LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Gilles Weber, Direktor der Stiftung „natur&ëmwelt“, weiß, wie die Wahl zum Baum des Jahres abläuft

Am 12. November fand in Luxemburg wieder der Tag des Baums statt. In diesem Jahr steht der Speierling als Baum des Jahres im Zentrum des Interesses. Gilles Weber, Direktor der Stiftung „natur&ëmwelt“, die seit 1992 den „Tag des Baumes“ in Luxemburg ausrichtet, erzählt, worum es geht.

Herr Weber, warum veranstalten Sie den Tag des Baumes?

Gilles Weber Wir wollen Privatleute, Gemeinden und Institutionen motivieren und mobilisieren, damit sie einen Baum pflanzen oder aber entsprechende Flächen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus haben wir das Ziel, die Leute über die Bäume zu informieren und zu sensibilisieren. In Luxemburg besteht ein Drittel der Fläche aus Wald. Auch als Struktur im offenen Land sind Bäume wichtig, denn sie tragen wesentlich zur Biodiversität bei. Viele Lebewesen sind von der Präsenz von Bäumen abhängig.

Welche Veranstaltungen führen Sie durch?

Weber Wir haben vier große Ziele. Zum ersten wollen wir 400 Meter Hecke pflanzen und hoffen auf Spenden. Für 25 Euro können wir drei Meter Hecke in Brachtenbach pflanzen, wo wir ein Grundstück haben. Zum zweiten fördern wir einzelne Bäume durch die Aktion „E Bam an D’Gewan“. Zwischen 2010 und 2016 konnten wir so über 700 Bäume pflanzen. Für eine Spende von 25 Euro können wir einen Baum pflanzen. Drittens unterstützen wir bei Ettelbrück einen „Bongert“. Auch hier pflanzen wir für 25 Euro Spende einen Baum. Wir suchen immer noch nach Grundstücken, um mehr pflanzen zu können. Und viertens sind wir in einem Aufforstungsprojekt in Madagaskar involviert. Dazu gibt es zahlreiche Veranstaltungen im ganzen Land, die aber nicht nur von uns oder lokalen Sektionen durchgeführt werden, sondern auch von vielen Gemeinden und Institutionen durchgeführt werden, denn der Tag des Baumes hat sich hier etabliert. Seit wir den Tag des Baumes 1992 erstmals veranstaltet haben, ist er zu einem Selbstläufer geworden. Ich finde es auch schön, dass viele Gemeinden an diesem Tag Bäume für die Neugeborenen in der Gemeinde pflanzen.

Welcher Baum steht in diesem Jahr im Mittelpunkt und warum?

Weber Als wir anfingen, war die Eiche der erste Baum, im Jahr darauf der Speierling („Spirebam“ auf luxemburgisch, d.R.), um den es auch jetzt wieder geht, dann folgten Mispel, Spitzahorn und Hainbuche. Der jeweilige Baum des Jahres wird von einem Kuratorium ausgesucht, in dem viele deutsche und Schweizer Experten sitzen. Wir sind nicht immer mit der Auswahl einverstanden, weil nicht alle Arten wirklich in Luxemburg bedroht sind. In diesen Fällen weichen wir von der Wahl ab. So ist es auch in diesem Jahr. Der Speierling, den wir ausgewählt haben, ist ein Baum, der hier an seiner nördlichsten Ausbreitungsgrenze ist. Er trägt kleine, bittere Früchte, die sich zu Marmelade verarbeiten lassen aber so nicht genießbar sind. Es gibt nicht mehr sehr viele Exemplare und deshalb haben wir ihn schon zum zweiten Mal gekürt.

Wer unterstützt Sie?

Weber Großherzog Jean ist seit Jahren Schirmherr dieses Tages und war auch im vergangenen Jahr noch bei Pflanzaktionen dabei. Das freut uns sehr. Darüber hinaus werden wir vom Umweltministerium unterstützt. Und wir arbeiten eng mit der Forstverwaltung und der Landwirtschaftskammer zusammen. Neben diesen offiziellen Stellen gibt es viele Privatleute und Institutionen. Privatleute können uns beispielsweise ein Grundstück zur Verfügung stellen. Wir übernehmen dann die Kosten des Baumes und der Pflanzung und achten darauf, dass der Baum nicht eingeht. Dazu wird ein kleiner Vertrag mit uns geschlossen. Das wird sehr gut angenommen und ist auch mit Unternehmen oder Institutionen möglich.

Was halten Sie von dem Trend, Bäume zu umarmen oder dem japanischen Waldbad „Shinrin-Yoku“?

Weber Ich bin sehr dafür und finde, dass im Wald immer eine ganz besondere Atmosphäre herrscht. Spazieren gehen im Wald ist sehr erholsam. Leider wird der Wald auch hier in Luxemburg immer seltener. Ein Baum ist die größte Pflanze in der Natur und ich finde, man sollte Respekt vor den Bäumen haben. Sie sind für das Leben so wichtig.

www.naturemwelt.lu

„Shinrin-Yoku“ ist ein Trend aus Japan

Waldbaden

 „Shinrin-Yoku“ bedeutet auf Deutsch so viel wie „ein Bad in der Atmosphäre des Waldes nehmen“. Erstmals schlug die japanische Forstverwaltung das 1982 vor. Zwanzig Jahre später wurde der Trend in den USA und Großbritannien sowie anderen Ländern populär. In Japan ist Waldbaden bereits ein fester Bestandteil der Gesundheitsvorsorge, denn viele Studien konnten dessen Wirksamkeit belegen. 
Wer sich im Wald aufhält, so zeigten Untersuchungen, senkt seinen Blutdruck und reduziert Stresshormone. Vielleicht liegt das an der Ruhe, die der Wald ausstrahlt, oder am besonderen Klima, das der Wald erzeugt. Das sogenannte Waldinnenklima ist durch einige Besonderheiten gekennzeichnet: Die Kronen der Bäume halten die Sonnenstrahlen ab und die Bäume verdunsten Wasser, was zu kühleren Temperaturen und einer höheren Luftfeuchtigkeit führt. Ein großer Baum kann an einem warmen Tag 200 Liter Wasser verdunsten. Und nebenbei jede Menge Sauerstoff und ätherische Öle produzieren. Phytonzide wirken auf den Menschen ausgleichend und werden auch in der Naturheilkunde eingesetzt. 
Das Grün der Bäume soll laut Farbpsychologie außerdem die Nerven beruhigen und das Immunsystem stimulieren. Damit das Waldbad wirkt, sollte das Handy allerdings ausgeschaltet bleiben.