LUXEMBURG
LJ

Der Drogenmarkt in Europa blüht - Synthetik, Kokain und Cannabis sei Dank

Die europäische Kriminalpolizei Europol hat gestern ihren Bericht über Drogenkriminalität in der EU veröffentlicht. Darin finden sich auch weiterhin erschreckende Zahlen über die Entwicklung des Marktes für illegale psychoaktive Substanzen.

Im Bericht mit dem Titel „How Illegal Drugs Sustain Organised Crime in the EU“ hält Europol demnach fest, dass der Markt für illegale Drogen auch weiterhin stark wachse und als der mit Abstand absolut größte illegale Markt der EU gezeigt habe.

So sagte Wil van Gemert, Vize-Direktor von Europol, zu den Resultaten: „Der illegale Drogenhandel bleibt der größte illegale Markt in Europa. Immer mehr Organisationen sind in der Produktion und dem Vertrieb beteiligt - mehr als in jedem anderen illegalen Handel. Der Markt ist zudem immer globaler und vielschichtiger und überschneidet sich immer öfter mit anderen illegalen Handlungsströmen wie dem Terrorismus.“ Zum Glück habe die Kooperation der Gesetzeshüter in den vergangenen Jahren zunehmend Besserung verschafft. „Damit legen wir den Grundstein für den Kampf gegen organisierte kriminelle Vereinigungen und Netzwerke“, sagte er.

Immer mehr Synthetik

So habe der EU-Aktionsplan Fortschritte im Kampf gegen die Drogen-Versorgungsrouten gezeigt. Gleichzeitig seien große Resultate und Rückgänge bei der Zahl der Drogen nicht zu verzeichnen.

So generiere der Drogenhandel jährlich rund 24 Milliarden Euro an reinem Umsatz. Damit liegt er auch weiterhin einsam an der Spitze der illegalen Märkte der EU. Der Drogenmarkt für Cannabis sei darunter der größte Anteil, wenngleich der Großteil der kriminellen Organisationen im Kokainhandel tätig sind. Als Ursprungsland für Cannabis gelten auch weiterhin Albanien und Marokko; in beiden Fällen wird das Produkt durch Schmuggler nach Europa gebracht.

Zudem seien die kriminellen Organisationen, die sich um die Herstellung, den Transport, Vertrieb und den Handel der Drogen kümmern, immer öfter in mehreren Bereichen aktiv. Auch hier zeigt sich, dass das Drogengeschäft jedem anderen kriminellen Gewerbe den Rang ablaufen kann: Knapp 35 Prozent aller kriminellen Vereinigungen der EU sind im Drogenhandel aktiv und fast 75 Prozent von ihnen handeln mit mehr als einer Droge.

Da wundert es kaum, dass in den letzten fünf Jahren 620 neue synthetische Drogen auf den Markt gekommen sind. Damit entwickelt sich dieser Markt auch weiterhin viel schneller als der übrige Drogen-Markt. Auch das Segment für Schmerzmittel auf Fentanyl-Basis habe sich seit 2012 drastisch vermehrt. So seien 24 neue Mittel auf den Markt gekommen, 14 davon allein seit Januar 2016. Diese kämen auch vermehrt als illegale Droge im Markt in Umlauf.

Der Drogenhandel laufe im digitalen Zeitalter zudem vermehrt über Online-Marktplätze jenseits der Zugriffsmöglichkeiten der Polizeikräfte ab. Der Handel im sogenannten „Darknet“ stelle eine beachtliche Bedrohung dar und wachse beständig, wie der Bericht unterstreicht.

Geringe Aufklärung bei Geldwäsche

Zudem gebe es nur wenig Erfolge beim Kampf gegen Geldwäsche: Angesichts der großen Umsätze im Drogenhandel sei auch die Geldwäsche ein wichtiger Faktor der kriminellen Aktivitäten. Eine Aufklärungsrate von unter einem Prozent spreche aber nicht für die bisherigen Erfolge der Polizei im Kampf gegen Drogenhandel und damit zusammenhängende Geldwäsche.

Der neue Aktionsplan bis 2020 werde deshalb auf die Erkenntnisse dieses Berichtes setzen und sich auf die neuen Bedrohungen um- und einstellen müssen.