LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Staatsanwaltschaft fordert drei Monate Fahrverbot plus Geldstrafe

Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sind dazu da, Leben zu retten und nicht, um durch Gaffer in ihrer Arbeit behindert zu werden. Jeder könnte der Nächste sein, und bei der Menschenrettung zählt jede Minute, jede Sekunde. Jetzt stehen fünf von sieben mutmaßlichen Gaffern vor dem Polizeigericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, Beamte bei ihrer Arbeit behindert und das Handy während dem Fahren benutzt zu haben.

Ein besonders spektakulärer Lkw-Auffahrunfall ereignete sich am 4. Oktober 2016 auf der Autobahn A1, vom Senningerberg aus kommend, auf Höhe der Auffahrt auf die Autobahn A7 in Richtung Kirchberg. Der Lkw-Auffahrunfall zwischen drei Lastkraftwagen war der Polizei gegen 14.50 gemeldet worden. Ein Lkw war ungebremst und mit großer Wucht auf einen zweiten Lkw aufgefahren. Die Fahrerkabine wurde hierdurch eingedrückt. Vor Ort stellte sich heraus, dass der Fahrer des dritten Lastkraftwagens in seiner Kabine eingeklemmt war. Der verletzte Fahrer wurde durch die Besatzung eines zufällig vorbeifahrenden Rettungswagen versorgt. Erst nach vierzig Minuten konnte er von der Berufsfeuerwehr sowie den anwesenden Rettungsdiensten des Einsatzzentrum Niederanven-Schüttringen mit schwerem Rettungsgerät aus der Kabine befreit werden. Der Rettungshubschrauber der Luxembourg Air Rescue (LAR) mit dem Notarzt aus Ettelbrück landete auf den Fahrbahnen der Autobahn, der Fahrer wurde jedoch mit dem Krankenwagen in eine Klinik gebracht.

Ein echtes Problem

Auf der gegenüberliegenden Fahrbahn des Unfallortes hatte sich bereits ein Stau gebildet, da Schaulustige ihr Tempo drosselten, um das Geschehen am Unfallort aus nächster Nähe zu beobachten. Nach Angaben des Polizeibeamten Serge Arendt bewegten sich die Wagen mit 5 km/h. Wer jedoch als Schaulustiger einen Unfall beobachtet und als Vorbeifahrender vom Gas geht, um eine bessere Sicht auf das Geschehen zu haben, behindert nicht nur den Notdienst, sondern kann sich auch selbst gefährden und selbst einen Auffahrunfall verursachen.

Aber damit nicht genug denn manche Schaulustige fotografierten und filmten das Geschehen sogar mit Mobiltelefonen - und widersetzen sich den Anweisungen der Polizei. Arendt ist bei der Polizei in der Pressestelle tätig und kam nur zufällig an den Unfallort. Der erste hier war ein RTL-Reporter.

Arendt sagte gestern: „Polizei und Rettungskräfte sehen Gaffer mittlerweile als echtes Problem an, denn nach einem Unfall kann jede Minute zählen. Nicht selten hängt das Leben der Opfer davon ab, wie schnell Rettungskräfte den Unfallort erreichen und Erste Hilfe leisten können.“ Doch immer wieder behinderten Schaulustige die Arbeit von Polizei und Helfern. Arendt knipste daraufhin die Gaffer, weil sie ihre Handys in der Hand hielten. Der Polizeibeamte schrieb auch die Nummernschilder auf, Anzeigen folgten. Die Fotos wurden auch auf der Facebook-Seite der Polizei veröffentlicht. Zusätzlich erklärte Arendt, dass so die Hilflosigkeit einer Person zur Schau gestellt werden würde. Der verletzte Fahrer hing nämlich mit dem Oberkörper aus der Kabine.

Ein angeklagter Busfahrer gab zu, den Unfall mit seinem Handy fotografiert zu haben. Er bedauerte gestern sein Handeln. Sein Arbeitgeber habe ihn wegen des Vorfalls entlassen.

Ein anderer Angeklagter hatte den Unfall geknipst und machte auch Fotos vom Rettungshelikopter, weil er seinem Sohn den Rettungshubschrauber, der auf der Autobahn gelandet war, zeigen wollte. Er bedauerte sein Handeln ebenfalls. Zwei weitere hatten während des Autofahrens telefoniert. Einer bestritt allerdings den Vorwurf. Eine angeklagte Frau gab zu Protokoll, sie hätte zwar während dem Fahren telefoniert, allerdings sei die Fahrt gegenüber dem Unfallort ein „stop and go“ gewesen. Laut ihrem Verteidiger steht fotografierten Personen, die ohne vorherige Einwilligung abgelichtet worden sind, ein Unterlassungsanspruch zu. Unerlaubtes Fotografieren stelle Persönlichkeitsverletzung dar. Er und ein weiterer Anwalt forderten für ihre Mandanten einen Freispruch.

Der Anklagevertreter erklärte, dass die Benutzung eines Handys am Steuer zum Telefonieren während der Fahrt bekanntlich verboten sei. Er beantragte jeweils drei Monate Fahrverbot und das Maximum der Geldstrafe in Höhe von 250 Euro für alle Angeklagten.

Die Urteile werden am 19. Dezember gesprochen.