Sexismus ist allgegenwärtig, allerdings fehlt noch das Bewusstsein oder Gespür dafür. Ziel der Aktionsplattform „Journée internationale des femmes“ (JIF2016) ist es, Politik und Gesellschaft wachzurütteln und dazu zu ermutigen, ein realistischeres Bild der Frau zu fördern. Auch die breite Öffentlichkeit müsse aktiver in den Kampf gegen Sexismus eingebunden werden, findet Ainhoa Achutegui von der Aktionsplattform JIF2016.

„Sexismus findet überall statt. Es ist deshalb wichtig, dass sich auch die Öffentlichkeit dazu äußert, beziehungsweise dass eingegriffen wird, wenn Sexismus selbst erlebt oder bei anderen beobachtet wird. Im Bereich Rassismus gab es bereits viele Kampagnen, die erfolgreich dagegen ankämpften. Werden rassistische Witze gemacht, kann man sich sicher sein, dass sich jemand dagegen auflehnt. Bei sexistischen Angelegenheiten passiert das nicht. Genau das beanstande ich.

Niemand wird es in der Öffentlichkeit wagen, einen Witz über dunkelhäutige Menschen zu reißen, weil er oder sie dann zu Recht kritisiert werden würde. Frauen- und sogenannte Blondinenwitze sind dagegen ganz normal. Im Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus wurde in diesem Zusammenhang etwas erreicht, wovon wir beim Sexismus noch entfernt sind. Auch in diesem Bereich müssen wir Zivilcourage zeigen.

Die Kampagne von Richtung22, die momentan gegen die Pin-up-Girls auf der Webseite von RTL geführt wird, ist eine sehr lobenswerte Initiative. Es ist richtig, einzuschreiten, immerhin handelt es sich um die meistgesehene und auch eine seriöse Informationsseite im Land. Ich bin froh, dass dieses junge Kollektiv sich dafür einsetzt, doch die Debatte muss auf allen Ebenen geführt werden: Sprache, Arbeitsalltag, Rollenmuster. Wenn wir diese sexistischen Muster weiterführen und weiter zulassen, entfernen wir uns immer weiter von einer vollkommen gleichberechtigten Gesellschaft.

Alltagssexismus ist manchmal schwer zu erkennen und doch findet er statt. Ein Beispiel: Sitzt eine einzige Frau in einem Verwaltungsrat, wird sie während einer Sitzung schon mal darum gebeten, Kaffee zu kochen. Einen Mann würde man nicht dazu auffordern. Auf so etwas muss reagiert werden, als Betroffene genauso wie als Mann.

Auch Medien geraten (sicherlich unbewusst) in die Sexismus-Falle. Vor kurzem hörte ich folgende Headline im Radio: ,Die zwei beliebtesten Politiker sind Frauen, auch die letzte auf der Liste ist eine Frau‘. Stellen Sie sich aber folgende Headline vor: ,Die zwei beliebtesten Politiker sind Männer, auch der letzte auf der Liste ist ein Mann‘. Sie würden sich über diese absurde Schlagzeile wundern. Es genügt also oft, einfach im Gedanken Frau durch Mann zu ersetzen (einziger Mann im Verwaltungsrat, er wird gefragt…) und sich des Alltagssexismus‘ bewusst werden.

Die sozialen Netzwerke bieten Foren, um auf Alltagssexismus aufmerksam zu machen, auf sexistische Werbung etwa. Auf Twitter gibt es diesbezüglich bereits viele Aktionen (#aufschrei, #everydaysexism oder gegen Sexismus und Rassismus #ausnahmslos.), Sexismus wird da kritisch kommentiert und dokumentiert. Das ist ein richtiger Weg und guter Anfang. Es ist wichtig, dass wir alle die Augen öffnen und Alltagssexismus nicht mehr hinnehmen. Erst dann kommen wir auch in diesem Bereich weiter.“