LUXEMBURGPATRICK WELTER

Luxemburg hinkt in Sachen Denkmalschutz hinterher -Dr. Jochen Zenthöfer und „Sauvegarde du Patrimoine asbl“ wollen das ändern

Mit einem abgerissenen Gebäude verhält es sich genauso, wie wenn man Großmutters Fotoalbum verbrennen würde. Man vernichtet unwiederbringlich Erinnerungen und historische Zeugnisse“, so dezidiert bringt Dr. Jochen Zenthöfer seine Gründe für einen engagierten Denkmalschutz auf den Punkt.

Zenthöfer, promovierter Jurist, freier Mitarbeiter der F.A.Z , beschreibt sich selbst als Wissenschaftsjournalist und hat seinen Lebensmittelpunkt vor drei Jahren - der Liebe wegen - von Berlin nach Luxemburg verlegt. Zu seinen Interessensschwerpunkten gehören Urbanistik und der Denkmalschutz. Der Doktor der Rechte engagiert sich gerade deswegen in Sachen Denkmalschutz, weil in dieser Hinsicht in Luxemburg immer noch vieles im Argen liegt. Die Themen Denkmalschutz und historische Bausubstanz tauchen im politischen Bewusstsein nicht auf. In den letzten Jahrzehnten gründete sich der ein oder andere Verein, der sich um den Erhalt von historischen Gebäuden kümmern wollte, verschwand dann aber bald wieder.

Buchreihe „Monumentum“

Dem gemeinnützigen Verein „Sauvegarde du Patrimoine“, in dem sich Dr. Zenthöfer stark engagiert, wird es wohl nicht so ergehen. Allein schon deswegen, weil in den letzten beiden Jahren bemerkenswerte Bücher aus der eigenen Buchreihe „Monumentum“ herausgegeben wurden. Band 2 mit dem Titel „Respektvolle Erneuerung historischer Bausubstanz in Luxemburg und der Großregion“ ist vor wenigen Wochen erschienen. Der dritte Band ist bereits in Planung. Der Verein gebe auch keine politischen Stellungnahmen ab, er sei keine Konkurrenz zum Mouvement Ecologique. Man zeige nur die Verluste und die Notwendigkeit und die Möglichkeiten auf historische Bausubstanz zu erhalten, so Jochen Zenthöfer.

Im aktuellen Band der Reihe wird gezeigt, was Luxemburg im letzten Jahr an historischer Bausubstanz verloren hat und welche Schätze sich hinter verschlossenen Türen in ungenützten Gebäuden verstecken können. Wer die Bilder aus einem ehemaligen Viandener Hotel sieht, kann nur hoffen, dass sich dort ein einfühlsamer Investor findet, der das Kleinod vorsichtig wieder zum Leben erweckt und kein „Promoteur“ (Bauträger) sein Lieblingsspielzeug Abrissbirne einsetzt, um dort eine weitere seelenlose Residenz zu bauen.

Wir wollen den Leuten zeigen, was es noch gibt, so Jochen Zenthöfer, wir wollen die Bürger sensibilisieren. Mit der Buchreihe scheint das zu gelingen, denn vom ersten Band wurden zahlreiche Bücher verkauft. Die Buchreihe wir ohne jeden öffentlichen Zuschuss, nur mit Mitteln des Vereins und durch zahlreiche Sponsoren realisiert.

Es geh auch um den Erhalt von handwerklichen Fähigkeiten, den Einsatz von alter Handwerkskunst und dem Aufräumen mit Irrtümern. So kursieren immer noch falsche - das heißt negative - Vorstellungen von der mangelnden Energieeffizienz von Altbauten. Was vielleicht für Häuser des Wiederaufbaus und der Zwischenkriegszeit gelten mag, gilt nicht für ein barockes Bauernhaus mit seinen starken Bruchsteinmauern. Jochen Zenthöfer hat da eine klare Meinung: Wärmedämmung dürfe nicht zum Fetisch werden, der das Zerstören von historischer Bausubstanz fördert. Sonnenkollektoren auf dem Dach eines „Baudenkmals“ müssen nach Zenthöfers Ansicht je nach Einzelfall beurteilt werden.

Handwerkliche Fähigkeiten erhalten

Der Denkmalschutz habe auch Vorteile für die Wirtschaft, so werde der Erhalt von Handwerkskunst und alten Techniken gesichert. Als positive Beispiele wurden das Tudorschloss (Rosport) und dessen Nebengebäude (darunter das so genannte Puppenhäuschen) im Park genannt. Die Gebäude seien nicht saniert, sondern vorsichtig restauriert worden. O-Ton Jochen Zenthöfer: „Die Handwerker können das noch!“ Es sei auch ein Irrtum, dass die Renovierung immer die Kosten in die Höhe treibt. Der Staat bezuschusse entsprechende Arbeiten mit bis zu 30%.

Mangelhafter Schutz für Baudenkmäler

In Luxemburg stehen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern extrem wenige Gebäude unter Schutz, es sind gerade einmal 0,6% der Bausubstanz. In Deutschland liegt die Quote bei 2,8% und in Österreich sogar bei 2,9%. In Frankreich gibt es den Ensembleschutz für ganze Stadtviertel.

Die Unterschutzstellung ist im Großherzogtum ausgesprochen inkohärent, so kommt es dazu, dass weder die Kathedrale noch das großherzogliche Palais im Sinne des Gesetzes Baudenkmäler sind. Manche Gemeinderäte nützen die Situation aber gerne für eine Nonsens-Argumentation, wenn das Palais nicht unter Schutz steht, warum dann der alte „Schandfleck“ -ein spätbarockes Bauernhaus im Maria-Theresia-Stil? Nur dass niemand anstelle der Kathedrale einen Parkplatz errichten oder das Palais durch einen phantasielosen Appartementblock ersetzen will. Es ist schade, dass der Denkmalschutz von jedem Dorfbürgermeister unterlaufen werden kann.

Was passiert mit verwaisten Kirchen?

In den nächsten Jahren werden eine Menge Kirchen im Land verwaisen. Leider stehen viele diese Gebäude nicht unter Denkmalschutz, was Jochen Zenthöfer dazu veranlasst, auf ein Problem aufmerksam zu machen: Eine fehlende Unterschutzstellung macht es dem Bistum leichter, Kirchen abzureißen, anstelle sie einer sinnvollen Umnutzung zuzuführen. Auch wer mit Religion nichts am Hut hat, sieht in der Regel ein, dass das Kirchengebäude ein historisches Denkmal darstellt und seine Erhaltung der richtige Weg ist.