recht lustiges Musical handelt. Schnell wird der Zuschauer mit einem schrecklichen Ereignis konfrontiert, das niemand in der Realität erleben will. Die Frau, mit der Julien seit zehn Jahren verheiratet ist, ist ein Stück Gemüse geworden, das durch Schläuche am Leben gehalten wird. Julien hat alle Hoffnungen aufgegeben, wird aber durch die Ermutigungen der Pflegerinnen stets gepuscht, an eine Besserung zu glauben.

Es folgen noch ein paar weitere lockere Szenen, wie das Lied vom Doktor, der sich für den „besten Jünger von Hippokrates“ hält, oder „Rio de Janeiro“, ein Song, mit dem Roseline Mathilde mit auf eine Reise nach Brasilien nimmt. Fast die ganze Zeit liegt eine Puppe im Bett, während Chloé Horry als Geist von Mathilde mit Julien redet, ohne dass dieser sie hört. So wechseln sich humorvolle Szenen mit ganz emotionalen Momenten ab.

Weitere Produktionen im „Théâtre de Ménilmontant“

Das fünfköpfige Ensemble überzeugt in allen Belangen, wobei man aber Noémie François hervorheben muss. Sie hat eine ausgezeichnete klare Stimme und auch schauspielerisch gefällt sie außerordentlich. „Chambre 113“ ist eine kleine Produktion, die man jedoch nicht verpassen sollte.

Im „Théâtre de Ménilmontant“ ist des Weiteren die Gesangsshow „Les Divalala - Femme, Femme, Femme“ zu sehen. Angélique Fridblatt, Gabrielle Laurens und Marion Lépine sind diese Divas, die in Perfektion singen und auf den unmöglichsten Utensilien Musik machen, wie Gläser oder Schläuche. Leider fehlt ein roter Faden, der die etwa 50 vorgetragenen Lieder, mal ganz, mal ausschnittsweise, zusammenhält.

Im „Théâtre de Ménilmontant“ mit seinen drei Sälen, in der Rue du Retrait, in der Nähe der Metrostation Gambetta, laufen ganz viele Stücke zu den unterschiedlichsten Zeiten.


Alle Informationen und Tickets findet man auf der

Internetseite www.menilmontant.info/fr