LUXEMBURG
JEFF KARIER

„Musée brassicole des deux Luxembourg asbl“ bemüht sich um den Erhalt der Biergeschichte des Großherzogtums und der Provinz Luxemburg

Drei große Brauereien gibt es heute noch in Luxemburg. Dabei blickt unser Land auf eine reiche Biergeschichte zurück. Nur ist diese zum großen Teil in Vergessenheit geraten. Diese wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, dafür setzt sich der Verein „Musée brassicole des deux Luxembourg asbl“ ein, der zugleich auch die vielen Gemeinsamkeiten und Verbindungen mit der Biertradition in der Provinz Luxemburg betont.

Beginn einer Passion

Die Entstehung des Vereins geht auf die Sammelleidenschaft ihres Vorsitzenden und Gründers Yves Claude zurück. „Mit Sammeln angefangen habe ich 1990. Mein Großvater schenkte mir einen Flaschenöffner der Brauerei Diekirch aus den 30er Jahren. So etwas findet man nicht mehr so oft“, erklärt Claude. Die Nähe zu der Brauerei habe sich durch seine ganze Jugend gezogen. „Ich bin in Diekirch ins Lyzeum gegangen. Vom Klassensaal hatte ich einen direkten Blick auf die Brauerei, in der jeden Montag gebraut wurde. Das hat immer gut gerochen“, erinnert sich Claude mit einem Lächeln auf den Lippen. Damals ließ er in den vielen Bistros der Stadt auch immer mal wieder den einen oder anderen Bierdeckel oder auch ein Glas mitgehen.

Das war der Anfang seiner Sammlung, aus der sich eine Passion entwickelte. Dabei stand anfangs vor allem der Aspekt der Werbung und Vermarktung von luxemburgischem Bier im Vordergrund. „Deshalb habe ich dann auch später ein Werbe-Studium an der ‚Académie Royale des Beaux-Arts‘ in Lüttich abgeschlossen.“

Museum für die Nordstadt

„Aufgrund eines Artikels über mich und meine Sammlung wurde dann auch die Stadt Diekirch auf mich aufmerksam“, erklärt er. Das war 2001 und Claude war nach der Übernahme einer anderen Sammlung zum größten Sammler zum Thema Brauerei Diekirch geworden. Die Stadt Diekirch wollte ein Museum über die Brauerei gründen und fragte, ob Claude interessiert sei. Das „Musée d’Histoire de la Brasserie de Diekirch“ wurde dann 2004 eröffnet.

Die Brauereileitung der „Brasserie de Luxembourg Mousel-Diekirch“, die aus der Fusion 2000 zwischen Diekirch und Mousel entstanden war, bat Claude zusätzlich seine Sammlung auf alle Brauereien, die nun zum Unternehmen gehören, auszuweiten. Dazu zählen etwa Eich, Esch, Clausen, Gruber oder Henri Funck. „Das tat ich dann auch“. Einen weiteren Anstoß zur Erweiterung seiner Sammlung und der Beginn tiefergehender Recherchen war ein Buch aus dem 1993, das sich mit der Geschichte der luxemburgischen Brauereien auseinandersetzte. „Damals hieß es, dass darin alles enthalten sei, was über die luxemburgischen Brauereien bekannt ist. Es war aber weder die Rede von den Getränkehändlern, die das Bier vertrieben, noch von der Strategie der Brauereien und deren Marketing. Daraufhin wollte ich mich tiefer mit diesen Aspekten beschäftigen“, führt Claude aus. Er begann mit der Recherche über die Getränkehändler, die ihn nach Belgien führte. Denn Diekirch hatte hier ihr größtes Netzwerk. „Einige dieser Getränkehändler waren früher selber Brauereien, die aber dann etwa aufgrund der Konkurrenz damit aufhören mussten.“

Ein wahrer Schatz

Per Zufall stieß der Verein 2010 auf eine ehemalige Brauerei. „In dieser wurde 1969 zum letzten Mal gebraut. Seither lag diese still und alles lag noch genauso da, wie es die Arbeiter hinterlassen hatten.“ Die Anlagen bauten Claude und die anderen Mitglieder während drei Jahren in ihrer Freizeit Stück für Stück ab. „Wir konnten außerdem das komplette Archiv übernehmen. In diesem fanden wir zahlreiche Verbindungen zwischen luxemburgischen und belgischen Brauereien. Die Provinz Luxemburg erhielt nämlich einen großen Teil ihres Biers aus Luxemburg. Für den Rest Belgiens war die Provinz einfach nicht interessant.“ So fand Claude etwa heraus, dass die Brauerei Simon technische Kooperationen mit Brauereien in Belgien hatte. Und bis auf Buttin und Gruber hatten alle anderen Brauereien mindestens ein Depot in Belgien.

„Ein Unterschied zwischen Provinz und Land, der mir bei meinen Recherchen aufgefallen ist, ist, dass die Brauereien im Großherzogtum recht schnell semi-industriell wurden. Sie waren strukturiert und hatten klare Wachstumspläne. In der Provinz Luxemburg waren die Brauereien eher Familienunternehmen, die auch sehr oft verkauft wurden, weshalb auch der Name der Brauereien oft änderte.“ Laut Claude gab es insgesamt 600 verschiedene Brauereinamen. Davon entfallen rund zwei Drittel auf die Provinz Luxemburg.

Siegeszug des Pils

Allerdings verlief die Entwicklung der Bierarten unterschiedlich. Wurde anfänglich etwa obergäriges Bier sowie Bier aus Ginster im Großherzogtum gebraut, kam aufgrund des Beitritts in den deutschen Zollverein 1842 vermehrt untergäriges Bier nach Münchener und Pilsener Art ins Land. „Der Luxemburger trank diesen sehr gerne, sodass auch die luxemburgischen Brauereien umstiegen. Innerhalb weniger Jahre hatte sich der Großteil der Brauereien auf das untergärige Bier umgestellt. Die, die dies nicht taten, waren nach spätestens 20 Jahren verschwunden.“ Ab etwa 1885 gab es im Großherzogtum fast nur noch solches Bier. Die Provinz Luxemburg ist hingegen zu großen Teilen bei obergärigem Bier geblieben.

Aktuell ist mit der Ausstellung rund um die Brauerei Diekirch auf 120 Quadratmetern lediglich ein Bruchteil der Sammlung und des Wissens zugänglich, die der Verein zusammengetragen hat. „Um die Vielseitigkeit sowie die vielen Verbindungen entsprechend darstellen und zeigen zu können, bräuchten wir jedoch grob geschätzt eine Fläche von 3.000 Quadratmetern“, stellt Claude fest. Man sei daher in Gesprächen, um ein solches allumfassendes „Musée brassicole des deux Luxembourg“ zu gründen. Und Claude glaubt, aufgrund der Qualität und Umfang der Sammlung sowie des Wissens eines der besten Biermuseen Europas schaffen zu können.

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