LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Citi-Landes-Chefin Alberta Brusi setzt auf den Ausbau des Privatkundengeschäfts

Seit gut zwei Jahren ist Alberta Brusi in Luxemburg. Die Italienerin zeichnet vom Sitz in Bartringen aus verantwortlich für die Aktivitäten der Citibank Luxembourg. Im Exklusiv-Interview mit dem „Journal“ erzählt die 49-Jährige, was sie vorhat - mit der Bank, dem Brexit und ihrer eigenen Karriere.

Ihr Arbeitgeber hatte nach der Finanzkrise 2007/2008 eine schwere Zeit erlebt und sich seither von zahlreichen Geschäften getrennt. Mit welchem Auftrag sind Sie hergekommen?

Alberta Brusi Ich habe ganz klar einen Wachstumsauftrag. Wir sind durch einen großen Umwandlungsprozess gegangen. Wir haben rund 60 Unternehmen verkauft und Werte in der Citi Holdings von 800 Milliarden auf fast Null heruntergefahren. Ende 2016 haben wir auch die getrennte Bilanzierung von Citicorp und Citi Holdings (die bad bank, Anm. d. Red.) beendet. Das hat natürlich das Geschäft in allen Ländern beeinflusst, auch in Luxemburg. Als ich kam, hatten wir 160 Mitarbeiter, jetzt 150. Jetzt hat der Schrumpfkurs ein Ende. Wir wollen wachsen, und zwar im institutionellen und im Kundengeschäft, auch in Luxemburg. Das ist mein Mandat. Das wollen wir erreichen, indem wir tun, was wir am besten können. Wir wollen die beste Bank für Kunden sein.

Was können Sie denn am besten - und was bedeutet das für Luxemburg?

Brusi Wir setzen ein globales Konzept um. Wir haben hier in Luxemburg institutionelle Kunden aus der ganzen Welt: Regierungen, Investoren, Multinationale Unternehmen, Institutionen, und bald, warum nicht, Ultra High Networth Individuals. Wir verwalten rund 79 Milliarden Euro - nicht nur in Luxemburg, sondern auch in Fonds auf den Bermudas oder den Kaiman-Inseln. Wir müssen effizient sein und Kosten senken. Das bleibt eine Priorität. Die Frage ist jetzt, wie und wo wir wachsen. Ich arbeite mit Citi in London, Paris, Amsterdam und Dublin zusammen, um das Beste von Citi anzubieten. Im Übrigen gab es einen Paradigmen-Wechsel. Anfang der 2000er Jahre verfolgte Citi noch die Strategie, allen zu dienen. Wir haben das revidiert und uns von einigen Nischen getrennt. Im Bereich EMEA - also Europa, Mittlerer Osten und Afrika - haben wir 5.000 Kunden weniger. Das hat damit zu tun, dass wir uns nun darauf konzentrieren, wo wir unseren Kunden wirklich einen globalen Nutzen bieten können.

Luxleaks hat die Frage nach der Moral im Geschäft gestellt. Wie sehen
Sie das?

Brusi Wir wollen das Vertrauen unserer Kunden verdienen und Resultate bringen, und zwar auf eine Weise, die sicher und einwandfrei ist. Die Ergebnisse müssen verantwortlich erzielt werden. Persönlich finde ich, dass die Regierung in Luxemburg schon vor dem Luxleaks-Thema viel getan hat - und danach erst recht.

Welche Rolle spielt Luxemburg in
einer Bank wie Citi?

Brusi Wir sind weltweit in über hundert Ländern auf sechs Kontinenten vertreten. Unsere Kunden kommen aus rund 160 Ländern. Wir sind die globalste Bank der Branche. Manche wollen das nachmachen, aber das ist nicht einfach. 2020 werden wir hier in Luxemburg 50 Jahre Bestehen feiern. Wir sind die erste US-Bank, die herkam. Gerade haben wir den Vorsitz der „Association of North American Banks in Luxembourg“, ANABL, übernommen, in der die sieben US-Institute in Luxemburg zusammen arbeiten. Wir arbeiten eng mit der US-Botschaft hier zusammen, auch wenn die Tatsache, dass der Botschafterposten noch nicht besetzt ist, die Sache etwas bremst. Wir kooperieren mit dem Bankenverband ABBL und dem Fondsverband ALFI sowie mit „Luxembourg for Finance“ und engagieren uns mit dem Journalisten-Preis für Qualität in der Berichterstattung.

