LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Zur zweiten Auflage der Konferenz „Women in Fintech“ kamen rund 400 Gäste

Um Frauen und Technik, vor allem aber um Fähigkeiten und Innovationen ging es am Donnerstagabend bei der Kanzlei Arendt& Medernach, wo die zweite Auflage der Konferenz „Women in Fintech“ stattfand, die von „Women in Digital (WIDE) organisiert wurde. Das Interesse an den zwei Panel-Diskussionen war mit rund 400 meist weiblichen Gästen sehr deutlich. Premier Xavier Bettel ließ es sich nicht nehmen, trotz seiner Heiserkeit die Konferenz zu eröffnen. „Ich hatte nur einen Termin heute morgen und jetzt diesen. Ich wollte nicht absagen, weil mir das Thema wirklich wichtig ist“, unterstrich Bettel. Er verwies auf den großen Bedarf an IT-Spezialisten, dem nur wenige Kandidaten und noch weniger Kandidatinnen gegenüber stehen. „Es gibt nicht genug Frauen im Technologie-Bereich“, betonte Bettel. Er plädierte dafür, dass die Branche auf Frauen zugeht. „Wenn eine Frau zwischen Familie und Job wählen muss, ist das keine moderne Gesellschaft“, versicherte Bettel.

Nur 15 Prozent der Partner sind Frauen

Anwältin Isabelle Lebbe, die bei Arendt&Medernach Partnerin ist, verwies auf die Initiative „Gender Diversity Lobby“, kurz GDL. Dazu hat sich die Kanzlei mit anderen Unternehmen zusammen geschlossen. „Wir kämpfen dafür, Luxemburg zu einem interessanten Umfeld für weibliche Talente zu machen“, berichtete Lebbe. „Unser Ziel ist die Wettbewerbsfähigkeit und der soziale Fortschritt im Land.“ Dazu hat wohl auch die Situation im eigenen Haus beigetragen. Denn in der Kanzlei sind 65 Prozent aller eingestellten Rechtsanwälte weiblich und der Frauenanteil bei den „Senior Lawyers“ - der Hierarchie-Stufe unter Partner - liegt bei 58 Prozent. Aber nur 15 Prozent der Partner sind Frauen. Die Einsicht darin, dass etwas falsch läuft, führte nicht nur zur Gründung eines internen Netzwerkes, sondern auch zur GDL.

Diese arbeitet in drei verschiedenen Arbeitsgruppen daran, die Bedingungen für Frauen zu verbessern. Die erste Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Thema „Telearbeit“ und hat vier konkrete Vorschläge gemacht, um die Rahmenbedingungen in rechtlicher, steuerlicher und sozialer Hinsicht zu verbessern. Die zweite Arbeitsgruppe befasst sich mit dem Einfluss von Erziehung und Bildung auf Diversität und hat ebenfalls Maßnahmen vorgeschlagen. Die dritte Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit gleichen Möglichkeiten am Arbeitsplatz und zu Hause. „Jetzt müssen wir mit Beteiligten wie den Parteien, der Regierung oder den Gewerkschaften sprechen und uns dort Gehör verschaffen“, sagte Lebbe. „Wir tun das, damit wir mehr qualifizierte Kräfte nach Luxemburg holen können - und, um die Zukunft unserer Kinder vorzubereiten.“

Im Anschluss fanden zwei Panel-Diskussionen mit je vier Teilnehmern statt. Emilie Allaert (LHoFT), Jean Diederich (APSI), Isabelle Schlesser (ADEM) und Susanne Schartz (Seqvoia) diskutierten über berufliche Fähigkeiten in der zukünftigen Bankenlandschaft. Anschließend befassten sich Marie-Hélène Massard (AXA), Karin Schintgen (House of Start-ups), Véronique de la Bachelerie (SGBT) und Astrid Wagner (Arendt&Medernach) mit Start-ups und Innovationen in Konzernen; insbesondere im Finanzbereich.

Beim ersten Panel versicherte Diederich, dass es der einfachste Weg zur Behebung des Fachkräftemangels wäre, wenn Frauen unterstützt würden und mahnte kürzere Fristen für die Erteilung einer Arbeitserlaubnis von ausländischen Fachkräften an. „Sonst wandern digitale Unternehmen aus.“ Schlesser meinte diplomatisch, dass Bewusstsein für das Problem sei da. Sie berichtete von den Bemühungen der ADEM, nicht nur Mädchen, sondern auch Eltern und Lehrer von den Möglichkeiten im technischen Bereich zu überzeugen. Einen schnellen Wandel erwartet sie allerdings genau so wenig wie Diederich, der überzeugt ist: „Das wird noch Jahre dauern.“