LUXEMBURG
DANIEL OLY

Fast hundert Jahre erfolgreiche Übertragung: Heute wird der Welttag des Radios begangen

Auf der Welle des Erfolges mitschwimmen tun nicht nur Erfolgsbands wie Queen, wenn sie „Radio Gaga“ singen und dem Radio und seinen Sendern huldigen: Seit 1904 sind Radiowellen ein Erfolgsrezept, seit 1909 wird auf den Funkwellen eifrig gesendet - damals hatte der US-Amerikaner Charles David Herrold die erste Radio-Station mit regelmäßigen Ausstrahlungen errichtet. Unvergessen H.G. Wells bester Schabernack-Versuch, als er mit „Krieg der Welten“ Zuhörern zu verstehen gab, die Erde befände sich im Krieg mit Außerirdischen. Damals soll es Massenpaniken gegeben haben (wenngleich das inzwischen bestritten wird); welches Medium kann das noch von sich behaupten?

Am heutigen 13. Februar ist der Welttag des Radios; ein Feiertag, der 2012 erstmals ins Leben gerufen wurde, um die Gründung des Radiosenders der Vereinten Nationen, dem „United Nations Radio“, am 13. Februar 1946 zu gedenken. Dabei gibt es reichlich zu feiern, denn Radio ist auch weiterhin ein mächtiges Massenmedium. Und es hat den Sprung in das digitale Zeitalter geschafft, denn mit „Digital Audio Broadcasting“ (DAB) lassen sich Radiosender aus aller Welt digital empfangen. Dadurch entstanden auch reine Internetradiosender, deren Inhalte sich bequem über alle möglichen Empfänger streamen lassen.

Digital auf dem Vormarsch

Als alternative Sendeform gedacht, ersetzt die digitale Übertragung zunehmend alte analoge Verfahren. Prinzipiell erlaubt DAB nämlich durch seine modernere Technik eine bessere Übertragungsqualität und einen störungsfreieren Empfang. Ganz perfekt ist die Lösung natürlich nicht, weil in den guten alten Funklöchern immer noch per Notlösung ausgestrahlt werden muss. Immer öfter werden digitale Radiosender dem Umfang eines Digitalabos beigefügt, so etwa in Deutschland.

Die EU-Kommission plante ursprünglich, bis 2012 alle Sender auf den digitalen Standard umzustellen, erreichte dieses Ziel aber nicht - unter anderem, weil viele Mitgliedsstaaten nicht schnell genug umsteigen wollten. Europaweit läuft DAB deshalb bislang in Slowenien, in Teilen Polens, Norwegen (die 2017 ganz umgestiegen sind), Großbritannien, Tschechien und Frankreich. Auch Stockholm und Göteborg in Schweden verfügen über DAB-Programme, weitere schwedische Gegenden sollen aber nicht angeschlossen werden. Statistiken gehen davon aus, dass nur zehn Prozent der Nutzer auf digitale Radiosender setzen - wesentlich weniger als die Nutzungszahlen der herkömmlichen Kurzwellenradios. Selbst reine Internetradios stehen besser da. Das zeigt den ungebrochenen Erfolg von Radiosendern.

Auch in Luxemburg ein Thema

Radio war vor allem immer Pionierarbeit. Seit 1919 erste Ausrüstung aus holländischer Produktion stammend angeboten wurde, um ein Radiostudio zu betreiben, und der niederländische Ingenieur Hans Schotanus à Steringa Idzerda die erste Radiosendung bei einer Technikmesse in Utrecht vorführte, ahmten ihn Amateure in ganz Europa nach. Auch in Luxemburg gab es ab 1924 erste Sendungen der Anen-Brüder Marcel und François, ab 1931 gab es „Compagnie luxembourgeoise de radiodiffusion“, die sich über die Jahre - 1959 gab es erstmals „Radio Lëtzebuerg“ - zur heutigen RTL-Gruppe zu entwickeln. Das Monopol des Senders, das anders als in anderen Ländern nicht in öffentlicher, sondern in privater Hand lag, wurde 1991 aufgehoben, seit 1993 gibt es weitere nationale Sender. Davor gab es eine Vielzahl an Piratensendern, die trotzdem sendeten. Viele von ihnen übernahmen ab 1991 eine der neuen Frequenzen.

Durch seine Aktivitäten in den Zwanzigern und Dreißigern entwickelte sich das kleine Großherzogtum zu einem wichtigen Medienstandort in Europa, unter anderem durch das mehrsprachige Sendungsangebot auf französisch, deutsch oder englisch - und ist es bis heute geblieben: Die RTL-Mediengruppe ist auch heute mit 57 Fernseh- und 31 Radiosendern der größte Anbieter von Privatsendern in Europa. Trotz seiner Vormachtsstellung in Luxemburg (rund 65 Prozent aller Luxemburger schalten täglich ein, die ungefähren Hörerzahlen belaufen sich auf über 290.000) ist die Radiolandschaft in Luxemburg auch heute noch bunt und zeichnet sich durch seine Sprach- und Musikvielfalt aus. Dazu tragen auch alternative Sender wie Radio Ara bei, die Programme in mehreren Sprachen bieten.

Radio gaga à gogo

Nicht vergessen werden darf der politische Aspekt einer Radioemission; nicht umsonst stehen Radiosender und -Stationen ganz oben auf der Zielliste bei militärischen Angriffen. Nur wenige Monate nach seiner Machtergreifung ersann sich der Machtapparat um Herrn Hitler mit dem berühmten Volksempfänger eine Maßnahme, um in jeden Haushalt zu gelangen. In den Kriegsjahren hörten die Menschen heimlich Westfunk - drüben auf der anderen Seite der Mauer auch. Auch das ist vielleicht eine der wichtigen Lektionen des Welttags des Radios: weltweit Botschaften aussenden, welche die ganze Menschheit betreffen - und damit für etwas mehr Zusammenhalt und Gemeinsamkeit werben.

Denn wie lautet es bei Queen? „Let’s hope you never leave old friend; like all good things on you we depend“. Die Band hat Recht: Eine Welt ohne Radio wäre ein klein bisschen weniger schön. Hoffentlich bleibt es uns lange erhalten. Fröhlichen Welttag des Radios!