LUXEMBURG
NIC. DICKEN

12. Banking Day von PwC Luxembourg mit optimistischer Grundstimmung

Von seinen verschiedenen Terminen, die er diese Woche wahrnehmen muss - darunter die Budgetvorstellung und -diskussion sowie das EU-Finanzministertreffen um die geplante Bankenunion - sei dies wahrscheinlich der angenehmste. Das meinte Finanzminister Luc Frieden gestern Vormittag bei der Eröffnung des mittlerweile 12. „Banking Day“ von PricewaterhouseCoopers Luxembourg, der vor gut 300 Teilnehmern in der Handelskammer stattfand. Leitthema des Tages war das neue Bankenumfeld und die regulatorischen Neuerungen, mit denen sich der europäische Bankensektor, und damit auch der Finanzplatz Luxemburg, in den nächsten Jahren zurechtfinden werden muss. Dass dies kein Ding der Unmöglichkeit sein muss, unterstrichen gestern im Verlauf der interessanten Ausführungen und Debatten nicht nur Luc Frieden und CSSF-Generaldirektor Jean Guill, sondern auch einzelne Verantwortliche von Bankniederlassungen in Luxemburg, die zwar die Herausforderungen kennen, sehr wohl aber auch um die Innovations- und Erneuerungskraft wissen, die den Finanzplatz Luxemburg in der Vergangenheit groß gemacht haben.

Änderungen in Schlüsselbereichen

Die aktuelle Finanzkrise sei nicht nur eine Krise, sondern bedeute auch einen Wendepunkt, der wesentliche Änderungen im Zusammenhang mit der Regulierung, der Besteuerung und der Aufsicht im Bankensektor mit sich bringen werde, so Luc Frieden, der betonte, man dürfe die anstehenden Maßnahmen im Interesse von Stabilität und Sicherheit durchaus positiv sehen, weil sie letztendlich zu einer Unterstützung der Anleger beitragen würden.

Im regulatorischen Bereich wolle Luxemburg möglichst schnell die AIFM-Direktive für die alternativen Fonds umsetzen und damit den Vorsprung des Fondsstandortes wahren. Heftige Diskussionen gebe es derzeit auf europäischer Ebene auch über die Besteuerung, wo die Haushaltslöcher die Politiker dazu drängen, den Zugriff auf mögliche Steuerquellen zu verstärken, wobei es für Luxemburg immer schwerer werde, die bisher beschrittene moderate Gangart zu wahren. Andererseits müsse man auch eine Einigung mit den Amerikanern in der FATCA-Problematik finden. Luc Frieden wies auch den ihm gestern in einem Zeitungsinterview gemachten Vorwurf zurück, bei der Budgetaufstellung nicht auf die Fraktionspräsidenten der Mehrheit geachtet zu haben. Ihm erscheine es logisch, zuerst im Haushalt zu sparen und dann erst an der Steuerschraube zu drehen, um mögliche negative Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung zu vermeiden.

Europäische Bankenaufsicht mit vielen Fragen

Die europäische Bankenaufsicht beschäftige derzeit sehr intensiv die zuständigen Kreise, doch sei noch nicht abzusehen, welche Banken im Endeffekt auf der europäischen Bühne beaufsichtigt werden sollen, bzw. wie die jeweiligen Entscheidungen zu treffen seien. Hier bleiben Luc Frieden zufolge noch eine ganze Reihe von Detailfragen zu klären. In der Verteidigung des Binnenmarktes für Finanzen stelle sich auch das Problem, dass der eine Finanzplatz (Luxemburg) der europäischen Aufsicht unterstellt werde, was aber für den anderen (London) nicht unbedingt so sei. Auf jeden Fall müsse Luxemburg im internationalen Finanzgeschäft eine Schlüsselrolle behalten und über ideologische Differenzen hinweg seine wahren Interessen verteidigen. Für den Bankensektor sieht CSSF-Generaldirektor Jean Guill die schlimmste Phase überstanden, auch wenn man sich erst einmal auf einem deutlich niedrigeren Volumen stabilisiert habe. Dies ermögliche es auch den luxemburgischen Instituten, die Strategie der europäischen Finanzdrehscheibe wieder aufzunehmen, zumal dafür auch nach wie vor ein gewisses Interesse bei potenziellen Investoren bestehe. Neben den Banken, die in den letzten Jahren das Land verlassen haben, müsse man aber auch die derzeitige Kandidatur von zwölf neuen Instituten in Betracht ziehen, die nach Luxemburg kommen wollen, wobei es für deren Interesse sehr unterschiedliche Gründe gebe.

Einzelne Sparten wie Fonds und PSF kannten eine positive Entwicklung und die Aussichten für die Zukunft seien keineswegs schlecht, so Jean Guill, der anschließend auf die europäische Regulierung zu sprechen kam und sich für eine EU-Aufsicht der großen Banken aussprach, die Aufsicht über kleinere Einheiten jedoch weiter sehr gut in nationalen Händen aufgehoben sieht. Auf jeden Fall müsse eine Doppelung verhindert werden. Der Bankensektor selbst komme so oder so nicht daran vorbei, stärker als bisher auf Integrität, Transparenz und Professionalität zu setzen, die derzeitige Krise biete auch neue Chancen, die genutzt werden sollten.