LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

In Projekt „Labo BOuneweg“ übersetzen Jugendliche Geschichten der Älteren in Street-Art

Ton idée - ton quartier“: Nach dieser Devise hat eine Gruppe von etwa zehn Jugendlichen den Parkplatz zwischen der Rue Sigismond und der Rue de Bonnevoie mit Graffiti farbenfroher und gepflegter gestaltet. Während der Osterferien wurde der Platz im Stadtviertel Bonneweg durch zwei Aktionen verschönert. Unterstützt wurde die Gruppe dabei von Künstlern aus der Theaterwelt und der „Street Art“, von Theatermacherin Susi Muller und „Street-Art“-Künstler Stick - und von den Anwohnern des Viertels.

Dabei hat die Gruppe ganz bewusst diesen Ort ausgewählt: Er liegt in der Mitte des Viertels, ist lebendig und auch von Wohnungen und Geschäften umgeben, eingebunden wurden nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Anwohner. „Das bringt alles zusammen“, sagt Stick und zeigt auf die bemalten und beschriebenen Leisten der Parkplatzbegrenzung. Sie wird von Graffiti geziert, mit dem die Anwohner nicht nur etwas anfangen können. Sie können sich und ihre persönlichen Geschichten in der Farbe und den Zeichen sogar wiederfinden. „Dylan 02“, „Vanessa 89“ oder „Jason 96“ ist zum Beispiel darauf zu lesen - die Vornamen und Geburtsjahre der befragten, zufällig vorbeigekommenen Passanten.

Mehr Verständnis füreinander

Der 13-jährige Alessio erklärt ausführlich und bereitwillig, wie sich die Gruppe die Informationen besorgt hat. „Wir haben die Leute, die vorbeigekommen sind, gefragt, was Bonneweg für sie war und ist, ältere Leute und Jugendliche, die waren alle freundlich und haben mitgemacht.“ Bei den Befragungen ging es darum, Informationen über die Menschen aus dem Viertel zu erhalten: Vornamen, Alter, was sie mit dem Viertel verbinden, was sie hier in ihren Wohnungen in ihrer Freizeit machen. „Wir hatten ein Theaterstück, an dem wir mit Susi gearbeitet haben und darin haben wir das eingebaut, was uns die Leute gesagt haben“, erklärt Alessio weiter.

Theatermacherin Susi Muller erarbeitete dann in der zweiten Woche mit den Teilnehmern eine Performance, die sich inhaltlich aus den Aussagen der Anwohner und den Ideen der Gruppe speiste. Die 33-Jährige hat schon zuvor Theaterprojekte mit Kindern und Jugendlichen unternommen, doch diesmal kam der generationsübergreifende Aspekt hinzu: Einerseits waren in der Theatergruppe Teilnehmer jeden Alters, und zum anderen besuchte die Gruppe auch den Seniorentreff Amiperas, um sich mit den älteren Anwohnern von Bonneweg über deren Erinnerungen und Erfahrungen im Viertel auszutauschen. „Der Nachmittag hat allen Spaß gemacht“, berichtet Muller, die sich eine weitere Zusammenarbeit und andere Angebote in der Zukunft vorstellen könnte. „Man hat mehr Verständnis füreinander entwickelt, und das brauchen beide Seiten“, stellt sie fest.

Den Platz in Bonneweg findet auch sie für das Projekt gut ausgewählt. „Es ging darum, zu nehmen, was da ist und dem ein wenig hinzuzugeben.“ Daher wurden die ausgebrochenen Latten an der Parkplatzumfriedung auch nicht ausgebessert, sondern durch farbliche Betonung vorhandener Linien gestaltet. Eine urbane Kulisse für das Performanceprojekt der Gruppe: In weißen Anzügen tragen sie am Ende der Projektzeit Aussagen der Anwohner, der Senioren oder von ihnen selbst vor, vom Band werden ebenfalls einige Sätze eingespielt. In den Texten geht es darum, wie die Freizeit im Viertel gestaltet wird, aber auch um ein Gefühl des Verlorenseins. „Man kann die Aussagen nicht einzelnen Personen zuordnen, das ist auch ein Schutz für die Teilnehmer, die auftreten“, erklärt die Theatermacherin.

Sichtbarer Erfahrungsaustausch

Auf der Bühne sei das Spielen den Jüngeren leichter gefallen, auch weil sie direkt zuvor bereits ähnliche Erfahrungen in einem anderen Projekt gesammelt haben. „Sie beurteilen sich nicht schon direkt in ihrem Tun.“ Beim Ausprobieren und Proben seien Teenager und Erwachsene allerdings gleich aufgedreht und verspielt gewesen. „Es hat allen Spaß gemacht.“ Das Projekt „Labo BOuneweg“ wurde von den Rotondes, Hariko und „Inter-actions“ organisiert. Auch wenn die Performance einmalig war, die Erfahrungen der Anwohner und des intergenerationellen Gruppengefühls bleiben auf dem belebten Bonneweger Platz als „Street-Art“ sichtbar.