LUXEMBURGSVEN WOHL

Angespielt: New Super Mario Bros. U

Wenn die eigentlich noch relativ junge Videospielindustrie so etwas wie Urgesteine kennt, dann gehört Super Mario auf jeden Fall dazu. Falls es dann noch so etwas wie Traditionen in der genannten Industrie geben sollte, dann gehören Mario-Spiele, die nahe am Start einer Nintendo-Konsole erscheinen, ebenfalls dazu. „New Super Mario Bros. U“ obliegt die Aufgabe, einen Anreiz für Nintendos neue Konsole zu schaffen. Fragt sich nur, ob er dazu noch frisch genug ist.

Medley Abenteuer

Eigentlich ist der Titel der „New Super Mario Bros.“-Reihe blanke Ironie. Denn nichts ist hier neu, alles ist eine Mischung aus altem und noch älterem. Damit kann man vielleicht noch Neulinge überraschen, aber auf Kenner wirkt dies fast so schlimm wie Valium. Über die Story von Mario-Spielen zu reden, ist müßig, aber auch das Leveldesign, so anspruchsvoll es mittlerweile sein mag, kann nie wirklich überraschen. Selbst das neue Kostüm, das Mario in ein fliegendes Eichhörnchen verwandelt, führt zu keinen Innovationshochflügen. Die Einfallslosigkeit zieht sich weiter durch den üblichen Mehrspielermodus, in dem sich bis zu fünf Spieler eher gegenseitig behindern als helfen und der Musik, die arg an Midi-Qualität erinnert und die immer gleichen Töne der Vorgängerspiele anschlägt. Das erhöht nicht gerade die Spannung.

Die Elemente wurden aus sämtlichen Mario-Spielen zusammengewürfelt: Die Übersichtskarte aus den dritten und vierten Mario-Spielen sind genau so vorhanden wie Yoshi aus dem vierten Titel. Von dort kommen natürlich auch die Geisterschlösser, die mitunter die originellsten Level mit zahlreichen Täuschungen mit sich bringen. Das bricht das gelegentliche Einerlei schnell auf und hebt sich angenehm ab.

Nicht Zeitgerecht

Dabei hätte dieser Mario-Titel ganz gute Voraussetzungen gehabt, um einige wirklich interessante Dinge zu tun. Aber der neuartige Controller wird eigentlich kaum benutzt. Im Mehrspielermodus lassen sich damit helfende, beziehungsweise hinderliche, Blöcke platzieren. Enttäuschend ist natürlich auch wieder, dass es keinen Online-Modus gibt, obwohl die Konsole, wie alle anderen auch, keine Probleme mit der Internet-anbindung hat. Es ist also vollkommen schleierhaft, wieso hier nicht die Gelegenheit beim Schopfe gepackt wurde und das Konzept dank Internet erweitert wird. Aber nein, Nintendo bleibt weiterhin eine ganze Generation hinter der Konkurrenz.

Ganz positiv zu bewerten, sind jedoch sowohl die Steuerung als auch der eigentlich Levelaufbau. Der Schwierigkeitsgrad liegt nämlich wesentlich höher als das bei den direkten Vorgängern der Fall gewesen ist, und das ist auch gut so. Dadurch nagt man etwas länger an einigen Level und so kann es auch mal vorkommen, dass man ein dutzend Bildschirmleben an einem einzigen Level hängen lässt. Kein Grund zu Sorge, denn es gibt genug Extra-Leben und das Game Over rückt selten nahe.

Auch dieser Titel kann sämtliche Markenzeichen der langlebigen Serie vorzeigen. Damit etabliert sich das Spiel als der erste Titel, den man für die neue Nintendo-Konsole haben sollte. Jedoch handelt es sich dabei auf keinen Fall um einen Kaufgrund für die eigentliche Konsole: dafür ist der Titel schlicht zu uninspiriert. Spass macht er Genrefans aber allemal (Erhältlich für die Wii U für 60 Euro bei „Le Reservoir“).