BRÜGGE
CLAUDE KARGER

Brügge ist immer eine Reise wert

Es geht hektisch zu im Zentrum von Brügge. Am „Grand Place“, die von dem 83 Meter hohen „Beffroi“ aus dem 13. bis 15. Jahrhundert dominiert wird, treffen Passanten, Radfahrer und Pferdekutschen und das gelegentliche Taxi aufeinander - Autos sind in der Stadt, die einige große Parkgelegenheiten etwas außerhalb anbietet, unerwünscht und dürfen hier nur mit maximal 30 km/h fahren. Das Herz der mittelalterlichen Stadt pocht Anfang August viel schneller als sonst. Es ist die Haupttouristensaison und die Gäste kommen in Scharen. Mit rund sieben Millionen Touristen ist die lediglich 119.000 Einwohner zählende Hauptstadt der Provinz Westflandern unangefochten die erste Destination in Belgien - weit vor Brüssel, das jährlich 3,3 Millionen Besucher zählt.

Zur Nordsee ausgerichtet

Denn Brügge, einst eine florierende Handelsmetropole, ist einfach ein Juwel. Zahlreiche Gebäude aus der großen Zeit der Stadt zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert sind erhalten. Wenn man durch die engen Gassen schlendert oder sich auf einen Kaffee in einem der zahlreichen Hinterhöfe im Stadtkern niederlässt, scheint die Zeit stehen geblieben. Der heutige Charme ist aber auch ein Zeichen dafür, dass Brügge sehr lange abseits der Wirtschaftsentwicklung stand. Denn deren Lebensader, die es ihr über Jahrhunderte ermöglichte, am Welthandel teilzunehmen, war bereits am Ende des 15. Jahrhunderts gekappt. Brügge verlor damals durch die Versandung des so genannten „Zwin“, einem Arm der Nordsee, der bis weit ins flämische Landesinnere hineinreichte, den Zugang zum Meer. Die Zeit anderer Städte wie Antwerpen, die direkt an der Nordsee liegen, hatte geschlagen. Für Brügge bedeutete das jahrhundertelangen Stillstand. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts ergaben sich wieder Perspektiven Richtung Nordsee, als eine Verbindung mit dem Hafen Zeebrügge geschaffen wurde, an dem man heute das Ballett der riesigen Containerschiffe aus aller Welt beobachten kann.

Kulturelles Zentrum

Die Aktivitäten auf dem Wasser in Brügge, das sind allerdings vor allem die Boote, welche Unmassen von Touristen über die Kanäle der Stadt transportieren, die ihr den Ruf des „Venedig des Nordens“ einbrachten. Es gibt aber auch einen offenen Bus, um die Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Alternativ bietet sich eine Rundfahrt mit der Pferdekutsche an. Brügge lässt sich natürlich auch sehr gut zu Fuß entdecken. Wir waren bei unserem Besuch von Blankenberge aus mit dem Zug in die Stadt gefahren - die Reise dauerte eine knappe Viertelstunde und wir marschierten dann durch die ruhigen Kopfsteinpflasterstraßen der Vororte bis in den Stadtkern. Das braucht wieder nur eine knappe Viertelstunde. Da hat man Zeit, sich die historischen Backsteinziegelgebäude anzusehen, von denen jedes besonders ist und auffallend viele zum Verkauf stehen... Brügge ist vor allem auch ein kulturelles Zentrum. Die Europäische Kulturhauptstadt 2002 bietet etwa eine Vielzahl von Museen, wie das Groeningemuseum und das Arentshuis, wo flämische Kunst aus mehreren Jahrhunderten gezeigt werden. Es gibt auch eine Reihe von privaten Museen, etwa zu den Themen Pommes Frites, Bier, Folterinstrumente, Diamanten und Schokolade. A propos Schokolade: Ganze Straßen sind vollgestopft mit Geschäften, die den belgischen Exportschlager in allen erdenklichen Formen und Farben nebst anderen Süßigkeiten feilbieten. Dazwischen immer wieder: Boutiquen, die vor allem Spitze führen. Einst war Brügge eine Kapitale der filigranen Dekorationselemente aus Garn und Stoff.

Es gibt dermaßen viel in der Stadt, die auch mit zahlreichen gastronomischen Hochburgen punkten kann, zu entdecken, dass ein Tag Aufenthalt kaum reicht. Brügge ist immer eine Reise wert, wie auch das charmante Umland.

Mehr: www.visitbruges.be