CLAUDE KARGER

Die deutsche Presse mag noch immer nicht glauben, dass der Euro-Gruppenchef hinschmeisst. „Bis zuletzt hatten etliche Kollegen diese Ankündigung eher als Koketterie wahrgenommen“, schrieb gestern die FAZ, die sich von Juncker ein unwirsches „Haben Sie nicht gehört, was ich gerade gesagt habe?“ einhandelte, als sie am Montagabend nach der Erklärung des Eurogruppenchefs unter anderem nachhakte, wen er als Nachfolger befürworte und ob er nicht doch bis zur Bundestagswahl im September 2013 bliebe, damit Wolfgang Schäuble übernehmen kann. „Dann rauschte Juncker mit einem genervten „Farewell, bye-bye“ aus dem Saal“, beschreibt die FAZ. Und betreibt Ursachenforschung: „Er brauchte lange, um einzusehen dass seine humorvoll-geistreichen - und oft genug zweideutigen - Bemerkungen der falsche Weg waren, um die nervösen Finanzmärkte zu beruhigen“. Dann pflückte ihm auch noch das Duo Merkozy die Strippen aus der Hand. Dass Juncker sich aber nun komplett nach Hause zurückziehen wird, kann sich die FAZ nicht vorstellen: Die Posten des EU-Ratspräsidenten und des Kommissionschefs werden nämlich 2014 locken - auch 2009 lockte ein Top-EU-Amt. Bis dahin steht aber noch so manche Krise ins Haus.