LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Staat investiert in Beratung und Forschung - Von Marktsättigung kann keine Rede sein

Luxemburg gehört im europäischen Vergleich zu den Schlusslichtern in Sachen Bio-Landwirtschaft. Die Erkenntnis ist nicht neu und wir haben in vergangener Zeit und in den vergangenen Tagen schon mehr als einmal darüber berichtet. Die beiden Abgeordneten der Grünen (déi gréng) Henri Kox und Gérard Anzia wollten es aber genau wissen, und haben einige detaillierte Fragen an Landwirtschafts- und Weinbauminister Fernand Etgen (DP) gerichtet und nicht minder detaillierte Antworten erhalten.

Angebot und Nachfrageklaffen auseinander

Die beiden Abgeordneten wiesen zur Begründung ihrer Frage auf die große Diskrepanz zwischen der quasi stagnierenden einheimischen Bioproduktion und der stetig steigenden inländischen Nachfrage nach Bioprodukten hin.

Die Fragen von Kox und Anzia bezogen sich auf die prozentualen Anteile in den Produktionsjahren 2014 bis 2016, die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel für die Beratung umstellungswilliger Bauern, die Art der Umstellungsberatung, die Forschungsgelder speziell für die biologische Landwirtschaft und einer möglichen ministeriellen Zielvorgabe für die Ausweitung des biologischen Landbaus.

Nur in wenigen Bereichennennenswerte Produktionsanteile

Was den prozentualen Anteil der Bioprodukte an der gesamtlandwirtschaftlichen Produktion angeht, sind die Zahlen in den meisten Produktgruppen ernüchternd. Nennenswert sind nur die Anteile beim Honig mit 15 Prozent (2017), Eiern mit 13,6 Prozent (2016) und Gemüse mit 34 Prozent (2017). Wobei im letzten Fall die luxemburgische Gesamtproduktion nur zwei Prozent des hierzulande abgesetzten Gemüses ausmacht. Der Anteil von Biofleisch liegt bei der Produktion unter einem Prozent, allein beim Lammfleisch wird ein Bioanteil von 3,4 Prozent erreicht.

Der Landwirtschaftsminister führt den geringen Anteil bei Fleisch, Getreide und Milch auf die aufwändige Weiterverarbeitung als Bioprodukt zurück, was bei den Honig, Eier und Gemüse deutlich einfacher sei.

Aufwändige Umstellung

Der Landwirtschaftsminister räumt ein, dass eine Umstellung einen Hof und seine Betreiber vor menschliche, technische und ökonomische Herausforderungen stellt. Eine öffentliche Förderung und eine begleitende Beratung soll diese Phase - drei Jahre - deutlich erleichtern. Zuschüsse und Beratung erfolgen nach festen Modulen und einem vorher festgelegten Lastenheft. Die Förderungssummen dafür variieren zwischen 260 und 1.500 Euro pro Hof und Jahr und sollen in den meisten Fällen 80 bis 100 Prozent der anfallenden Kosten abdecken. Die technische Durchführung und die Kontrolle übernimmt der technische Dienst des Landwirtschaftsministeriums ASTA.

Die Subvention für die eigentliche Umstellung und den Betrieb sehen noch anders aus. Sie variieren zwischen 270 Euro pro Hektar und Jahr für Weideland und 1.350 pro Hektar und Jahr für Weinberge.

Forschungsgelder

Für 2018 sind verschiedene Gelder für Forschungen im Rahmen der Biolandwirtschaft im Staatshaushalt vorgesehen. So wird das Forschungsinstitut IBLA mit 250.000 Euro für seine wissenschaftliche Arbeit im Zeitraum 2018/2019 bezuschusst. Für den Unterhalt von Versuchsfeldern erhält das Institut weitere 50.000 Euro für Felder mit Leguminosen und Wintergetreide. Versuche mit Kartoffelsorten und dem Sojaanbau werden mit noch einmal 21.000 Euro unterstützt.

Das Projekt „Legutec“, das sich mit der nicht-chemischen Beseitigung von Unkräutern in Leguminosen-Feldern beschäftigt, wird vom Ministerium für drei Jahre mit 142.000 Euro ko-finanziert.

Wie geht es weiter?

Die Förderung der biologischen Landwirtschaft sei klare Absicht der Regierung, aber man könne keinen landwirtschaftlichen Betrieb zur Konversion zwingen, meinte der Minister in seiner Antwort. Mit einer Reihe von Hilfen wolle man aber die Bereitschaft zur Umstellung fördern. Die zentrale Frage für einen Landwirt sei, ob sich der Mehraufwand für den biologischen Betrieb eines Hofes wirtschaftlich, also durch bessere Erzeugerpreise, lohnt. Minister Etgen sieht in einem veränderten Verbraucherverhalten, also mehr Qualitätsbewusstsein statt Geiz, den wichtigsten Weg, um die biologische Landwirtschaft zu fördern.