LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Belair-Prozess: Staatsanwaltschaft fordert fünf Jahre Haft

Unter großem Medieninteresse hat am gestrigen Dienstag der Berufungs-Prozess um den Ex-Pfarrer aus dem katholischen Pfarrverband Belair-Merl-Zessingen begonnen. Dem katholischen Ex-Priester Emile A. waren in erster Instanz Vergewaltigung, Nötigung, sexueller Missbrauch einer wehrlosen und schutzbefohlenen Person zur Last gelegt worden. Die Anklage hatte eine siebenjährige Haftstrafe mit einem möglichen Strafaufschub unter Auflagen gefordert, die Verteidigung einen Freispruch. Das Urteil fiel am 20. Dezember 2016 und endete überraschend mit einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft wollte das nicht hinnehmen und ging am selben Tag in Berufung. Der Nebenkläger ging am 21. Dezember 2016 in Berufung.

Selbstanzeige beim Erzbischof

Im November 2008 soll sich der frühere Jugendpfarrer an einem minderjährigen Jungen vergangen haben. Das Opfer war zum Zeitpunkt der Tat 14 Jahre alt. Laut Anklage nutzte der Pfarrer eine Pilgerfahrt nach Taizé (Saône-et-Loire in Frankreich) aus, um sich den sexuell unerfahrenen Jungen gefügig zu machen, ihn zu missbrauchen. Der Geistliche zeigte sich selbst bei seinem Erzbischof an, nachdem der Vater des mutmaßlichen Opfers ihn konfrontiert hatte. Als die Staatsanwaltschaft dem Ex-Pfarrer wissentliches und willentliches Handeln unterstellte, sagte er, das würde nicht stimmen. Er behauptet, die Initiative zum Sex wäre vom Jungen ausgegangen.

Die Richter erkannten zwar den Tatbestand der Vergewaltigung an. Springender Punkt in diesem Urteil war aber unter anderem das Alter des Jungen zum Tatzeitpunkt. Zu diesem Zeitpunkt war oraler Sex mit einem Minderjährigen entsprechend nicht als „Vergewaltigung“ strafbar, heute ist dies der Fall. Damals lag die gesetzliche sexuelle „Schutzaltersgrenze“ für Mädchen und Jungs grundsätzlich beim 14. Lebensjahr.

Laut Staatsanwalt Marc Harpes geht es im Berufungsverfahren im Kern um die Frage: Hat der Junge dem Geschlechtsverkehr zugestimmt und hatte das Opfer aufgrund seines Alters und der Umstände der Tat eine Möglichkeit, sich gegen den Angeklagten zur Wehr zu setzen?

Für den Staatsanwalt ist klar, der Junge konnte wegen seines Alters dem sexuellen Akt gar nicht zustimmen. Der Junge sei gar nicht imstande gewesen, sich zu wehren, sagte Marc Harpes. Harpes kritisierte das Urteil aus erster Instanz. Das Urteil sei auf den Tatbestand zurückzuführen, dass Pierre K. (Opfer) selbst am sexuellen Akt teilgenommen und sich nicht gewehrt habe. Das könne aber so nicht stehen bleiben, denn die Persönlichkeit des Opfers sei zur Zeit der Tat emotional labil gewesen. Der Staatsanwalt beantragt eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren.

Verteidigung fordert Freispruch

Mit purer Emotionalität habe die Staatsanwaltschaft den Fall angefasst, poltert der Verteidiger Gaston Vogel in seinem Plädoyer. Pikant : Er gesteht der Kriminalkammer eine große Klarheit und Objektivität in ihrem Urteil zu. Das Recht sei das Recht und habe gar nichts mit der Moral zu tun, so Vogel.

Das Recht habe so angewendet zu werden, wie es da steht. Vogel verlangt erneut einen Freispruch für den Ex-Pfarrer.


Die Sitzung wird am Freitag fortgesetzt