LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Unsittliches Verhalten: Ein Differdinger Bademeister beschäftigt das Gericht

Man sagt, dass die Schwimmmeister, umgangssprachlich auch Bademeister genannt, den schönsten Job der Welt haben. Doch nicht nur schöne Frauen sind tagtäglich im Schwimmbad ihre stilvollen Begleiter, ihr Job erfordert auch, dass sie den gesamten Badebetrieb überwachen. Hierzu gehören Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit im Bad, die Überwachung der Wasserqualität. Schwimmmeister sind Lehrer, Animateure und Kontrolleure. Aber wie steht es bei den Bademeistern mit der Rücksicht auf das allgemeine Schamgefühl aus? Dürfen Bademeister dieses Gefühl verletzen?

Im November 2015 fühlten sich weibliche Badegäste im Schwimmbad „Aquasud“ in Differdingen gestört, als im eigentlich für Frauen reservierten Kabinentrakt und in den angrenzenden Duschen auch der Bademeister unterwegs war. Dabei hatte der Mann die Unverfrorenheit, sich vor der Frauen-Umkleide demonstrativ auszuziehen, um anschließend mit den Frauen zu duschen. Derartige Vorfälle sollen regelmäßig vorgekommen sein. Bei manchen Besucherinnen löste die mangelnde Rücksicht auf ihr Schamgefühl nachhaltige Empörung aus. Das Problem hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder für gewisse Spannungen gesorgt. Wiederholt hatten sich weibliche Badegäste mit der Bitte ans Personal gewandt, doch ein Auge auf den Aspekt der Geschlechtertrennung nicht nur in dem Umkleidebereich, sondern auch im Duschbereich zu werfen. Die Direktorin und die Gemeindeverantwortlichen, die für den interkommunalen Schwimmbetrieb im „Aquasud“ verantwortlich sind, nahmen die Sorgen ernst und schalteten aufgrund zunehmender Beschwerden die Staatsanwaltschaft ein.

Zwei Jahre nach den Vorfällen befasst sich das Bezirksgericht jetzt mit dem strafrechtlichen Vorwurf. Die Sache wurde an diesem Montag vor der neunten Strafkammer verhandelt. Die Vorwürfe: Unter anderem „unsittliches Verhalten“.

Eine Frau vom Reinigungsdienst schilderte als Zeugin, wie sie den Bademeister in flagranti erwischt hatte. „So was geht gar nicht, es sind auch Kinder in den Duschen“, hatte eine weitere Frau vom Reinigungsdienst sich gegenüber der Direktorin zu dieser „Schweinerei“ geäußert.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.