LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Kreativwirtschaft stand im Mittelpunkt der deutsch-luxemburgischen Wirtschaftskonferenz

Alle Länder wollen mehr nachhaltiges Wachstum und Arbeitsplätze - und viele sehen in der Kreativwirtschaft eine Möglichkeit, die zu schaffen. Hinter dem Gummibegriff aus dem Ende der 90er Jahre steckt so ziemlich alles, von Design über Kunst, Architektur, Gaming und Musik bis hin zum Film. Auf der 16. Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftskonferenz gestern in der Handelskammer ging es um „Kultur- und Kreativwirtschaft fördern - Innovation ermöglichen“. Die von der Handelskammer gemeinsam mit der Deutschen Botschaft organisierte Konferenz hatte mit dem Regierenden Bürgermeister Berlins, Michael Müller, einen prominenten Redner neben Premier Xavier Bettel.

Müller verwies auf rund 39.000 Unternehmen dieses Sektors in der Hauptstadt Deutschlands, die rund 16 Milliarden Euro umsetzten. Er hatte auch Tipps dafür, wie es klappt: „Wir verkaufen Grundstücke nicht mehr, sondern nutzen sie selbst durch kommunale Gesellschaften.“ Angesichts eines Zuzugs von 40.000 Menschen pro Jahr sei der Druck auf den Grundstücksmarkt enorm. Müller zeigte sich überzeugt, dass Kultur und Wissenschaft sich ergänzen. „Wir haben gerade 50 neue Digitalprofessuren geschaffen“, betonte er. Auch ein Mikrofinanzierungsprogramm für geringe Summen sei sinnvoll, ebenso gezielte Projektförderung. „Wir haben ein Medien- und ein Music-Board“, unterstrich er. Schlussendlich betonte Müller, dass Internationalität und Offenheit für Kreative längst harte Faktoren seien.

Bettel zeigte sich beeindruckt von seinem Besuch in Berlin, verwies aber auch auf hiesige Projekte wie den 2011 gegründeten „Creative Hub“ in Differdingen, den Creative Cluster oder das Bamhaus mit Ton- und Fotostudio sowie Sprayroom.

Wie kann Luxemburg zu ähnlichen Projekten wie der Japan Town, der Internetmesse „Republica“ oder dem „Fluxbau“ kommen? Stadtplaner Andreas Kröger aus Berlin hatte scherzhaft einen ersten Tipp: „Mit Freibier!“ Ein hoch entwickeltes Gemeinwesen und kurze Wege gebe es schon. Ernsthaft aber schien so mancher in der zehnköpfigen Delegation aus Berlin über gemeinsame Projekte nachzudenken. Und Luxemburger wollen sich gern Beispiele wie das Moritzplatz-Quartier, den Planet Modulor oder die Prinzessinnengärten ansehen.