LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

DKollektiv verbindet in Düdelingen Industriegeschichte und Kunst

Wir wollten als Künstler etwas in der Industriehalle machen, um darauf hinzuweisen, dass man diese Gebäude schützen muss, aber auch um die Transition von Düdelingen zwischen Industrie und Zukunft zu zeigen.“ Marlène Kreins fasst das Ziel der jungen Künstler vom DKollektiv in Worte: Zukunft und Tradition sind ihnen besonders wichtig.

Ein besonderes Projekt des DKollektiv ist also das „Atelier D“ in der Halle „Fondouq“ von ArcelorMittal, dem ehemaligen Lokomotivatelier, auf einer Industriebrachfläche am Rand von Düdelingen. Grundgedanke des Ateliers ist, hier einen Ort des künstlerischen Schaffens zu haben, der nicht nur in Verbindung zu seinem Ort und seiner Geschichte steht, sondern auch in Beziehung zu seiner Veränderung - sollte das ehemalige Industriegebiet doch Platz für andere Gebäude machen. Dabei versuchen die Künstler auch, eng mit ihrer Umgebung zusammenzuarbeiten, also die Düdelinger Vereine einzubeziehen, ebenso Schulen, Migrationszentrum, Gemeinde. Die Zielgruppe ist weit gefasst, die Künstler wollen alle erreichen: sowohl die ehemaligen Arbeiter, die noch Erinnerungen an das Leben mit der Industrie haben, als auch Anwohner und natürlich auch die junge Generation.

Projekte mit Jugendlichen

Beginn für das Projekt war die „biennale de la culture industrielle et de l’innovation“ im Jahr 2016, als sich das Team formierte. Einen Monat lang hatten sich die Künstler im „Laminoir“ von ArcelorMittal niedergelassen und andere Künstler, aber auch Architekten, Designer, Historiker und Bürger zu sich eingeladen. Gemeinsam wurde über Industrie, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft, nachgedacht und diskutiert. Zum Programm gehörten Soirées, Workshops und Diskussionsrunden. Im Jahr 2017 zog man dann in die nahe Halle „Fondouq“ um.

Dort wurden im „Atelier D“ in der warmen Jahreszeit dann unter anderem verschiedene Produktionsateliers angeboten, bei denen mit Metall, Holz, Serigraphie und Fotografie gearbeitet wird. Jüngst hatten diese Möglichkeit einige Mädchen auf Arbeits- oder Ausbildungsplatzsuche, die bei dem Atelier „Locker vom Hocker“ ihre eigene Sitzgelegenheit gestalten konnten. Die Künstler haben den Teilnehmerinnen dabei geholfen und ihnen handwerkliche Techniken vermittelt. Während des mehrtägigen Workshops, der Mitte September stattfand, haben die Mädchen nicht nur selbst zu Holzkleber und Schrauben gegriffen, sondern sie haben auch gelernt, mit Trennschleifer und Stichsäge umzugehen.

Nach den erfolgreichsten Projekten gefragt, beginnt Kreins mit den Workshops, die sehr gut von den Teilnehmern angenommen wurden. Auch ein Projekt mit „Microrésidence“ mit drei Künstlern habe sehr gut funktioniert. Die Saisoneröffnung und die Konzerte seien ebenfalls gut besucht gewesen. Filmvorführungen und Diskussionsrunden komplettierten das Programm. Unterstützung dafür gibt es von der Stadt Düdelingen und vom Kulturministerium. „2016 wurden wir sehr großzügig vom ‚Œuvre Nationale de Secours Grande-Duchesse Charlotte‘ unterstützt, davon zehren wir noch“, erklärt Kreins. Die meisten Workshops werden daher gratis oder für den Kostenbeitrag für das Material angeboten. Die Mitglieder des DKollektiv wiederum arbeiten in Teil- oder Vollzeit teilweise in anderen Berufen, oder sind freischaffende Künstler. „Das Projekt ist ein bisschen ‚bénévole‘, es war uns allen klar, dass wir damit kein Geld verdienen“.

Zuletzt waren die Künstler im „Centre national de l’audiovisuel“ (CNA), in der Halle ist es im Winter sehr kalt, aktiv. Im CNA zeigten sie die Ausstellung „espace sans échelle“ rund um einen mechanischen Antrieb.


Weitere Informationen unter www.dkollektiv.org
und www.facebook.com/Dkollektivatelier