LUXEMBURG
INGO ZWANK

Gedenkfeier im Rahmen der „Gaymat“-Pride-Woche in Esch/Alzette

Eine Pride-Woche wie „Gaymat“ ist mehr als nur Party und Frohsinn. Deswegen gedachte die LGBTI-Community beim Start der Pride-Woche am Montagabend all jenen, die nicht die Chance hatten oder aktuell auch noch nicht haben, ihre Liebe, ihre Lebensweise, ihre Sexualität so auszuleben, wie es in Luxemburg möglich ist. Romain Mancinelli-Mirti, Präsident von „Rosa Lëtzebuerg asbl“ und Mitorganisator des „Gaymat“, konnte zu diesem Anlass die Minister Corinne Cahen und Etienne Schneider sowie viele Abgeordnete begrüßen.

Pim Knaff, Schöffe der Stadt Esch/Alzette, fühlte sich geehrt, bei der Veranstaltung sprechen zu dürfen. „Ein emotionaler Moment für mich“, sagte Knaff, „sich erinnern, verzeihen, das macht uns zu Menschen aus.“ Knaff ging auf die LGBTI-Situation in der Welt ein, auch auf Russland, wo Homosexuelle verfolgt wird. „Alles ist alles auf Hochglanz zur WM herausgeputzt“, doch man müsse auch auf diese Themen ein Auge werfen. Russland sei zwar weit, doch auch in Frankreich, „nahe bei Luxemburg“, gebe es hasserfüllte Aktionen gegen die LGBTI-Community. In Paris wurden Regenbogenfahnen zur Pride zerstört, in Metz eine Ausstellung mit Hassparolen versehen. „Es ist nicht in Ordnung, Personen bezüglich ihrer Sexualität anzugreifen“, auch Politiker würden dies oft vergessen. Daher sei Esch/Alzette stolz, sich so offen zu präsentieren und „Gaymat“ auszurichten.

Respekt ist das Stichwort

Ministerin Cahen betonte, dass man Menschen „nicht aufgrund ihrer Lebenswahl angreifen und diskriminieren darf.“ Respekt sei das Stichwort, sagte Cahen. Sie griff auch das Thema auf, dass man „Intersex-Kinder“ nicht bereits bei der Geburt „nach dem Willen der Eltern“ operieren sollte. „Ich möchte somit auch an die denken, die mit einem undefinierten Geschlecht auf die Welt kommen.“ Wichtig sei einfach, „dass man nicht vergisst, dass Leute aufgrund ihrer Sexualität, ihrer Religion, ihrer Lebensweise, deportiert wurden.“ Jedes einzelne Menschenleben sei wichtig, betonte die Ministerin und appellierte so an Toleranz und forderte Respekt gegenüber allen ein.

Minister Schneider ging mit einer sehr persönlichen Rede auf die Entwicklung von „Rosa Lëtzebuerg asbl“ ein, war er doch ein Gründungsmitglied der Vereinigung. Die Arbeit mit der Presse sei noch schwierig gewesen, hatten viele doch die Angst, vom Arbeitgeber erkannt und so geoutet zu werden. Briefe sollten in neutralen Umschlägen versendet werden, „sollten doch die Nachbarn und auch der Briefträger nichts erfahren. Fast unvorstellbar heute.“ Schneider sei daher froh, dass Luxemburg entsprechend offen geworden ist. Nicht zuletzt mit Blick auf den „aktuellen Premier und auch den Vize-Premier“, die kein Geheimnis aus ihrer Sexualität machen. „Was aber schon mal zu diplomatisch heiklen Situationen führen kann.“

Probleme auf dem diplomatischen Parkett:„Wenn, dann nur zusammen...“

Riet man doch den beiden vonseiten der Diplomaten zu Beginn der Regierungszeit, sich diesbezüglich mit Partner etwas zurückzuhalten. „Doch das offene Auftreten von uns hat Luxemburg viel Ansehen gebracht. Treten wir doch sehr selbstbewusst auf und dies, so oft es geht, eben mit unseren Partnern“ – was auch zur Folge hat, dass es eben in Ländern, wo Homosexualität noch ein Problem ist, in den Hotels nicht freiwillig ein Zimmer für die Paare gab, „man wollte gerne Betten in getrennten Zimmern anbieten“, wie Schneider berichtete, „doch dann wären wir eben nicht gekommen.“

Im Anschluss an die Gedenkfeier wurde die Ausstellung unter dem Thema #respect und Bildern von Künstlerin Emanuela Wille im Escher Theater eröffnet.
Eine Parade darf natürlich auch nicht beim „Gaymat“ fehlen. Sie startet am 14. Juli pünktlich um 14.00 auf der Place de la résistance, genauer am Escher Stadttheater, und bahnt sich dann den Weg durch die Einkaufsstraße, um gegen 14:30 am Rathausplatz zu enden. Hier startet dann offiziell das große Straßenfest mit der feierlichen Eröffnung durch die Bürgermeister George Mischo


Heute Abend findet um 19.00 eine Podiumsdiskussion

in der Kulturfabrik Esch/Alzette mit Spitzenpolitikern statt