LUXEMBURG
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Europol: 18 Millionen Euro Schaden durch 35.000 Päckchen

Online-Betrüger, die insgesamt 18 Millionen Euro Schaden in 35.000 Fällen verursacht haben, sind gestellt worden. Das berichtet Europol am Wochenende. Bei der groß angelegten Operation haben die Staatsanwaltschaft Dresden, das sächsische Landeskriminalamt (LKA) und Kriminaleinheiten der Litauischen Polizei und der Litauischen Staatsanwaltschaft zusammen gearbeitet.

Hausdurchsuchungen in neun Ländern

Insgesamt wurden 15 Menschen festgenommen und 31 Hausdurchsuchungen in neun europäischen Ländern durchgeführt, nämlich in Estland, Lettland, Finnland, Litauen, Deutschland, auf Zypern, in der Schweiz, der Ukraine und Großbritannien. Die Aktion wurde von Europol und Eurojust unterstützt. Insgesamt dauerte die Vorbereitung und Koordination der internationalen Aktion sechs Jahre.

Die Verantwortlichen gehen von einem Netzwerk aus. Der Kopf der 15-köpfigen Bande soll ein Mann mit russischem und moldawischen Pass sein, der auf Zypern in seiner Villa verhaftet wurde und jetzt ausgeliefert werden soll. Die Masche der Betrüger lief so: Über Stellenanzeigen im Internet suchten sie „Logistik-Assistenten“ oder „Paketmanager“. Ihnen wurden Nebeneinkünfte von bis zu 1.500 Euro pro Monat versprochen. „Meist gingen Studenten oder Geringverdiener auf die Angebote ein“, so LKA-Chef Petric Kleine (55).

Per Post bekamen die „Logistik-Assistenten“ dann Pakete von Onlinebestellungen geschickt, die die Betrüger zuvor mit ergaunerten Kreditkarten- und Bankdaten bestellt und bezahlt hatten.

Arbeit ohne Lohn, Opfer auch Täter

Der scheinbar einfache Job für den gutgläubigen Studenten: Paket öffnen, Scancode entfernen, umpacken und an eine Adresse ins Ausland schicken, meist irgendwo nach Osteuropa. Die teuren elektronischen Waren wurden dann aus Osteuropa über eBay oder andere Händler weiterverkauft. Der deutsche Student, der sich als „Paketmanager“ fühlte, ging leer aus, seinen Verdienst sah er nicht.

So erging es rund 2.000 Deutschen. „Sie sind Opfer und Täter zugleich. Sie bekamen das versprochene Gehalt nicht – und sie machten sich strafbar, weil sie Geldwäsche betrieben“, sagt der leitende Oberstaatsanwalt Claus Bogner (58). Mehr als 35.000 Pakete mit Betrugsware wurden verschickt. Bezahlt wurde mit Krypotwährung.

Seit 2012 agiert die Bande, die Hintermänner blieben mit Spitznamen und Codes im Hintergrund.