BARCELONA
PATRICK WELTER

Die neue Generation des Mercedes CLS glänzt durch technische Finessen und eine Trendwende beim Design

Aus dem einmal als Nischenmodell geplanten Mercedes CLS ist eine feste Größe im Stuttgarter Produktportfolio geworden - angesichts der Unübersichtlichkeit, die mittlerweile im Mercedes-Angebot herrscht kein Wunder, denn derzeit soll es 26 Grundmodelle geben. Trotz des kleineren Bruders CLA steht der CLS ganz allein für sich und das auch in der dritten Generation, die wir rund um Barcelona schon fahren durften.

Das viertürige Coupé

Natürlich betonte Mercedes bei der Präsentation der neuen CLS-Generation auch wieder seine Urheberschaft für die Karosserievariante „Viertüriges Coupé“. Sorry, aber ich muss das wiederholen, was ich schon bei früheren Testberichten früherer CLS-Generationen - die erste kam 2004 auf den Markt - immer wieder betont habe: Das erste viertürige Coupé stammte aus dem Hause Rover, trug den kärglichen Namen „P5“. Genug der Haarspalterei. Andererseits fand Mercedes jede Menge Nachahmer, seien es Passat CC oder Audi Q7.

Bevor man über EG-Boost und 48- Volt-Bordnetz und andere technische Wunderwerke im CLS schreibt, muss man zunächst das erfreulichste festhalten: Mit dem CLS der dritten Generation leitet Mercedes offensichtlich eine Designwende ein. Die fließende Form ist mit klaren Linien kombiniert. Es gibt keine Anabolika-Schultern oder andere adipöse Karosserieauswüchse. Wie bei nahezu allen modernen Autos ist die Übersichtlichkeit nach hinten schlecht aber dafür gibt es ja Kameras und Sensoren. Die scharf konturierte Front wird von Mercedes selbst als „Haifischnase“ bezeichnet.

Mit 286 PS geht’s los

Offiziell standen in Barcelona vier verschiedene Motorisierungen für die Presse bereit, alle Testwagen verfügten über den Mercedes Allradantrieb „4Matic“. In Sachen Leistung geht es mit den beiden Dieselmodellen los. Da ist zunächst der CLS 350 d, mit einer Leistung von 286 PS, darüber liegt der 400 d mit 340 PS. Hat der 350 d schon ein Drehmoment von 600 Newtonmetern, sorgt der 400er für eine echten „Tritt in den Hintern“, dank 700 Newtonmetern, die ab 1.200 Umdrehungen anliegen. Beide erfüllen übrigens die Ansprüche der Energieeffizienzklasse „A“.

Der Reihen-Sechser ist wieder da

Das Grundkonzept der Motorisierung: Sechszylinder in Reihe mit einem Hubraum von knapp drei Litern, bleibt auch bei den Benzinern gleich. Doch diese gehen die Sache ganz anders an. Der CLS 450 liefert eine Systemleistung von 387 PS, 367 davon kommen aus dem Verbrennungsmotor, 22 weitere steuert die EQ-Boost-Einheit zwischen Motor und Getriebe bei. Eine ganz neue Zahl benennt das derzeitige Spitzenmodell der Baureihe: Der Mercedes-AMG CLS 53, die drei magischen Buchstaben A-M-G stehen seit 50 Jahren für Hochleistungsmotoren unterm Stern. 457 PS sind es, wenn alle Antriebsteile ineinandergreifen, der Verbrenner mit 435 PS und der E-Motor weitere 22 PS. Entscheidend ist, was der EQ-Boost mit diesen kW/PS anstellt. Er liefert nämlich zum Drehmoment des Motors von 520 Newton zusätzliche 250 Newtonmeter. Heißt in der Praxis, dass der AMG-Benziner der seine Leistung aus hohen Drehzahlen und Dank eines „Twinscroll“-Turboladers gewinnt, dank des elektrischen Alleskönners auch „unten herum“ voll da ist.

Hinter EQ-Boost verbirgt sich ein elektrischer Alleskönner der als E-Motor, Lichtmaschine (Generator) und Anlasser der die Zusatzenergie für die Beschleunigung liefert und bei jedem Bremsvorgang die Batterie mit Strom speist. Das ganze macht ein 48-Volt-Bordnetz möglich. Laut Daimler erreicht der so ausgerüstete Sechszylindermotor, mit nur drei Litern Hubraum, die Leistung eines deutlich größeren Achtzylinders, bei gleichzeitig erheblich verringerten Verbrauchswerten.

Noch in der Erprobung

Die Kombination ist zukunftsträchtig. Mercedes ermöglichte in Barcelona erste Fahrten mit einem Zwei-Liter-Benziner im CLS , der es dank der EQ-Boost eine Literleistung von 100 kW, also 137 PS erreicht. Macht also 274 PS aus einem Zwei-Liter-Vierzylinder, der bei unseren Testfahrten keineswegs schwachbrüstig wirkte. Der „kleine Motor“ war nach wenigen Minuten des Fahrens vergessen. Downsizing in seiner angenehmsten Form. Leider befindet sich dieses Modell noch in der Erprobung und wird noch nicht zum Verkauf angeboten.

Fazit

Grundsätzlich kann man zu den vorgestellten CLS Edel-Coupés nur feststellen, dass die Motorisierung immer ausreicht, die Straßenlage ohne jeden Fehl und Tadel ist. Ob man sich einen Diesel oder einen Benziner als CLS zulegt, bleibt eine Glaubensfrage. Was nervt? Wer auf schön gestylte klassische Instrumente steht, wird bitter enttäuscht, auch der CLS setzt auf ein superbreites digitales Cockpit, dass mit jedem Airbus mithalten kann. Tacho und Drehzahlmesser strahlen keine feinmechanische Handwerkskunst mehr aus, sondern sind nur noch Pixel.