LUXEMBURG
MARA KROTH

Label „Lauter Unfug“ will elektronische Musik in Luxemburg unter die Leute bringen

Angefangen habe alles mit einem alten CD-Player und der Leidenschaft für Musik. Heute legt Thierry Loesch alias Riven in Berliner Clubs auf und ist Mitbegründer des Musiklabels „Lauter Unfug“, das Anfang 2013 offiziell gegründet wurde.

Doch zu Beginn war es noch die Bar eines Freundes seines Vaters, in welcher er seine ersten Auftritte hatte. Musikalisch drehte es sich damals um die Charts und frühe Hits von David Guetta: „David Guetta würde ich heute nicht mehr spielen, aber zu seinen frühen Zeiten war ich schon begeistert“, sagt Thierry. Seine musikalische Reise führte von Chartmusik über Dubstep und Drum and Bass zu House und Techno.

Als er mit Anfang 20 nach Brüssel zum Studium aufbrach, wurde ihm dort ein neues musikalisches Universum offenbart. Seine Freunde nahmen ihn mit ins „Fuse“, dem wohl bis dato bekanntesten Club für elektronische Tanzmusik in der belgischen Hauptstadt. Die Szene in Brüssel wurde größer. Dann kehrte er zurück nach Luxemburg - wo gähnende Leere herrschte. „Um 2012 gab es hier in den Clubs nichts Elektronisches, nur Champagner Parties“, sagt Thierry. In der Hauptstadt hangelte man sich an Charts und Mainstream entlang, nichts für wahre Musikliebhaber.

Das Studio 21 fehlt vielen Fans

Ab da begann die Organisation von sogenannten „Raves“, was übersetzt lediglich eine Veranstaltung mit elektronischer Tanzmusik bedeutet. Diese fanden mit 40 bis 50 passionierten Techno-Liebhabern auch mal in angemieteten Scheunen statt. Der Ansporn: elektronische Tanzmusik unter das luxemburgische Volk bringen. Die Raves in der verlassenen Scheune waren die Anfänge von „Lauter Unfug“ dem Musiklabel, welches von Thierry und seinen Freunden Pierre Bellion und Alex Heide gegründet wurde.

Ihr Label wuchs seit der Gründung 2013 kontinuierlich durch gute PR-Arbeit, eigenproduzierten Tracks und Verbindungen zu internationalen Künstlern. Luxemburg ist mit seiner Lage gut situiert für internationalen Zulauf. „Für unser erstes größeres Event haben wir Markus Kavka ins damalige d:qliq bestellt.“ Der ehemalige MTV-Moderator war vielen ein Begriff- und die Party wurde somit ausverkauft und ein voller Erfolg. Seitdem gastierte „Lauter Unfug“ in verschiedenen Clubs und Locations in Luxemburg Stadt.

Eine erfolgreiche Zeit konnte das Label im „Marx“ verzeichnen. Auch hier wurde die Edel-Atmosphäre durch stundenlange Raves mit Zugang zum clubeigenen Garten und 600 bis 700 Besuchern ersetzt.

Die erfolgreichste Location unter der Leitung der drei Freunde nannte sich „Studio 21“ und hätte atmosphärisch auch ins Berliner Nachtleben gepasst. „Heute kommen noch Leute auf mich zu und sagen, dass sie das Studio 21 vermissen“, erinnert sich Thierry. Man musste im vergangenen Februar schließen, da der Eigentümer die Räume anderweitig nutzen wollte.

Ein Label aus Leidenschaft

Gegenwärtig finden im Monat ein bis zwei Parties statt, die von den acht bis neun Freunden, die mit im Team von „Lauter Unfug“ arbeiten auf die Beine gestellt werden. Dabei bleibet alles „non-profit“, das bedeutet: Alle Einnahmen gehen in neue Events des Labels. Einen zweiten Standort konnte durch das BWL- Studium von Pierre in Berlin etabliert werden. In der bereits lang existierenden Techno-Szene legten Pierre, Alex und Thierry schon in Berliner Einrichtungen wie dem „Suicide Circus“ oder „Tresor“ auf.

Ob es nicht anstrengend sei, jedes Wochenende unterwegs zu sein und hinterm Mischpult zu stehen? „Überhaupt nicht, es ist ja meine Leidenschaft“ sagt Thierry. Er studiert im Bachelor „Science d’Education“ an der Uni Luxemburg. Studium und Arbeit als DJ lassen sich gut vereinen.

Besonders zufriedenstellend sei es für Thierry zu sehen, wie elektronische Musik in Luxemburg beliebter wird. „Manchmal sehe ich alte Klassenkameraden auf unseren Raves, die damals rein gar nichts mit House oder Techno zu tun hatten. Es ist schön zu sehen, dass diese Musikrichtung endlich in der breiten Masse ankommt.“

Die Freunde setzen beim Booking für neue Veranstaltungen auf Namen, die der ein oder andere bereits gehört haben könnte, wie zum Beispiel Asaf Avidan. „Bekannte Acts machen die Veranstaltungen groß, und die Menschen merken, dass nicht nur der eine Radiohit dieses Interpreten gut war - sondern auch die Musik, die er oder sie im Club auflegt.“

Vision für die Zukunft

Das sich was tut in der elektronischen Szene ist seit einigen Jahren zu spüren. Zum Beispiel
im Radio, auch wenn es sich bei DJs wie Robin Schulz um softe und kommerzielle elektronische Musik handelt. Auf den Tanzveranstaltungen sind mittlerweile immer neue Gesichter, während damals immer dieselben Besucher zum Feiern kamen. „Luxemburg hinkt musiktechnischen Entwicklungen immer ungefähr fünf Jahre hinterher“ sagt Thierry lachend.

Das wollen er und das „Lauter Unfug“-Team in Zukunft allerdings ändern. Bisher konnte das DJ-Team auch schon einige Erfolge bei den „Luxembourg Nightlife Awards“ verzeichnen: Zwei Mal Gewinner in der Kategorie „Best DJ Electro- House“ wurde Thierry Loesch und Alex Heide wiederum gewann seinerseits schon Bronze in der Kategorie „Best DJ Electro- House- Prix du Public“.

Weitere Informationen unter www.lauter-unfug.com