Die allgemeine Vorfreude auf das neue Jahr fällt in diesem Jahr eher etwas verhalten aus. Zu düster sind und bleiben die Aussichten vor allem im wirtschaftlichen Bereich, weil allen Beschwichtigungen und frommen Wünschen zum Trotz eine entscheidende Wende hin zum Besseren nicht in Sicht ist.

Woher sollte diese Wende auch kommen? In der größten Volkswirtschaft, den USA, wird nach wie vor um ein staatliches Haushaltsloch von hunderten Milliarden Dollar gestritten, in der zweitgrößten, in China, bleiben die Erwartungen im Vergleich zu früheren Jahren weiterhin eher bescheiden, in Europa tut man sich nach wie vor schwer damit, neues Vertrauen zu vermitteln und damit die Basis zu schaffen für neues Vertrauen und vor allem auch neue Zuversicht.

Wann die wieder voll einsetzen wird, ist genau so ungewiss wie eine Antwort auf die Frage, ob es überhaupt jemals wieder eine Rückkehr zu ungehemmtem Wirtschaftswachstum geben wird, wie wir es, von einigen Beruhigungsphasen einmal abgesehen, seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in den führenden Volkswirtschaften gekannt hatten. Neue „global player“ wie China und Brasilien, neue regionale Schwergewichte wie Türkei und Südafrika haben den Druck sowohl auf die Rohstoff- wie auch auf die Energiereserven enorm verschärft, Klima- und Ernährungssorgen werden in den nächsten Jahren weiter zunehmen und zu neuem Denken führen, das nicht mehr nur den reinen wirtschaftlichen Überlegungen verpflichtet bleiben darf, sondern auch andere, ethische Elemente erfassen muss.

Die wesentliche Frage der nächsten Jahre wird denn auch weniger darum drehen, wie viel Wachstum erreicht werden kann, sondern vor allem darum, welches Wachstum der Welt, den einzelnen Nationen und ihren vor allem sozio-demographisch sehr unterschiedlichen Bevölkerungen am meisten nutzen und helfen wird. Wenn es um die verbleibenden Reserven und deren Verwendung im Interesse aller Weltregionen keine neuen Auseinandersetzungen geben soll, dann wird man die Kooperation, eine faire und ehrliche Zusammenarbeit zwischen reichen und armen, zwischen „jungen“ und „alten“ Staaten, deutlich vertiefen müssen.

Wenn die Finanz- und Wirtschaftskrise, aus der wir auch nach fünf Jahren immer noch nicht ganz heraus sind, zu etwas nutzen soll, dann doch wohl in erster Linie zu der Erkenntnis, dass es ein „weiter so“ nicht mehr geben kann und darf. Was haben denn jahrelang fortgesetzte zweistellige Zuwachsraten beispielsweise jenen Banken genutzt, die im ersten Chaos der Subprime-Krise Schiffbruch erlitten haben? Haben wir nicht zahlreiche alte Dogmen, wie etwa von der Unmöglichkeit staatlicher Insolvenz, längst über Bord werfen müssen, weil uns die harte Wirklichkeit eines Besseren belehrt hat?

Die Zeit scheint gekommen für einen „New Deal“, der sich allerdings nicht auf einzelne Staaten beschränken darf, sondern an dem alle Nationen teilhaben müssen und in dem sie sich mit ihren spezifischen Anliegen und Ansprüchen wiederfinden müssen. Das setzt neben Mut vor allem auch Verzicht voraus.

Wären wir dazu bereit?