LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Sophie Molitor ist seit zehn Jahren Direktorin von „SOS Villages d’Enfants Mondes“ in Luxemburg

Freude und Leid liegen oft nahe beieinander. Das kann auch Sophie Molitor, seit zehn Jahren Direktorin der luxemburgischen Vereinigung „SOS Villages d’Enfants Mondes“, bestätigen. In diesen zehn Jahren hat sie viel Leid gesehen, aber auch so manches Kinderlachen erlebt. Genau dies hat die Mutter zweier Kinder in ihrer, wie sie sagt, „Lebensaufgabe“ bestärkt.

Obwohl „SOS Villages d’Enfants Mondes“ in 133 Ländern präsent ist, gibt es nur 18 „promoting and supporting associations“ weltweit, eine davon seit mittlerweile 38 Jahren in Luxemburg. Hauptaufgabe ist es, Mittel zu sammeln und konkrete Projekte durchzuführen, etwa Kinderdörfer oder Schulen zu bauen. 2012 hat die luxemburgische Vereinigung rund 50 Projekte finanziert und damit 45.000 Menschen unterstützt. Vier Millionen Euro wurden aufgewendet. Weitere 1,6 Millionen wurden für Patenschaften ausgegeben. Diese Summe wurde integral von den luxemburgischen Paten gespendet. In der Regel ist eine monatliche Spende von 30 Euro nötig, um ein Kind in einem SOS-Kinderdorf zu unterstützen. „Wir haben das große Glück, seit Jahren auf treue und großzügige Spender zählen zu können. Zurzeit leiten wir 4.700 Patenschaften. Unsere luxemburgischen Paten unterstützen alleine 3.600 SOS-Kinder. Eine wertvolle Hilfe kommt auch vom Kooperationsministerium“, erklärt Sophie Molitor.

Seit vielen Jahren in den ärmsten Regionen tätig

„In einigen Ländern, wie etwa Mali oder Niger, ist ‚SOS Villages d’Enfants Mondes‘ bereits seit Jahren tätig. Wir sind demnach sehr tief in diesen Ländern verankert. Genau deswegen können wir im Falle einer Naturkatastrophe oder eines Krieges rasch reagieren und eine Notfallhilfe auf die Beine stellen. Im Mali konnten wir in diesem Jahr sehr schnell eingreifen, als zu der politisch und sozial sehr prekären Situation auch noch eine Lebensmittelkrise hinzukam. 4,6 Millionen Menschen waren davon betroffen. Unser luxemburgisches Büro hat sofort eine Notfallhilfe für 9.200 Menschen, davon 2.000 Kinder unter fünf Jahren, in die Wege geleitet“, erzählt Sophie Molitor.

Bewegende und schockierende Momente auf Haiti

Ein Erlebnis hat die Direktorin der luxemburgischen Vereinigung „SOS Villages d’Enfants Mondes“ besonders geprägt: Nach der Erdbebenkatastrophe am 12. Januar 2010 auf Haiti, war sie im Oktober 2010 in die Krisenregion gereist. „Ich war zutiefst schockiert über das, was ich damals auf Haiti gesehen und erlebt habe. Auch heute, zwei Jahre später, fällt es mir noch schwer, darüber zu reden“, erklärt Sophie Molitor, „Haiti war schon immer ein sehr armes Land. Weniger als 50 Prozent der Kinder gingen zur Schule. Nach dem Erdbeben war das Land extrem zerstört. Mindestens 230.000 Tote wurden gezählt. Dann folgte der Ausbruch der Cholera, der noch einmal 5.000 Tote forderte. Millionen von Menschen mussten in Zelten untergebracht werden. Die Situation der Kinder war dramatisch. Hinzu kamen politische Unruhen“.

Seit 30 Jahren ist „SOS Villages d’Enfants Mondes“ auf Haiti tätig und unterhält dort zwei Kinderdörfer mit Schulen (für jeweils über 500 Kinder) sowie Berufsausbildungszentren in Port-au-Prince und Cap-Haiti, daneben 16 Sozialzentren. 4.000 bis 5.000 Personen profitieren von diesen SOS-Infrastrukturen. „Vor dem Erdbeben lebten 120 Kinder in dem SOS-Kinderdorf in Port-au-Prince. Bis zu 600 kamen danach hinzu, größtenteils Waisen. 80 Prozent der Schulen, die in Port-au-Prince existierten, waren komplett zerstört. Das Schulsystem war total zusammengebrochen. Unser Kinderdorf war wie durch ein Wunder verschont geblieben. So konnten wir den ‚Zulauf‘ an verwaisten Kindern auffangen. Schnell wurden auch SOS-Mütter rekrutiert. Täglich haben wir bis zu 39.000 Kinder mit Essen versorgt. Das Ganze hat mich sehr berührt“, erklärt die Leiterin aus Luxemburg.

Bau einer neuen Schule in Port-au-Prince

„Nachdem sich die Situation langsam wieder beruhigt hatte, haben wir mithilfe des Kooperationsministeriums, der luxemburgischen Rotary-Vereine und der Spender mit dem Aufbau einer großen Schule für 500 Kinder in Port-au-Prince begonnen, die im Februar 2012 eröffnet wurde. Wir waren natürlich sehr froh, das in einer Gegend tun zu können, in der 100.000 Flüchtlinge leben“, freut sich Sophie Molitor. Was den finanziellen Teil anbelangt, so kamen rund 700.000 Euro durch Spenden und die Luxemburger Regierung zusammen. Über 500.000 Euro wurden für den Bau der Schule und die Beteiligung an der Notfallhilfe aufgewendet. Die restliche Summe wurde in die Weiterführung der vorherigen Arbeit gesteckt. „Schon vor dem Erdbeben gab es 400.000 Waisenkinder auf Haiti. Ein weiteres SOS-Kinderdorf für 150 Kinder wird jetzt in Les Cayes gebaut. Die luxemburgische Vereinigung finanziert ein Haus für zehn Kinder. Und dann ist das Geld aufgebraucht. Wie Sie wissen, hat Hurricane Sandy aber jetzt erneut großen Schaden auf Haiti angerichtet. Wieder droht 100.000 Kindern der Hungertod. Eine neue Notfallhilfe ist bitter nötig“, gibt Sophie Molitor zu bedenken.

Jedes Kinderlachen bestätigt Sophie Molitor in ihrer Arbeit

Trotz des ganzen Leids, mit dem sie tagtäglich konfrontiert wird, hat die zweifache Mutter ihre Lebensfreude nie verloren und ihren Traumjob, wenn man so will, gefunden. „Eigentlich habe ich bereits als Kind davon geträumt, Kindern in Not zu helfen. Größer wurde dieser Wunsch, als ich selbst Mutter wurde“, erklärt Sophie Molitor, „auch wenn es nur ein bescheidener Beitrag ist, so gebe ich doch mein Bestes, um so vielen Kindern wie nur möglich ein besseres Leben zu bieten. Während meinen Reisen zu den Ärmsten der Armen erlebe ich das Leid hautnah und sehe viele traurige Situationen. Das geht nicht spurlos an mir vorbei, und doch erlebe ich auch so viel Freude, wenn ich unsere gelungenen Projekte und die glücklichen Kindergesichter sehe. Jedes Lachen bestätigt mich in meiner Arbeit und zeigt mir, dass die Hilfe aus Luxemburg extrem wertvoll ist“.