LUXEMBURG
LJ MIT DPA

1. Grönland und Färöer-Inseln

Grönland (rund 57.000 Einwohner) und die Färöer-Inseln (rund 50.000) sind schon seit 1948 relativ autonome dänische Regionen. 1979 erlangte Grönland Autonomie mit eigener Regierung und nach einer Volksabstimmung 1982 trat die Insel 1985 aus dem EU-Vorläufer EWG aus. Am 25. April 2018 wollen die Färöer ein Referendum über eine eigene Verfassung abhalten, was einem Unabhängigkeitsreferendum vorangehen könnte.

2. Schottland

Die Nationalpartei (SNP) der schottischen Regierungschefin Nicola Sturgeon hat das Thema Unabhängigkeit Schottlands nach der Wahlschlappe im Juni und dem „Brexit“ zurückgestellt, aber nicht aufgegeben. 2014 hatten sich die 5,5 Millionen Schotten in einem von London akzeptierten Referendum gegen eine Unabhängigkeit entschieden. 

3. Nordirland

In Nordirland, mit seinen 1,8 Millionen Einwohnern, wittert die pro-irische Sinn Fein im britischen EU-Austritt perspektivisch eine Chance, sich von London loszusagen - und Irland anzuschließen.

4. Wales

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es eine Unabhängigkeitsbewegung in Wales, das heute 3,1 Millionen Einwohner zählt. Die Partei Plaid Cymru macht seit 1925 Kampagnen für die Unabhängigkeit. 1997 führte ein Referendum zur Gründung einer walisischen Nationalversammlung. Laut Umfragen sind 40 Prozent der Waliser für mehr Autonomie und 25 Prozent befürworten die Unabhängigkeit.

5. Flandern

Die flämischen Nationalisten streben ein „völlig unabhängiges Flandern“ als Fernziel an. Die nationalistische N-VA will, dass die belgische Regierung schrittweise Kompetenzen an die Regionalregierungen und an Europa überträgt und sich somit überflüssig macht. Auch in Wallonien gibt es Bewegungen, die entweder die Unabhängigkeit der Region mit ihren 3,6 Millionen Einwohnern wollen oder aber den Anschluss an Frankreich.

6. Baskenland

In dieser Region Spaniens (rund drei Millionen Einwohner) kämpfte fast 50 Jahre lang die Untergrundorganisation ETA für einen von Spanien unabhängigen Staat. Erst 2011 erklärte sie den Verzicht auf Gewalt und gab im April 2017 ihre letzten Waffen ab. 800 Menschen kamen durch den baskischen Terror um. Die regierende baskisch-nationalistische Partei PNV strebt einen unabhängigen Staat an.

7. Lombardei und Venetien

Bei von der rechtspopulistischen „Lega Nord“ initiierten Referenden in den norditalienischen Regionen Lombardei (10 Millionen Einwohner) und Venetien (5 Millionen Einwohner) hatten sich am 23. Oktober bei einem Referendum jeweils 95,3 Prozent und 98,1 Prozent der Wahlteilnehmer (in der Lombardei lag die Wahlbeteiligung bei 38,4 Prozent in Venetien bei 57,2 Prozent) für mehr Eigenständigkeit ausgesprochen.

8. Südtirol

Die rund 511.000 Einwohner zählende, mehrheitlich deutschsprachige Region, kam nach dem 1. Weltkrieg unter italienische Verwaltung. Seit den 1950ern gibt es eine sezessionistische Bewegung, die auch Bombenanschläge verübte. Sie fordert die Angliederung an Österreich. Rund die Hälfte der Südtiroler befürworten das.

9. Mähren

Vor der Teilung der Tschechoslowakei im Jahr 1993 in Tschechische und Slowakische Republik war als Alternative auch die Variante einer tschechisch-mährisch-slowakischen Dreierföderation im Gespräch gewesen. Das Vorhaben scheiterte aber. Bis 1918 war die Markgrafschaft Mähren ein eigenes Kronland in Österreich-Ungarn. Heute zählt die Region rund drei Millionen Einwohner. Ernsthafte Bestrebungen für eine Unabhängigkeit gibt es bislang nicht.

10. Oberschlesien

Die 1990 gegründete Bewegung für die Autonomie Oberschlesiens (RAS) will eine Autonomie wie vor dem Zweiten Weltkrieg erreichen. Von der polnisch-nationalistischen Regierungspartei PiS wird die RAS bekämpft. Jetzt plant die Bewegung eine eigene Regionalpartei und hat die dafür nötigen Unterlagen bei Gericht eingereicht. Ein Unabhängigkeitsreferendum strebt die RAS nicht an.

11. Siebenbürgen

In Rumänien sorgen die Autonomieforderungen der Vertreter der ethnischen Ungarn seit dem Fall des Kommunismus für Zündstoff. Die Emotionen dürften 2018 wieder hochkochen, wenn Rumänien das 100. Jubiläum der „Wiedervereinigung“ mit dem bis dahin zu Ungarn gehörenden Siebenbürgen (Transsilvanien) feiert. Auch viele Rumänen in Siebenbürgen wünschen sich mehr Unabhängigkeit von der Hauptstadt Bukarest.

12. Korsika

Jahrzehntelang verübten korsische Separatisten Anschläge auf Behördengebäude oder Ferienhäuser von Festlandfranzosen.1998 ermordeten sie sogar den Präfekten der Insel, die 330.000 Einwohner zählt. 2014 legte die Korsische Nationale Befreiungsfront FLNC allerdings die Waffen nieder. Bei der Wahl im Juni eroberten Nationalisten drei der vier korsischen Sitze in der Pariser Nationalversammlung. Sie fordern mehr Autonomie.

13. Sardinien

Der Vorsitzende der Autonomiebewegung Unidos, Mauro Pili, hat im Parlament in Rom einen Gesetzentwurf für ein Unabhängigkeitsreferendum eingebracht. Auf der Insel, deren Wirtschaftsschwerpunkt der Tourismus darstellt, leben rund 1,6 Millionen Einwohner.

14. Sizilien

Die Insel, auf der rund fünf Millionen Menschen leben, wurde zwischen 2008 und 2012 von einer autonomistischen Partei geführt. Mehrere Bewegungen fordern mehr Autonomie oder gar die Unabhängigkeit.

15. Zypern

Der seit 1974 türkisch besetzte Nordteil der Insel wurde 1983 zur nur von der Türkei anerkannten Türkischen Republik Nordzypern. Seitdem sind mehrere Bemühungen unter Vermittlung der Vereinten Nationen gescheitert, die Teilung mit der Bildung einer Föderation zweier Länder mit gleichen politischen Rechten zu überwinden. Ganz Zypern ist nach Rechtsauffassung der EU seit 2004 Mitglied der Union.