LONDON
CHRISTIAN SPIELMANN

Vom Film zum Bühnenmusical: „Strictly Ballroom - The Musical“

Der australische Regisseur Baz Luhrmann überraschte die Filmwelt 1992 mit dem berauschenden Tanzfilm „Strictly Ballroom“, dem ersten Teil seiner „Red Curtain“-Trilogie, dem „William Shakespeare’s Romeo + Juliet“ (1996) und „Moulin Rouge!“ (2001) folgten. Wie der Trend der Zeit es will, wurde aus dem Film ein Bühnenmusical, das 2014 erstmals in Sydney gespielt wurde. Weil die Kritiker der Show gegenüber nicht sonderlich positiv gesinnt waren, wurde sie überarbeitet, und ein Jahr später in Melbourne wesentlich besser bewertet. Im Londoner West End startete „Strictly Ballroom - The Musical“ im April dieses Jahres im Piccadilly Theatre, in einer von Regisseur und Choreograf Drew McOnie erneut veränderten Fassung.

Mit dem Herzen tanzen

Scott Hastings (Jonny Labey) tanzt mit seiner Partnerin Liz (Lauren Stroud) in der Vorentscheidung zum „Pan Pacific Grand Prix“. In diesem Wettbewerb sind allerdings nur die Standarttänze erlaubt, mit strikte vorgeschriebenen Schritten. Leider improvisiert Scott und wird vom Chef der Tanzvereinigung Barry Fife (Gerard Horan) disqualifiziert, zur Freude seines größten Konkurrenten Ken (Gary Watson). Scott will nicht mehr mit Liz tanzen, was seiner Mutter Shirley (Anan Francolino) nicht gefällt, da sie unbedingt möchte, dass er den Wettbewerb gewinnt. Der einzige, der Scott nicht kritisiert oder drängelt, ist sein Vater Doug (Stephen Matthews). Im Tanzstudio drängt sich Scott das Mauerblümchen Fran (Zizi Strallen) auf, das liebend gern mit ihm tanzen will. Scott gibt ihr eine Chance, und Fran erweist sich als würdiger Ersatz. Weder Shirley, noch der Besitzer des Tanzstudios Les Kendall (Richard Grieve) sind begeistert und würden am liebsten Scott wieder in den Armen von Liz sehen. Scott lernt Frans Vater Rico (Fernando Mira) und ihre Oma (Eve Polycarpou) kennen. Rico ist nicht von Scotts Paso Doble begeistert. Deshalb nimmt er den jungen Tänzer unter seine Fittiche, bis er gelernt hat, dass er mit dem Herzen und nicht mit dem Kopf tanzen muss. Außerdem verliebt sich Scott in Fran.

Gefällige Tanzszenen

Das Beste an der Show sind die Tanzszenen, die in Perfektion vom ganzen Ensemble getanzt werden. Einzig das Finale enttäuscht etwas. Scott und Fran tanzen wohl ihre eigenen und somit verbotenen Schritte, aber der wirkliche Kick bleibt aus. Der Humor gefällt ebenfalls, speziell in der Beziehung von Scotts Eltern. Doug ist ein Kerl, dem so ziemlich alles egal ist und vieles sehr bedacht macht und sagt. Interessant ist des Weiteren seine Vergangenheit. Er war einst ein begnadeter Tänzer, schied jedoch aus dem Tanz-Wettbewerb aus, weil er seine eigene Choreografie tanzte, so wie sein Sohn.

Das Orchester sitzt auf der Bühne und spielt die einzelnen Lieder, von denen viele aus dem Film übernommen wurden, wie „Love is in the Air“, „Perhaps Perhaps Perhaps“, „La Cumparsita“ oder „Time After Time“. Im Gegensatz zum Film, wo die Lieder mit dem Gesang Originalinterpreten eingespielt wurden, singt sie Matt Cardle in der Rolle von Wally Strand auf der Bühne. Er ist ein in Großbritannien sehr bekannter und erfolgreicher Sänger, hat eine starke Stimme und genug komödiantisches Talent, um als Beobachter der Geschichte zu überzeugen. Auch wenn dem Musical die Spritzigkeit des Films fehlt, ist es den Besuch wegen der flotten Choreografien und den überzeugenden Hauptdarstellern wert.


Weitere Informationen und Tickets unter

www.strictlyballroomthemusical.com.