LUXEMBURG/DUISBURG
CORDELIA CHATON

Eine Studie untersucht Tops und Flops in der Luxusklasse im Hinblick auf den Verdienst

Premium- und Luxusautos gelten gemeinhin als profitabel, während das Massengeschäft als hartes Brot mit wenig Gewinn eingestuft wird. „Big cars, big profits“ lautete vor 40 Jahren ein Slogan der Branche. Klar ist, mit Luxusautos kann man viel Geld verdienen. „Aber – das zeigen die Auswertungen der Geschäftsergebnisse des ersten Halbjahres 2018 – es geht auch in umgekehrter Richtung“, erklärt Prof. Ferdinand Dudenhöffer. Er ist Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft Der Automobil-Experte hat untersucht, wie viel Gewinn die Hersteller mit ihren Fahrzeugen machen. Die Ergebnisse sind mehr als überraschend.

69.000 Euro Gewinn versus 17.500 Euro Verlust

Ein Beispiel: Bentley verkaufte ebenso wie Ferrari 5.000 Neuwagen im ersten Halbjahr 2018. Doch während Ferrari 69.000 Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern pro Fahrzeug erzielte, sorgte Bentley beim VW-Konzern für einen Verlust von knapp 17.500 Euro pro verkauftem Neuwagen. „Dabei erzielt Ferrari nicht nur aus dem klassischen Fahrzeuggeschäft Umsatz und Gewinn, sondern auch aus seinen Sponsoring-Aktivitäten rund um die Formel 1“, betont Prof. Dudenhöffer. Da Ferrari lediglich eine Umsatzaufteilung zwischen Fahrzeuggeschäft und dem Rest berichtet, wurde der Gewinn in der Analyse anteilsmäßig umgelegt, ebenso wie bei Tesla.

Tesla ist das zweite prominente Beispiel, das zeigt, dass Glanz und Glamour nicht unbedingt mit hohen Gewinnen verbunden ist. 71.000 Elektroautos hat Tesla im ersten Halbjahr 2018 verkauft. Dieser Geschäftszweig steht für 77 Prozent des Umsatzes von Tesla. Elon Musk verkauft noch Stromspeicher, manchmal auch ein paar Surfbretter und hat eine Leasing-Sparte für seine Elektroautos. Der Umsatz auf dem Automotive Geschäft betrug im ersten Halbjahr 2018 bei Tesla 4,7 Milliarden Euro. Legt man wieder die Messlatte Umsatzanteil auf den Verlust vor Steuern und Zinsen an, errechnen sich knapp 11.000 Euro Verlust pro verkauftem Elektroauto bei Tesla.

Der absatzstärkste Premiumhersteller war im ersten Halbjahr BMW inklusive Mini und Rolls Royce mit 1,24 Millionen Fahrzeugverkäufen. Im reinen Fahrzeuggeschäft hat BMW 41,5 Milliarden Euro Umsatz erzielt und dabei einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 3,8 Mrd. Euro erwirtschaftet. Pro Fahrzeug hat BMW damit im ersten Halbjahr 3.057 Euro Gewinn gemacht bei einem Durchschnittspreis von 33.401 Euro pro Fahrzeug.

„Die Analyse der Geschäftsergebnisse der Premium- und Luxushersteller zeigt deutlich, dass auch hier das Geld nicht auf den Bäumen wächst“, resümiert Prof. Dudenhöffer. „Scales sind wichtig, wie etwa Porsche oder BMW zeigen. Scales sind aber auch nicht alles, wie Bentley zeigt.“ Die Kombination von Ferrari, Super-Premium mit Super-Show bei Formel 1, sei zum Erfolgsmodell im high end geworden. „Vielleicht ist das für Mercedes auch Anreiz, AMG als Marke eigenständig zu machen. Sergio Marchionne hätte möglicherweise probiert, damit einen Börsengang zu wagen“, meint der Auto-Experte.