LUXEMBURG
CHRISTINE MANDY

Die Kalkulation hinter dem Akt des Folgens

Fast alle sozialen Netzwerke basieren auf dem Like- und Follower-System. Dieses hat eine solche Wichtigkeit angenommen, dass das Selbstbewusstsein so mancher Nutzer daran hängt und es als ein ernstzunehmendes Indiz für Erfolg und Einfluss wahrgenommen wird. Doch was bedeutet überhaupt ein Profilaufruf oder ein Like? Ist das wirklich als persönliche Wertschätzung aufzufassen?

Ein Geben und Nehmen?

Der offensichtlichste Grund, warum wir uns in solchen Netzwerken bewegen, ist der Trieb der Neugierde — in unterschiedlichen Ausprägungen. Zunächst wäre da der unschuldige und aufrichtige Wunsch, sich zu informieren. Die beliebtesten Bereiche, in denen es tatsächlich um Erkenntnis- und Inspirationsgewinn geht, sind Fitnessübungen, Ernährungstipps und Koch- und Backrezepte, aber auch Kreatives wie Basteln und DIY-Ideen. Sie alle scheinen vom Prinzip des Gebens und Nehmens regiert zu werden: Ein Nutzer kommt zu neuem Wissen oder wird unterhalten und bedankt sich mit einem Like, weil er die aufgerufenen Inhalte schätzt.

Neugierde kann aber auch ein unschönes Gesicht haben. Es kann jederzeit passieren, dass jemand sich als selbsternannter Richter im öffentlichen Bereich des jeweiligen Netzwerkes aufspielt. Er reagiert dabei bewusst nicht auf den konkreten Inhalt des Beitrags, sondern feindet den Nutzer dahinter auf einer persönlichen Ebene an. Er folgt ihm nur, um etwas über ihn zu erfahren, was ihm selbst das Gefühl gibt, überlegen zu sein. Die erhaltenen Informationen legt er sich entsprechend zurecht und nutzt sie als Maßstab, an dem er sich und sein eigenes Leben misst. Ein Like gibt er folglich nicht aus Sympathie, sondern aus heimlichem Mitleid oder Schadenfreude.

Ein Geben?

Das führt mich zu der Frage, ob Kommentare und Likes als soziale Interaktion verstanden werden können. Instinktiv hätte ich das verneint. Bisher sah ich einen Like immer nur im Kontext des geposteten Beitrags, nicht als eine an mich vermittelte Botschaft. Doch wenn ein „Hater“ sich explizit gegen andere Nutzer wendet, beabsichtigt er durchaus, dass seine Reaktion persönlich genommen wird.

Vom Gegenteil wurde ich außerdem überzeugt, als eine Person, zu der ich nicht mehr in Kontakt stand, mir plötzlich folgte und ihr ein Beitrag von mir gefiel. Da fragte ich mich, ob mir das einen Hinweis darauf geben sollte, wie ich die Funkstille zu deuten hatte beziehungsweise ob diese eben gebrochen wurde. Ich weiß es bis heute nicht, denn anders als sprachliche Zeichen referiert ein Like nicht auf etwas spezifisch Außersprachliches; er hat keine eindeutige, konventionelle Bedeutung. Doch nicht umsonst beruhen viele Eifersuchtsszenen von Paaren auf ihm, dem Like, und der Unsicherheit, ob die Person, die dahintersteckt, nur den Beitrag loben oder dem User gegenüber seine Zuneigung ausdrücken wollte.

Ein Nehmen?

Nennen will ich außerdem noch eine letzte Funktion des Likes: der Eigennutz. Mitunter werden Likes in stillschweigender Übereinkunft als virtuelles Währungssystem verstanden. Wem ein Beitrag einer anderen Person gefällt, dem gebührt von ihr auch ein Like als Gegenleistung. Manchmal wird diese Rechnung peinlichst genau aufgestellt. Wer kennt ihn nicht, diesen Bekannten, der sich darüber aufregt, dass die Likeliebe leider nur einseitig ist und nicht erwidert wird?

Eigennützig ist das dann, wenn Likes gezielt und zwar nur deswegen verteilt werden, um selbst welche zu erhalten. Das klingt kindisch, ist es auch, doch deswegen nicht minder wahr. Auf Instagram ist das sogar eine äußerst beliebte Taktik, Aufmerksamkeit zu erhaschen. Hier herrscht der Brauch vor, anderen Nutzern zu folgen, damit sie es einem gleichtun, und ihnen danach sofort wieder zu „entfolgen“. So wird es auch auf manchen Webseiten empfohlen:

 Da kommt man sich vor, als sei man wieder im Kindergarten angekommen, nur dass dieser jetzt „Business“ genannt wird.

Letztens bekam ich sogar selbst ein Angebot für eine „Zusammenarbeit“ mit einem Schmuckwarenhändler. Der Deal: Wenn ich sein schickes Armband in die Kamera halten würde, bekäme ich zwei zum Preis von einem. Als ich die Webseite aufrief, stellte ich fest, dass sich erstaunlich viele Instagrammer darauf eingelassen hatten. Zum Spaß versuchte ich, um den Preis zu feilschen, doch man ignorierte mein Gegenangebot. Ich solle doch mal bitte HEUTE noch bestellen. Ach ja und übrigens kämen bei mir noch Sonderkosten für die Bestellung aus jenemLand dazu.

Schnell wurde deutlich: Hier wird eine Werbeaktion unter dem Deckmantel der „Zusammenarbeit“ angepriesen. Hier wird gezielt mittels der Währung Like geschmeichelt, um das eigene Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen. Hier werden Scheinkomplimente verteilt, um einen Nutzen aus dem mangelnden Selbstbewusstsein anderer Menschen zu ziehen. Dabei konnte ich hoffentlich beweisen: Minderwertigkeitskomplexe aufgrund einer geringen Followeranzahl zu haben, ist Unsinn!

Instagram Follower bekommen

7. Folge anderen Accounts Durch das Folgen von anderen Accounts aus deiner Zielgruppe werden dir diese mit hoher Wahrscheinlichkeit zurückfolgen. Wenn du das erreicht hast, solltest du dem Account jedoch nicht sofort wieder entfolgen. […] Warte besser ein bis zwei Wochen mit dem Entfolgen, sollte der Account nicht interessant genug sein. Übertreibe es aber nicht mit dieser Strategie: Profile, die 500 andere Profile abonniert, aber selbst nur 50 Follower haben, wirken schnell unglaubhaft. Quelle: www.junge-gruender.de/mehr-instagram-follower-bekommen