CORDELIA CHATON

Vor rund 25 Jahren, als das Internet Einzug in die Redaktionen hielt, waren die meisten zurückhaltend. Über Jahre hinweg galten Online-Journalisten als zweitklassig. Mittlerweile ist es normal, dass jedes Medium Webseiten hat, Blogs und Accounts. Insbesondere Google und Facebook, aber auch Twitter und Youtube haben dafür gesorgt, dass Inhalte aus Redaktionen weiterverbreitet wurden - gratis.

Die Autoren haben nie etwas dafür gesehen, die Zeitungen und Sender auch nicht. Gerade die Großen des Internets haben damit argumentiert, das gäbe Reichweite. Dafür aber kann sich Facebook etwas kaufen, der Journalist und sein Medium ganz sicher nicht. Schlimmer noch: Während in Redaktionen Information gewichtet wird, Wichtiges viel Platz und Nichtigkeiten ein paar Sätze erhalten, fällt das auf den so genannten sozialen Medien weg. Egal ob die Katze gähnt oder Trump Nordkorea mit Krieg droht: Auf Facebook ist das Fenster immer gleich groß. Eine Diskussion wird ohnehin nicht befördert. Boulevard-Themen - also Verbrechen, Sex, Adel und Reißerisches - läuft gut. Aber hilft das, sich in der Welt zurecht zu finden? Wohl kaum. Das genau ist aber der Anspruch eines klassischen Mediums.

Die Redaktionen gerade seriöser Medien leiden alle; nicht nur hier. Vor gut 20 Jahren haben die US-Sender angefangen, ihre Korrespondenten abzubauen. Es war ihnen zu teuer.

Jene Korrespondenten, die es noch gibt, riskieren in vielen Ländern dieser Welt ihr Leben, um angemessen und sachlich zu berichten. Damit Menschen sich ein Bild von der Lage machen und sich eine Meinung bilden können. Facebook, Google und Youtube kopieren die Berichte und machen damit Geld. Die Korrespondenten sehen keinen Cent.

Sicher kann man sagen, die Medien haben selbst schuld, sie haben die Inhalte ja anfangs gratis aufs Netz gestellt. Aber war zu dem Zeitpunkt deren kommerzielle Nutzung absehbar? Wohl kaum, denn Facebook oder Google wurden erst Jahre danach gegründet. Und ihre Ausbeute journalistischer Inhalte hat sich danach in einem Maße entwickelt, das vor allem jene nicht vorausgesehen haben, die jetzt von einer Beschränkung des freien Internets reden, wenn die Medien eine Netzabgabe fordern. Das ganze System ist so pervertiert, dass Google mittlerweile Stipendien vergibt, damit Zeitungen digitale Bezahlschranken aufbauen können. Da dämmert wohl jemandem, dass eine wichtige Quelle versiegen könnte.

Nun könnte man sagen, was soll's, Medien sind auch nur Privatunternehmen, dann sterben sie eben und fertig. Wenn da nur nicht die Sache mit der öffentlichen Information wäre. Wollen wir eine Gesellschaft, die sich nur noch über soziale Medien informiert, die nicht mal mehr klauen können, weil es keine klassischen Medien mehr gibt? Reicht es noch nicht mit dem Populismus?

Wenn also am heutigen Mittwoch das Europaparlament über die Änderung des Urheberrechts diskutiert, bevor die Vorschläge an die Länder gehen, wäre es gut, wenn die Abgeordneten daran denken, dass Demokratie mehr braucht als nur Likes.