LUXEMBURGDANIEL OLY

Hoher Bedarf nach Beseitigung von Wespennestern im heißem Wetter 2018

Sie kommen! Wieder und wieder, mal einzeln, mal in Gruppen, seltener im ganzen Schwarm. Und sie verbreiten Terror. Die Rede ist von Wespen, die in den Sommermonaten die Terrassen unsicher machen, stets auf der Suche nach Nahrung für ihre Nester, in deren Umgebung allmählich der natürliche Vorrat knapp wird. Je knapper der Engpass im Nest, desto aggressiver treten die Wespen bei ihrer Suche in der Menschenwelt auf. Der einfache menschliche Reflex - umher fuchteln und die Plagegeister vertreiben - führt dann nur dazu, dass sie noch eher zum Stechen ansetzen.

Dass es wetterbedingt in diesem Jahr zudem besonders viele Wespen gab, habe das Problem nur verstärkt: „Wir waren uns schon recht früh in diesem Frühjahr einig, dass es ein sehr wespenreicher Sommer werden dürfte“, meint Eddy Boland, der in Luxemburg schon seit mehr als zwanzig Jahren Wespennester beseitigt und andere Schädlinge eliminiert. Der milde Winter, gepaart mit einem heißen Jahresbeginn und einem geregelten Übergang in den heißen Sommer habe ab Juni die Wespenpopulation geradezu explodieren lassen, erklärt er. „Das hat sich um das Dreifache erhöht“, meint Boland. „Hatten wir sonst 300 Nester, die wir beseitigen mussten, waren es jetzt fast 1.000!“ Und noch sei kein Ende in Sicht, denn die Zeit reicht wohl noch bis in den Herbst hinein. Dass die Kunden, die sich ja nichts mehr wünschen, als die Plagegeister los zu sein, manchmal auf die Experten warten müssen, sei da leider nur normal - anders gehe es nicht. „Wir hatten aber meist nur eine maximale Wartezeit von rund 24 Stunden“, betont er.

Wespenzeit noch nicht vorbei

Die große Gefahr ist offensichtlich: „Die Stiche schmerzen, sind aber nicht tödlich. Es sind die allergischen Reaktionen auf das Gift der Wespen, die dramatische Gesundheitsgefährdung auslösen können“, betont Boland. Besonders, da es in diesem Jahr an Impfungen gefehlt hat. „Da gab es Engpässe, und die produziert man ja nicht einfach so nach.“ Das sei letztendlich wie bei Bienenstichen.

Im Sommer ist es dann soweit: Dann kommen die Wespen aus dem Nest gekrochen, was bis zum Ende des Sommers andauert - „es ist also noch nicht vorbei“, weiß Boland. „Wenn das natürliche Futter fehlt, kommen sie zum Menschen, um sich den Zucker zu holen.“ Das könnte Mitte oder Ende September blühen. „Wenn es jetzt wieder drei, vier Tage am Stück heiß wird, kommen sie wohl massenweise zurück“, meint der Experte. „Sie bauen gerade ihr Territorium aus, vergrößern ihre Nester.“ Dabei seien noch lange nicht alle Nester sichtbar. „Manche sind unterirdisch und werden dann wachgerüttelt, wenn man sich darüber bewegt - dann fühlen sich die Wespen direkt angegriffen.“ Deshalb sind Wespennester ein Risikofaktor, gerade in der Nähe von empfindlichen Zielen wie Schulen.

Demnach sei die diesjährige Wespen-Population wesentlich größer als früher, eine direkte Auswirkung der trockeneren Jahreszeiten, des heißeren Klimas und der fehlenden Kälte. „Wird es so richtig kalt, dann sterben auch die Königinnen, die überhaupt erst Nester und Kolonien anlegen“, weiß er. „Dann geht die Population insgesamt zurück.“ Eine direkte Konsequenz des Wetters sei jedoch auch das geringere Aufkommen an Fliegen und Mücken, für die es einfach zu trocken und zu heiß war. Dafür gebe es mehr Raupen, die wohl auch kommendes Jahr dann ein gewaltiges Problem werden könnten. „Immerhin: Asiatische Hornissen gibt es hier zum Glück noch keine“, meint er.

Trockenpulver gibt den Nestern den Rest

Auch die Reform der Rettungsdienste könnte die Situation beeinträchtigt haben, da die Feuerwehren zudem nicht mehr zum Einsatz gegen Wespennester gerufen werden können. Die Menschen hätten aber immer noch den Reflex, zuerst die Feuerwehr zu verständigen - und würden dann abgewiesen, auch weil Wespenzeit und Feuerrisiko durch die langen Trockenphasen oft überein fallen.

Zur Beseitigung setzen die Experten dabei schon länger keine Flüssigkeiten mehr ein, sondern trockenes Insektiziz in Pulverform. „So vermeiden wir, dass es sich verteilt, wo wir es nicht haben wollen“, meint der Experte. „Und wir können es direkt gezielter anwenden, anstatt irgendwo herein zu pumpen und das Beste zu hoffen.“ Der Wirkstoff töte die Wespen ab, bleibe aber auch für einige Zeit, um Nachzügler - Wespen, die auf Nahrungssuche außerhalb des Nestes waren - zu erwischen. „Leider tötet es auch andere Insekten, weshalb wir mit der Anwendung sehr vorsichtig sind“, betonte er. Denn wenn durch die Anwendung Bienen zu Schaden kämen, sei dies besonders ärgerlich und auf jeden Fall zu vermeiden. „Niemals sollten Bienen und Wespen verwechselt werden“, betont er.

Darin liege denn auch der wesentliche Unterschied zu einem Kauf von Insektenvernichtungsmitteln im Baumarkt - die Anwendung kann gefährlich sein. „Nicht nur, weil jemand auf der Leiter steht und in ein Netz sticht, sich vielleicht erschrickt und dann herunter stürzt“, weiß er. „Sondern auch, weil durch die unfachmännische Anwendung andere Insekten wie Bienen unter dem Mittel leiden könnten.“

Für Boland stelle sich derweil eine ganz andere, dringendere Frage: Wer die Kosten übernimmt. „Kann man sich dagegen versichern? Wohl kaum. Aber was passiert, wenn ein Vermieter sich nicht um das Nest kümmern will“, meint er. „Dann muss man als Mieter wohl oder übel selbst dafür sorgen, und bleibt hinterher auf den Kosten sitzen.“ Ihm selbst bleibe nichts anders übrig, als demjenigen die Rechnung auszustellen, der den Termin ausgemacht hat. „Was, wenn das Nest beim Nachbarn hängt, dieser aber im Urlaub ist?“ Mit solchen Fällen sieht sich Boland konfrontiert. Und musste schmunzeln, als er eine alte Maßnahme aus der alten Zeit Luxemburgs heraus gekramt hat: „1893 gab es ,cinquante centimes‘ für jeden, der Wespennester nachweislich zerstört hat“, lacht er. „Das Problem ist also älter.“


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