LUXEMBURG
MARCO MENG

Ein Überblick über den globalen Lebensmittelmarkt

Rund ein Viertel der weltweit erzeugten Lebensmittel wird international gehandelt. Allein der Handel mit landwirtschaftlichen Produkten hat einen Anteil von 10% am gesamten Welthandel. Dem Verband der deutschen Ernährungsindustrie zufolge wurden 2010 weltweit Nahrungsmittel für rund 827 Milliarden Euro exportiert, wobei die Vereinigten Staaten mit 10% an den weltweiten Ausfuhren größter Exporteur waren, gefolgt von den Niederlanden mit 7 und Deutschland mit 6%. Zu den größten Lebensmittelherstellern zählen dabei neben Kraft Foods aus den USA und der Schweizer Nestlé-Konzern, die Nummer Eins der Lebensmittelbranche mit einem Umsatz von rund 70 Milliarden Euro letztes Jahr.

Produktion steigern?

Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) fordert einen Anstieg der globalen Nahrungsmittelproduktion. In den nächsten 40 Jahren müsse die um 60% gesteigert werden, damit die Nachfrage nach Lebensmitteln gedeckt werden könne.

Allerdings hat die FAO ebenso berechnet, dass damit, was die Landwirtschaft derzeit weltweit produziert, nicht nur die aktuelle Bevölkerung von etwa 7 Milliarden Menschen versorgt werden könnte, sondern sogar 12 Milliar
den Menschen.

Ein Problem ist aber: Pro Jahr landet ein Drittel der Lebensmittelproduktion - das sind mehr als eine Milliarde Tonnen Nahrung - auf dem Müll. In Europa sind das nach Angaben der EU-Kommission rund 30% der gesamten gekauften Lebensmittel. Ein Großteil der produzierten Lebensmittel gelangt zudem gar nicht erst in den Handel, weil er bestimmten Normen nicht entspricht.

Dass derzeit knapp eine Milliarde Menschen hungern, liegt also nicht an einem Mangel an Lebensmitteln, denn umgekehrt sind über eine Milliarde Menschen übergewichtig, was auch am zunehmenden Fleischkonsum liegt. In den vergangenen 50 Jahren hat jener sich von 70 Millionen Tonnen im Jahr 1961 auf inzwischen (2010) weltweit etwa 294 Millionen Tonnen vervierfacht. Für 2012 prognostiziert die FAO einen Anstieg der Fleischproduktion auf 297,1 Millionen Tonnen. In den Entwicklungsländern lag der durchschnittliche Fleischverbrauch bei 32,4 kg pro Person, in den Industriestaaten bei 79,2 kg Fleisch.

Diese zunehmende Fleischnachfrage sorgt für zunehmende Viehhaltung - und die für zunehmende Treibhausgas-Emissionen: 18% der gesamten Treibhausgas-Emissionen kommen von Nutzvieh, nur halb so viel CO2 verursacht der Mensch. Ein Drittel der Ackerfläche dient inzwischen der Produktion von Tierfutter.

Nahrung ist nicht nur Nahrung

Rund um Lebensmittel sind in den letzten Jahren Aspekte wie die Frage nach Gesundheit oder Tierschutz in den Mittelpunkt gerückt: so entstanden zahlreiche Biolabel und - Bauernhöfe. Auch Energie ist ein vieldiskutiertes Thema - Stichwort Strom und Treibstoff aus Lebensmittel. In den USA werden bereits rund 40% der Maisernte zu Bioethanol verarbeitet, auch in Deutschland nimmt der Anteil des Ackerlandes zu, das mit Rohstoffen bepflanzt wird, um daraus Energie zu gewinnen.

Palmen, die Öl zur Herstellung von Lippenstiften genauso wie von Biodiesel liefern, wachsen heute auf etwa 15 Millionen Hektar weltweit (1995 waren es noch rund sieben Millionen Hektar gewesen): Sie gelten damit als eine der Hauptursachen der Regenwaldvernichtung.

Um die Lebensmittelproduktion zu steigern, sind die großen Produzenten schon lange dabei, mit Genmanipulationen nachzuhelfen. Obwohl der europäische Verbraucher das weitgehend ablehnt, wird geschätzt, dass bereits mehr als die Hälfte aller Lebensmittel mit Gentechnik in Kontakt gekommen sind. 2010 hat die EU-Kommission die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora zwar genehmigt, dennoch hat die BASF Anfang des Jahres ihre Lebensmittel-Gentechnik in die USA verlegt und ihr Amfloraprojekt beendet. Es fehlten in Europa Akzeptanz und Abnehmer für die neue Kartoffel, so
der Konzern.