Was machen Sie im Bereich Fintech?

Brusi Das fällt in meine Verantwortung. Ich habe mich dort lange eingearbeitet, um wirklich zu verstehen, was hinter Big Data und Blockchain steht. Citi ist sehr innovationsorientiert. Wir haben Innovations-Labore der Bank in Dublin, Singapur, Palo Alto und Tel Aviv.

Und nicht hier?

Brusi Ich habe den CEO des „Luxembourg House of Financial Technology“ (LHoFT ) getroffen und über Möglichkeiten gesprochen. Wir können nicht überall ein Innovationslabor haben. Aber unser Innovationsbeschleunigungs-Programm und unsere Zentren stehen Interessierten weltweit offen. Sie müssen nur kommen und für Venture Capital sorgen. Ich weiß nicht, wie lange Israel gebraucht hat, um international für Innovation bekannt zu werden, aber es hat geklappt.

Sie engagieren sich auch für Gender-Themen.

Brusi Ja, ich bin da sehr aktiv, nicht nur wegen der Menschen, sondern auch wegen der Zahlen. Viele Studien belegen, dass gemischte Teams bessere Resultate erzielen. Wenn Länder Regierungen mit einem fünfzigprozentigen Frauenanteil hätten, dann würde ihr Bruttoinlandsprodukt um 25 Prozent höher liegen. Aber selbst bei einem konservativen Ansatz wären es immer noch sechs Prozent mehr. Wir versuchen das konkret umzusetzen. Ich nehme an öffentlichen Panels teil. Aber auch intern arbeiten wir an flexiblen Arbeitszeitprogrammen, insbesondere wegen der Grenzgänger. Wir unterstützen auch die „returners initative“, die Leuten hilft, zurück in den Job zu finden, wenn sie Wissenslücken haben. Davon sind hauptsächlich Frauen betroffen, oft wegen der Kinder. Außerdem unterstützen wir die „Job Tailors“, das ist auch eine gute Sache.

Wie wirkt sich der Brexit bei Citi aus?

Brusi Das Wichtigste ist, dass wir unabhängig vom Ergebnis der Brexit-Verhandlungen in der Lage sind, unseren Kunden in Europa einen kontinuierlichen und beständigen Service zu bieten. Wir haben deshalb im Juli unseren Plan bekannt gegeben, eine unserer bestehenden deutschen Tochtergesellschaften in eine Investmentfirma umzuwandeln. Wir werden eine geringere Zahl von Stellen umsiedeln müssen, aber es ist schon wichtig zu unterstreichen, dass Citi´s Situation uns gut für den Brexit positioniert. Mit der Zeit rechnen wir damit, dass unser Personalbestand um rund 200 Mitarbeiter steigt, und zwar verteilt auf europäische Schlüsselstädte wie Amsterdam, Dublin, Mailand, Madrid, Paris, Frankfurt und Luxemburg. Wir sind schon in rund 20 EU-Ländern präsent und haben den EU-Hauptsitz in Dublin. Dort arbeitet etwa die Hälfte unserer Mitarbeiter, die außerhalb Großbritanniens tätig sind. Das Buchungszentrum für unser Private Banking-Geschäft wird in Luxemburg angesiedelt. Darüber bin ich persönlich sehr froh. Es zeigt, wie wichtig Luxemburg für Citi ist.

Wie lange bleiben Sie in Luxemburg?

Brusi Normal für so einen Posten sind drei Jahre. Aber ich habe viel gelernt und mich hier eingelebt. Mit meinem Partner wohne ich auf Limpertsberg. Die meisten Leute, die ich kenne, kamen für sechs Monate. Jetzt sind sie seit 24 oder 25 Jahren hier. Ich bin jetzt seit etwas mehr als zwei Jahren in Luxemburg und hoffe, ich kann hier bleiben.