LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Nachwuchsfotograf Bruno Oliveira über seinen bisherigen Weg, seine Visionen und die Zukunft

Eine seiner Arbeiten zierte das Cover des luxemburgischen Telefonbuchs 2015-2016. Die Aufnahme hatte er während einer Challenge der RTL-Show „Generation Art“ 2014 realisiert. 2014 war auch das Jahr, in dem er seinem Leben eine neue Richtung gab und sich bald danach definitiv auf die Fotografie zu konzentrieren begann. Wir reden von Bruno Oliveira, der manch einem sicherlich als Gewinner der letztjährigen „Generation Art“-Staffel in Erinnerung geblieben ist. Momentan stellt der 24-Jährige im Rahmen der Expo „Intro_Photographie“ in der Galerie „Konschthaus beim Engel“ aus. Wir haben mit dem Nachwuchstalent über seine Arbeit, seine Visionen und Wurzeln gesprochen.

Wie kamen Sie zur Fotografie?

Bruno Oliveira Mit 18 habe ich angefangen, mich für Fotografie zu interessieren. Meine Eltern schenkten mir damals meinen ersten Fotoapparat, eine Canon 550D. Am Anfang habe ich mehr im Bereich der Modefotografie experimentiert, jedoch schnell gemerkt, dass das nicht mein Lieblingsstil ist. 2014 habe ich übrigens angefangen, als Erzieher in einer „Maison Relais“ zu arbeiten, bin also erst einmal einen anderen beruflichen Weg gegangen. Zur gleichen Zeit habe ich dann bei der zweiten Staffel der RTL-Show „Generation Art“ mitgemacht. Obwohl ich nicht als Gewinner hervorging, hat mir diese Erfahrung die Augen geöffnet. Mir wurde klar, dass Fotografie mein Ding ist und ich ein solches Studium in Angriff nehmen sollte. Meinen Job habe ich also gekündigt und das Aufnahmeexamen an der „Ecole supérieure des arts visuels de La Cambre“ in Brüssel gemacht, wo ich dann auch angenommen wurde. Mittlerweile bin ich im dritten Jahr und habe vor, meinen Master zu machen.

Bei der dritten Staffel von „Generation Art“ haben Sie ebenfalls mitgemacht…

Oliveira …und gewonnen, was mich sehr glücklich gemacht hat. Das war letztes Jahr, als sich die Staffel ausschließlich um das Thema Fotografie drehte. „Generation Art“ hat in dem Sinn mein Leben verändert, dass ich nun in eine ganz andere Richtung gehe. Dies ist jetzt meine allererste Ausstellung, abgesehen von der Expo im Rahmen des „Generation Art“-Finales in den Rotondes.

Was zeigen Sie im „Konschthaus beim Engel“?

Oliveira Hintergrund der beiden Serien ist, dass ich mich auf die Suche nach meinen Wurzeln begeben habe. In erster Linie wollte ich eine eigene Vision meiner Herkunft haben. Meine Familie ist aus Portugal ausgewandert, als ich gerade einmal ein Jahr alt war. Zuhause habe ich eigentlich nie die typisch portugiesische Kultur erlebt, teils auch weil mein Stiefvater Franzose ist. Es war mir demnach wichtig, das Dorf, in dem ich geboren wurde - Sanfins/Santa Maria Da Feira -, neu zu entdecken. Dieser Fotoserie habe ich den Titel „Orgulho“ gegeben, was „Stolz“ bedeutet. Die andere Serie, die ich zeige, heißt „Saudade“ - Sehnsucht - und illustriert Momente aus der portugiesischen Gemeinschaft in Luxemburg. Sie habe ich in ihrem Alltag verfolgt, beziehungsweise auf ihrer Reise zurück nach Portugal im Sommer begleitet.

Da kam sicher einiges zusammen, was war Ihnen schließlich bei der Auswahl der Fotos für die aktuelle Ausstellung wichtig?

Oliveira Ich habe mich gerade für diese Fotos entschieden, weil sie ganz einfache Menschen zeigen, Leute, die in einer Welt leben, in der sie bereits mit den kleinsten Dingen glücklich sind, vielmehr noch sind sie stolz auf das, was sie haben, auch wenn es in Wirklichkeit vielleicht sehr wenig ist. Ich habe definitiv gelernt, dass man nicht viel haben oder besitzen muss, um friedlich zu leben, und dass das Leben immer weitergeht. Was die Serie „Saudade“ anbelangt, so war für mich bemerkenswert zu sehen, wie wichtig diesen Leuten die Kultur und die Traditionen ihres Herkunftslandes doch sind und inwiefern sie diese mit in ihre neue Heimat genommen haben, sich aber dennoch gleichzeitig anpassen. Am Ende, wenn man sich alle Fotos der beiden Serien angeschaut hat, weiß man nicht einmal mehr genau, wo sich die abgelichteten Personen befinden und wo sich die einzelnen Szenen abspielen, in Luxemburg oder in Portugal.

Wie würden Sie selbst Ihren Stil beschreiben?

Oliveira Ich würde ihn als Dokumentarstil bezeichnen. Mir geht es darum, Geschichten von Menschen und Orten zu erzählen. Meine Fotos sind übrigens immer vertikal, weil ich mich damit am wohlsten fühle. Melancholie und Nostalgie spielen in meiner Fotografie eine wesentliche Rolle. Ich rede oft über Gefühle und reelle Geschichten und inwiefern sie mich eben auch berühren. Das versuche ich, in meinen Arbeiten widerzuspiegeln. Mir ist es trotzdem sehr wichtig, dass die Betrachter meine Fotografien selbst interpretieren, sich ihre eigene Geschichte ausmalen und sich noch dazu vielleicht damit identifizieren.

Welches sind derzeit Ihre Lieblingsmotive?

Oliveira Reisen, Landschaften, Gemeinschaften und die Vergangenheit sind die vorherrschenden Themen in meiner Arbeit. Porträts mache ich auch sehr gerne. Oft haben die Landschaften, die ich zeige, auch eine Verbindung zur Geschichte einer Person. Aus diesem Grund arbeite ich auch immer in Serien, da verschiedene Bilder zusammen mehr erzählen, als sie es alleine für sich könnten.

Hat sich Ihr Blick durch die Kamera im Laufe der Zeit verändert, beziehungsweise inwiefern haben Sie sich in Ihrer Arbeit weiterentwickelt?

Oliveira Am Anfang war ich der Meinung, ich müsste die Leute immer so porträtieren oder zeigen, wie sie wirklich sind. Mir wurde aber bewusst, dass immer etwas fehlt. Ein Teil meiner Vision hat gefehlt. Seither versuche ich, mich selbst in die Fotografie einzubinden, sei es nun visuell oder geschichtlich. Die Fotos, die ich zeige, erzählen auch von mir, von einem Teil meiner Geschichte, auch wenn man das nicht immer sieht.

Wie oder wo sehen Sie Ihre Zukunft?

Oliveira Ich sage immer: Es kommt, wie es kommt. Ich habe aufgehört, mir Fragen über meine Zukunft zu stellen, weil ich das Gefühl habe, dass unsere Gesellschaft mir mit dieser Frage immer mehr Druck macht. Es ist ein großes Risiko, aber: „No risk, no fun“.

„Intro_Photographie“ läuft noch bis zum 28. Januar im „Konschthaus beim Engel“ (1, rue de la Loge / 1945 Luxemburg), dienstags bis sonntags von 10.30 bis 18.30. Mehr zum Künstler unter www.brunooliveira.lu