LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Künstler Rafael Springer geht mit seiner „d’épicerie“ in die dritte Expo-Runde

Statt Sekt im Glas gibt’s Bier aus der Dose. Statt Stühlen, auf dem Kopf stehende weiße Plastikeimer. Ausstellungsvernissage mal anders. Wir sind in Belair in der „épicerie“, oder dem Lokal, das früher einmal ein Lebensmittelladen war, dann ein Restaurant und danach lange Zeit leer stand. Jetzt ist Künstler Rafael Springer der Herr im Haus, allerdings nur auf Zeit. Ihm wurden die Räumlichkeiten vom Besitzer zur Verfügung gestellt, um sie als „Pop-up gallery“ zu nutzen, bis sie eine neue Bestimmung bekommen. Wann und was genau das sein wird, ist noch unklar. Bis zum 22. September gehört „d’épicerie“ jedenfalls noch „Rafael Springer & friends“. Und diese „friends“ sind diesmal - es ist nämlich bereits die dritte Gemeinschaftsausstellung in diesem Sommer - Chiara Dahlem, Emanuela Wille, Dan Lammar und Menny Olinger.

Perfekter Rahmen

Da es Rafael Springer ohnehin am Liebsten im etwas unkonventionelleren Rahmen mag, bietet dieser Ort natürlich die perfekten Bedingungen. „Et ass eng super Plaz“, sagt er. Welche Idee dahinter steckt, ist schnell beantwortet: „Mir wurde dieser Platz zur Verfügung gestellt, und ich will ganz einfach davon profitieren, aber auch anderen die Möglichkeit geben, hier auszustellen, Künstlern, die ich mag, die ich kenne, die mir sympathisch sind oder die mich nett fragen. Da gibt es schon ein paar Kriterien“. Niemand solle im Vordergrund stehen, auch er nicht. „Die Mischung macht’s. Dadurch kommt alles auch irgendwie besser zur Geltung“, sagt er. „Das heißt nicht, dass mir alles gefällt“, fügt er lachend hinzu. Künstler gezielt nach ihrem jeweiligen Werk ausgewählt, hat er also nicht.

Hauptsache Spaß

„Es ist ja egal, ob mir die Kunst gefällt, vielleicht gefällt sie anderen. Ich will einfach, dass viele Leute Spaß an dieser Ausstellung haben, das Viertel, die Besucher, die Künstler, dass jeder seine Chance bekommt und dass wir zusammen etwas machen, statt immer nur jeder für sich. Wenn man was verkauft, super, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Ich bin ja kein Galerist, das ist überhaupt nicht mein Ding“, meint Springer. Er selbst hat für die dritte Auflage der „d’épicerie“ beispielsweise Werke aus seinen Serien „Réductions“ und „Abklatsche“ ausgewählt, aber auch einige seiner Keramik-Skulpturen mitgebracht.

Auch Menny Olingers Skulpturen haben ihren Platz wieder in die Ausstellung gefunden. Mit den Collagen von Dan Lammar sowie der Malerei von Emanuela Wille und Chiara Dahlem ist in der Tat ein sehr interessanter Mix entstanden. „Mir gefällt das Konzept der ,Épicerie‘, weil es ja wirklich in alle Richtungen geht“, sagt Emanuela Wille. „Und obwohl vieles dem Zufall überlassen war und es weder Vorgaben noch Regeln gab, ist daraus ein tolles Ganzes geworden. Es ist durchaus eine Harmonie entstanden“, so die begeisterte Künstlerin.

Auch die anfangs erwähnten Plastikeimer sind übrigens Kunstwerke. Rafael Springer hat sie mit verschiedenen Motiven in roter Farbe verziert. Wer also auf Kunst steht, kann hier sogar drauf sitzen.
„d’épicerie“ (134, avenue du X Septembre, L-2550 Luxemburg) ist bis zum 22. September immer samstags von 15.00 bis 17.00 und mittwochs von 18.00 bis 20.00 geöffnet