LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Verband für Frauen in der Fondsindustrie will Antenne in Luxemburg gründen

Vor zwei Jahren stand Guy Harles, Mitvorsitzender und Gründungspartner der Kanzlei Arendt & Medernach, vor rund 200 Teilnehmern eines Juristenkongresses in Berlin - alles Frauen. „Ich war der einzige Mann. Da habe ich zum ersten Mal begriffen, wie es Frauen in Männerdomänen gehen muss“, erzählt er. Seine rund 200 Zuhörerinnen lächeln verständnisvoll. Sie sind an diesem Dienstagabend gekommen, weil Arendt & Medernach seine Räumlichkeiten an der Avenue Kennedy den „Fondsfrauen“ für einen ersten Treff zur Verfügung stellt.

Deutschsprachiges Karrierenetzwerk

Das Karrierenetzwerk, das in Deutschland, der Schweiz und Österreich existiert, will an diesem Abend sehen, ob es auch Interessentinnen in Luxemburg gibt, um hier eine Antenne aufzubauen. Das Ziel des Vereins ist die Förderung und Gleichstellung von Frauen in der deutsch-sprachigen Investmentfondsindustrie. Interesse gibt es reichlich, Nachfragen auch.

Die Gründerinnen Manuela Fröhlich, Anne E. Connelly und Anke Dembowski erklären ihre Idee. Sie alle blicken auf lange Karrieren im Fondsbereich zurück. „Ich bin seit 1989 in der Fondsindustrie“, berichtet Connelly. „Ich war oft die einzige Frau. Während eines Branchentreffs 2014 in Wien las ich über die Quote in Deutschland und fragte mich, was unsere Industrie für Frauen tut.“ Diese Frage diskutierte sie mit Fröhlich, die ein Konzept für einen Interessenverband wollte. Dembowski, die seit 1989 im Fondsbereich arbeitet und als erste eine Boutique für Fonds verschiedener Anbieter hatte, stieß als dritte dazu. „Wir haben mehr gemeinsam als nur unser Geschlecht. Aber wir brauchen eine Plattform“, findet sie.

Zum Hintergrund der Gründung gehört, dass in Deutschland die Wirtschaft lange auf eine freiwillige Selbstverpflichtung setzte - ohne Erfolg. Im Mai 2015 wurde eine Quote von 30 Prozent eingeführt. „Das betrifft rund hundert Unternehmen“, erklärt Connelly, „weitere 3.500 können sich selbst eine Quote geben, die veröffentlicht wird.“

Zehn ProzentFondsmanagerinnen

Die „Fondsfrauen“ untersuchten ihre Branche in Deutschland und stellten fest: Nur 4,7 Prozent der Fonds werden von einem rein weiblichen Team geführt. Das sind 31 Fonds. 6,6 Prozent der Fondsmanager sind weiblich. Gemeinsam mit „Citywire“ untersuchten sie auch die Zahlen für die Fondsindustrie in Luxemburg. Hier liegt der Anteil der Fondsmanagerinnen bei zehn Prozent, in Frankreich bei 18 Prozent und in Spanien bei 27 Prozent. Die „Fondsfrauen“ wollen Netzwerke aufbauen. Dazu fanden schon Veranstaltungen in Frankfurt, München und Zürich statt. „Heute ist das ein Einführungstreffen und ein Testlauf“, erklärt Fröhlich, die in Luxemburg arbeitet. Darüber hinaus bietet „Fondsfrauen“ ein einjähriges Mentoringprogramm an und motiviert Mitglieder, Mentorin zu werden. Die „Fondsfrauen“ werden von Branchengrößen der Fondsindustrie gesponsort. Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 120 Euro. In einer anschließenden Panel-Diskussion, an der auch Alfi-Chairman Denise Voss teilnahm, unterstrich sie die Relevanz von Mentoring. Das spielt auch bei Arendt & Medernach eine immer größere Rolle. Dort setzt sich Isabelle Lebbe für mehr Frauen in Führungspositionen ein.

www.fondsfrauen.de