LUXEMBURG
MARCO MENG

LuxAirport erhält erforderliches EU-Zertifikat

Der Flughafen Findel schafft die Zertifizierung - und garantiert damit bis auf weiteres sein Bestehen. Wie der Flughafenbetreiber Luxairport, das Infrastrukturministerium und die Luftfahrtaufsicht nebst anderen involvierten Behörden gestern bekannt gaben, meisterte der Flughafen den von der Europäischen Union (EU) vorgeschriebenen Zertifizierungsprozess. Flughäfen ab einer bestimmten Größe, die den 2008 von der EU geforderten Anforderungen zur Zertifizierung nicht entsprechen, müssen ihren Betrieb einstellen. Das wäre für Luxemburg undenkbar gewesen, sagte Infrastrukturminister François Bausch, denn der Findel sei der einzige Flughafen Luxemburgs und für die Wirtschaft des Landes essenziell wichtig.

Vier Jahre Arbeit

Rund vier Jahre mussten alle am Flughafen Beteiligten, von der Flughafenverwaltung, der „Administration de la Navigation Aerienne“ (ANA) über die Feuerwehr und die Gesellschaften Cargolux und Luxair bis zur Administration des ponts et chaussées 677 organisatorische und operationelle Anforderungen erfüllen und drei große, mehrtägige Audits durchlaufen. 188 Punkte müssen noch bei der Renovierung der Start- und Landebahn 2019-2020 umgesetzt werden, inklusive neuer elektrischer Beleuchtung und einer neuen Wasserableitung.

Minister Bausch verwies darauf, dass die Erlangung des Zertifikats, welches der Flughafen nun von der „Direction de l’Aviation Civile“ (DAC) erhielt, viel Arbeit und „einige Schweißtropfen“ gekostet habe. Denn viele Sicherheitsstandards mussten angepasst und zahlreiche Reglementierungen und Arbeitsorganisationen überarbeitet werden. Erst am gestrigen Mittag gab es dann das „OK“ von der (DAC), die der europäischen Flugsicherheitsbehörde EASA untersteht. Alle Beteiligten äußerten sich gestern wie auch Bausch selbst zufrieden über die gute Zusammenarbeit der verschiedenen Parteien über all die vielen Monate. Das sei eine „gute Voraussetzung für die Zukunft“, wie Bausch sagte.

Von der Beleuchtung des Flughafens bis zur Neigung der Piste gab es Arbeit. Letztere beispielsweise neigt sich am Ende, was nicht den Anforderungen entspricht, wofür der Findel aber wegen seiner besonderen geografischen Lage eine Sondererlaubnis erhielt.

Zentimetergenau abfotografiert

Mit einer Drohne, so schilderte Flughafenchef Johan Vanneste, wurde so beispielsweise in den letzten Jahren der Flughafen abgeflogen und zentimetergenau fotografiert, um festzustellen, wo etwas verbessert oder repariert werden muss. Markierungen mussten erneuert sowie Lichter mitsamt neuer Lichtmasten geplant werden.

Das Ganze habe neben viel Papierarbeit auch etliche Trainings für die Mitarbeiter gebracht. „Für mich ist das Wichtigste, dass wir entdeckten, wie gut die verschiedenen Parteien zusammenarbeiten können“, bilanzierte Vanneste.

Pierre Jaeger, der die DAC leitet, meinte: „Ohne Einbindung aller Beteiligten wäre das nicht möglich gewesen.“ Allerdings sei es mit dem Zertifikat nicht getan, denn ab Januar prüfe nun die EASA die Umsetzung dessen, was der Zertifizierung zugrunde liegt. Sein Wunsch: Dass auch in Zukunft die am Findel Beteiligten „mit demselben Esprit“ zusammenarbeiten wie während der Umsetzung des Zertifizierungsprozesses.

Vom Streit zwischen ANA, Ministerium und Luxairport, der in den letzten Monaten hohe Wellen schlug, war gestern nichts mehr zu spüren. Der Zertifizierungsprozess hatte nämlich auch zu Unstimmigkeiten zwischen einigen Beteiligten geführt, da wegen der EU-Vorgaben Minister Bausch den Betrieb des Findel von der ANA an die Firma LuxAirport übergeben hatte und ein zertifizierbarer Flughafen laut EASA-Vorschriften nur einen Betreiber haben darf. Erst im August drohte darum der OGBL mit Streik. Hinzu kam eine mutmaßliche Auslagerung der Anflugkontrolle an die Deutsche Flugsicherung (DFS). Statt dieser wird die Anflugkontrolle am Findel mithilfe der DFS für rund 30 Millionen Euro modernisiert, auch durch technische Ausrüstung. Ein Datum dafür ist aber noch nicht fixiert, wie Bausch gestern sagte.

Direkt beschäftigt der Flughafenbetreiber Luxairport 230 Mitarbeiter, indirekt sind es im Land knapp 24.000 Arbeitsplätze, die laut Flughafenchef Vanneste am Findel hängen.