LUXEMBURG
JEFF KARIER

Erste Episode von „Life is Strange: Before the Storm“ überzeugt trotz minimalen Abstrichen

Keinen Nachfolger, sondern ein Prequel veröffentlichte Publisher Square Enix vor Kurzem zum sehr erfolgreichen Adventure „Life is Strange“. Bereits auf der Gamescom konnten wir uns einen ersten Eindruck von dem Spiel machen, das allerdings nicht wie der erste Teil von Dontnod Entertainment entwickelt wurde. Diese sitzen neben ihrem bald erscheinenden Spiel „Vampyr“ nämlich an dem eigentlichen Nachfolger zu „Life is Strange“. Verantwortlich für den nun erschienen Teil sind die Leute von „Deck Nine“.

Neu in „Life is Strange: Before the Storm“ ist das Backtalk-System, das uns Produzent David Hein und Game Designer Alejandro Arque während unseres Termins in Köln präsentierten. Bei diesem muss man mit Chloe Andere mittels den richtigen Argumenten, schlauen Sprüchen oder Beleidigungen überzeugen oder in ihre Schranken weisen. Während der Präsentation hat „Deck Nine“ auch die vielen verschiedenen Verläufe der Handlung verdeutlicht. Denn nahezu alle Entscheidungen im Spiel haben große wie kleine Konsequenzen und beeinflussen die Story, wie man es schon von „Life is Strange“ gewohnt ist.

Jeder Spieler erlebt also eine etwas andere Geschichte, die allerdings wohl auch nur wenige Enden hinausläuft. Auf dem Weg dahin verstecken sich aber viele kleine liebevolle Szenen, Anspielungen und Elemente. So kann man etwa eine Art „Dungeons & Dragons“ spielen, oder entscheiden, welches T-Shirt man zur Schule trägt, was wiederum verschiedene Reaktionen hervorrufen kann.

Aus den Fugen geraten

Im Mittelpunkt steht diesmal Chloe Price, die man bereits aus Teil 1. kennt und nun ihre Entwicklung zu der jungen rebellischen Powerfrau erlebt. Denn durch den Verlust ihres Vaters, der bei einem Autounfall ums Leben kam, und dem Wegzug ihrer besten Freundin und Stütze Max Caulfield, fällt Chloe in ein tiefes Loch. Während ihr Leben aus den Fugen gerät, scheint ihre Mutter mit dem Verlust abschließen zu können und hat einen neuen Freund, den Chloe, wie zu erwarten, hasst. Zu dieser Zeit trifft der Teenager bei einem Konzert in einem leer stehenden Sägewerk auf Rachel Amber, das beliebteste Mädchen ihrer Schule, wodurch die eigentliche Handlung des Spiels beginnt und sich um die Beziehung der beiden, die jedoch etwas erzwungen wirkt, dreht.

Wie bereits „Life is Strange“ bewegt sich auch die Handlung von „Before the Storm“ auf einem hohen Niveau, die es auch immer wieder, schafft emotionale Momente zu erzeugen. Das liegt zum einen an der guten Dramaturgie. Zum anderen aber auch an der Leistung der Synchronsprecher sowie dem Zusammenspiel von Bild und Soundtrack. Bei Letzterem arbeiteten die Macher mit der Band „Daughter“ zusammen, der sie grobe Anweisungen für die Stimmung in den jeweiligen Szenen gaben und woraus die Musiker aus London einige tolle Stücke schufen.

Starke Handlung und Charaktere

Das neu eingeführt Backtalksystem, von dem wir auf der Gamescom noch nicht wussten, wie sich dieses in das Gesamtgefüge eingliedern wird, funktioniert gut, auch wenn es weniger innovativ und geschmeidig ist, wie das zur Zeitmanipulierung aus. Auch dass die Synchronsprecherin von Chloe, aus Teil eins Ashly Burch durch Rhianna DeVries ersetzt werden musste, fällt kaum auf. Bislang ist nur die erste von drei Episoden von „Life is Strange: Before the Storm“ erschienen. Ob sich die Qualität über die weiteren Episoden halten wird, können wir nicht abschätzen. Trotzdem sollte man sich das Spiel unbedingt holen, und zwar vor allem, wenn man den Vorgänger oder einfach Spiele mit einer starken Handlung und noch stärkeren Charakteren mag. Die nächste Episode soll wohl Anfang November veröffentlicht werden. Ein festes Datum haben „Deck Nine“ und „Square Enix“ jedoch bislang noch nicht bekannt gegeben.