PARIS
LJ/DPA

An der französischen Riviera haben die Behörden rund 10.000 Menschen vor um sich greifenden Waldbränden in Sicherheit gebracht - darunter auch die großherzogliche Familie. Das bestätigte der Hof am Mittwoch. Großherzog Jean, das großherzogliche Paar, mehrere ihrer Kinder sowie weitere Familienmitglieder wurden an einen anderen Ort gebracht. Sie befanden sich zuvor auf ihrem Sommeranwesen in Cabasson (Var) an der Küste. Die Brände wüteten nur weniger Kilometer entfernt im Landesinneren in Bormes-les-Mimosas. 

Ein Brand sei am Vorabend in dem Gebiet um La Londe-les-Maures ausgebrochen, teilte das zuständige Département Var am Mittwoch mit. 540 Feuerwehrleute seien entsandt worden. Trotz der Löscharbeiten, bei denen auch ein Löschflugzeug zum Einsatz kam, verbrannten bis zum Morgen rund 800 Hektar Wald. La Londe liegt etwa 30 Kilometer von Toulon entfernt. Die Region ist ein beliebtes Sommerziel für Touristen aus Frankreich und der ganzen Welt.

Die Brände wüten seit Montag entlang der Küste. Mehrfach wurden bereits kleinere Evakuierungen angeordnet. Ein Brand in La Croix-Valmer wurde am Dienstagabend unter Kontrolle gebracht, nachdem 500 Hektar Wald und Buschland in Flammen aufgegangen waren. In Artigues kämpften die Einsatzkräfte weiter gegen ein Feuer, das bisher 1700 Hektar Wald vernichtete.

Ein Mitglied der Feuerwehr wurde schwer verletzt. Berichte über Verletzte unter den Bewohnern der Region oder Touristen gab es nicht.

4.000 Feuerwehrleute und Militärs im Einsatz

Insgesamt werden im Kampf gegen Flächenbrände in den Ferienregionen Südfrankreichs und auf Korsika 4.000 Feuerwehrleute und Militärs eingesetzt. Frankreich habe auch EU-Partner um Unterstützung gebeten, doch Spanien, Portugal und Italien, die über entsprechende Mittel verfügten, seien ebenfalls mit Bränden konfrontiert. Das teilte das Innenministerium am Dienstag mit. 

Die Brände haben sich wegen starken Windes auf insgesamt mehreren tausend Hektar Land ausgebreitet, berichteten Medien. 20 Feuerwehrleute und Polizisten seien bisher verletzt worden oder hätten Rauchvergiftungen erlitten, wie der Nachrichtensender Franceinfo erfuhr. 

Der Waldbrand in der Nähe des Ortes Bastidonne nördlich von Aix-en-Provence sei inzwischen unter Kontrolle, acht Quadratkilometer seien zerstört, berichtete die örtliche Präfektur. In der Gegend mussten Bewohner rund 100 Häuser verlassen.

Die Feuerwehr kämpfte auch gegen einen Waldbrand in der Nähe von La Croix-Valmer südlich des bekannten Côte-d’Azur-Badeortes St. Tropez. Laut örtlicher Präfektur brannten dort fünf Quadratkilometer Wald. 300 Menschen, die auf einem Campingplatz Urlaub machten, wurden in Sicherheit gebracht. Allein auf Korsika brannten 18 Quadratkilometer Vegetation, wie der Nachrichtensender BFMTV berichtete.

Auch Brände in Portugal, Italien und Albanien

Europa hat Erfahrung mit Sommerfeuern, die durch hohe Temperaturen, starken Wind und Dürre angetrieben werden. Davon war am Mittwoch auch Portugal betroffen. Große Rauchbänder bedeckten Gebiete in der Mitte des Landes, in der Gegend um Serta. Die Zivilschutzbehörde teilte mit, dass 24 Löschflugzeuge im Einsatz seien. Die Flammen zogen durch dichte Eukalyptus- und Kiefernwälder.

In Italien toben Feuer seit Wochen. In der Mitte und im Süden des Landes gab es 26 Anträge auf Löscheinsätze aus der Luft, unter anderem in Kalabrien, Sizilien, Sardinien, Latium und Apulien. Bei Bränden auf den Hängen des Vulkans Vesuv wurden nach Angaben der landwirtschaftlichen Lobby Coldiretti 50 Milliarden Bienen getötet und ihre Bienenstöcke zerstört. Etwa weitere 20 Prozent der Bienenpopulation hätten durch den Rauch des Feuers die Orientierung verloren und seien deshalb gestorben.

In Albanien brannten in fünf Bezirken im Westen und im Zentrum des Landes Feuer, wie ein Innenministeriumssprecher sagte. 15 Hektar Weide- und Weinanbaufläche sowie Dutzende Olivenbäume seien beschädigt worden. Seit Ende Juni kämpfen Feuerwehrleute, Soldaten und örtliche Behörden in Albanien jeden Tag gegen etwa ein Dutzend Feuer. Berichte über Verletzte gab es nicht. Mehrere mutmaßliche Brandstifter wurden festgenommen.

Waldbrände bei La Londe-les-Maures. Foto: AP - Lëtzebuerger Journal
Waldbrände bei La Londe-les-Maures. Foto: AP