PASCAL STEINWACHS

Schubsten sich die Kandidaten und Kandidatinnen der an den Parlamentswahlen teilnehmenden Parteien schon bei der letztwöchigen Eröffnung der Schobermesse - mit der, zumindest inoffiziell, gemeinhin die politische Rentrée in Luxemburg eingeleitet wird - gegenseitig weg, um solcherart einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern und auf möglichst viele Pressefotos zu kommen, so dürfte das Ringen der Politiker um die Gunst der Fotografen und Kameraleute am nächsten Montag auf der hauptstädtischen Braderie noch um einiges größer werden, wird der Wahlkampf ab kommender Woche doch endlich eröffnet.

Der Startschuss der offiziellen Kampagne fällt zwar erst am 10. September, die Wahlplakate dürfen aber bereits ab nächstem Freitag aufgestellt beziehungsweise aufgeklebt werden, und dann verbleiben gerade einmal noch fünf Wochen bis zum Wahltermin, demnach dieser Wahlkampf zwar kurz, aber höchstwahrscheinlich umso heftiger ausfallen wird.

Auf der Braderie dürften dann auch wieder eine Unmenge an Kugelschreibern und Luftballons an den Mann oder die Frau gebracht werden, wobei aber wahrscheinlich nur die Allerwenigsten eine Partei oder einen Kandidaten nur deshalb wählen, weil sie ein Gadget bekommen haben. Da aber das Panaschieren in Luxemburg besonders beliebt ist, und es auch hierzulande bei einer Mehrzahl der Wähler eher auf die persönliche Sympathie als auf das Wahlprogramm der jeweiligen Parteien ankommt, könnte sich eine Anwesenheit der Kandidaten auf der Schobermesse oder auf der Braderie wahrscheinlich doch lohnen.

Ab nächster Woche werden dann auch die Wahlkampagnen der politischen Parteien vorgestellt. Den Anfang macht am Dienstag die LSAP, die auf die Industriebrachen von Esch/Schifflingen einlädt, gefolgt von der CSV am Freitag, wobei letztere den dritten und letzten Teil ihres Wahlprogramms sogar erst am 10. September vorstellen wird, derweil der eigentliche Wahlkongress der größten Oppositionspartei erst am 15. September, also weniger als einen Monat vor dem Wahltermin, stattfinden wird. Die adr stellte ihr Wahlprogramm indes gestern vor.

Auch von Regierungsseite gibt es ab nächster Woche einen regelrechten Overkill an Pressekonferenzen, und dies nicht nur, um Bilanz zu ziehen. So zeigen sich die Kabinettsmitglieder zurzeit bei jedem noch so kleinen Ereignis - aber bei den Gemeindewahlen wurden ja sogar neue Toiletten in Anwesenheit der politischen Prominenz eingeweiht. So dürfte dieser Tage so manch ein Minister oder Staatssekretär an Plätze und Ortschaften gekommen sein, an denen er zuvor noch nie gewesen ist. Sogar Außenminister Asselborn, der sich ja wahrlich nicht über Arbeitsmangel beklagen dürfte, ist sich für solche Aktionen nicht zu schade, weiht er doch nächste Woche höchstpersönlich - einen „Bref point de presse“ soll es auch geben - das neue Passbüro ein.

Und die zahlreichen neuen Facebook-, Twitter- und Instagram-Seiten sowie persönlichen Blogs der Politiker, die in den letzten Wochen ins Leben gerufen wurden, die werden nach dem 14. Oktober wieder den Schlaf der Gerechten schlafen...