CORDELIA CHATON

Gold ist oft mit guten Attributen verbunden. Von den „golden twenties“ über die „golden girls“ bis zur „Gëlle Fra“. Aber manchmal ist es auch ganz anders; manchmal stinkt das Gold. Bei „Golden Visa“, beispielsweise. Darunter versteht der Korruptionskundige die Vergabe von Staatsbürgerschaften oder Aufenthaltsgenehmigungen gegen Geld an Bürger aus Drittstaaten. Bekannt dafür sind vor allem einige Länder der EU. Gestern haben die Organisationen „Transparency International“ und „Global Witness“ die sogenannten „Golden Visa“-Programme in EU-Ländern kritisiert. Denn in immerhin 14 EU-Mitgliedstaaten gibt es solche Programme.

Sie sind gefragt. In den vergangenen zehn Jahren wurden in der EU mindestens 6.000 Pässe und rund 100.000 Aufenthaltserlaubnisse verkauft - die meisten in Spanien, Ungarn, Lettland, Portugal und Großbritannien. Aber auch Malta, Zypern und Griechenland sind für den Passhandel bekannt, der viel Geld in die Staatskassen spült. Auf Malta und in den anderen Ländern kaufen Nicht-EU-Bürger - vor allem Chinesen, Russen und Inder - teure Immobilien. Auf Zypern kostet eine solche Immobilie zum Beispiel rund zwei Millionen Euro. Dafür erhalten sie wenige Monate später einen Pass und die Staatsangehörigkeit des jeweiligen Landes. Die Passkäufer bekommen gleichzeitig alle Rechte in der gesamten Europäischen Union - zum Beispiel die Freiheit, durch die EU zu reisen, ohne ein aufwändiges Visum beantragen zu müssen oder das Recht, Immobilien zu kaufen und Unternehmen zu gründen.

In Finnland gab es den Fall eines Immobilienhais, der sich im Zentrum eines 10-Million-Euro-Geldwäschehandels befindet. Der Russe, der hier die Fäden zog, hat seinen Pass in Malta erworben. In Portugal gab es einen ähnlich gelagerten Fall eines Brasilianers, der seine Heimat wegen einer Verurteilung verlassen hatte. Trotz der gemeinsamen Sprache Portugiesisch fanden die Behörden in Lissabon das offenbar nicht heraus. Wer weiß, was neben den Summen - je nach Land sind es mal 250.000, mal 500.000 oder mal drei Millionen Euro - noch an Geldern geflossen ist.

Eindeutig ist hingegen, dass es eine enge Verbindung zwischen den Handel mit Golden Visa und dem Immobilienmarkt gibt. Zum einen, weil viele Länder den Kauf einer Immobilie mit einem Mindestpreis verlangen. Zum anderen, weil Leute, die über diesen Weg an ein Visum gekommen sind, sich gern im Immobilienmarkt tummeln. Das zeigt sich besonders am Beispiel Portugal, wo der örtliche Immobilienmarkt in Lissabon unter Hochdruck steht; viele Einwohner können sich kaum mehr Mieten und schon gar nicht den Kauf einer Immobilie leisten. Es wäre merkwürdig, wenn solche Spekulanten angesichts der engen Bande zwischen Portugal und Luxemburg und der hiesigen Immobilienpreise noch nicht auf den Markt hier gekommen wären. So weiß wird Geld nie wieder.

Luxemburg kommt in dem Bericht relativ gut weg. Wie es um den Immobilienmarkt steht, ist eine andere Frage. Die Autoren der Studie empfehlen den Stopp des Visahandels und eine schärfere Geldwäscherichtlinie. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und von der EU-Kommission auch schon vor Monaten gefordert. Aber Mahnungen reichen hier wohl nicht. Dazu steckt die Hand zu tief im Topf mit leicht verdientem Geld.