LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Fünf Kreationen bietet das „Théâtre Ouvert Luxembourg“ (TOL) in der neuen Spielzeit

Gestern war es - mit seinen rund 60 Sitzplätzen - an einem der kleinsten Theater Luxemburgs, sein neues Programm vorzustellen. Die Spielzeit 2018/19 im „Théâtre Ouvert Luxembourg“ (TOL) rückte aber erst einmal etwas in den Hintergrund, denn, wie in der Vergangenheit bereits, begann Präsident Nicolas Steil seine Begrüßungsrede auch diesmal mit dem Thema, das der Truppe seit Jahren Sorgen bereitet: die Arbeitsbedingungen. Bereits vor den „Assises culturelles“ Ende Juni hatte die „Theater Federatioun“ ihren Forderungskatalog vorgelegt, worin auch die Probleme der kleinen Theaterstrukturen aufgegriffen wurden. Nach der Vorstellung des provisorischen Kulturentwicklungsplans KEP 0.1 hatte der Dachverband der darstellenden Künste dann noch einmal Empfehlungen eingereicht, und nun wartet alles gespannt darauf, inwiefern diese in die definitive Version KEP 1.0 einfließen, die am 27. September vorgestellt wird.

Probleme der kleinen Strukturen ungelöst

„Die Forderungen der kleinen Theater sind relativ einfach, sie beziehen sich auf die täglichen Arbeitsbedingungen. Es gibt diesbezüglich zwei Problematiken, einmal auf juristisch/steuerlicher Ebene und einmal auf Verwaltungsebene. Das TOL - ebenso wie das Kasemattentheater und das ,Théâtre du Centaure‘ oder auch Künstlerkompanien - versucht das nötige Budget zu bekommen, um eine Person in der Verwaltung einstellen zu können“, wiederholte Steil. Bislang wird diese Arbeit ehrenamtlich geleistet, was nicht nur viel Zeit in Anspruch nimmt - besonders wenn es sich um Koproduktionen handelt oder man mit einem Stück auf Tournee gehen will -, sondern auch der weiteren Professionalisierung dieser Strukturen nicht dienlich ist. „Wir hoffen, dass nun Taten folgen, was natürlich von der neuen Regierung abhängt“, bemerkte Steil.

Komplexes Dossier

Guy Arendt, Staatssekretär im Kulturministerium, kam nicht umhin, kurz auf das Gesagte zu reagieren. Gleichzeitig verwies er aber darauf, dass sich am Samstag Gelegenheit biete, diese Angelegenheiten im Detail zu besprechen. In der Tat werden am 15. September um 16.00 Vertreter der verschiedenen politischen Parteien und der Kulturstaatssekretär im Cercle Cité während eines Rundtischgesprächs über das Thema „Bühnenkunst in Luxemburg: welches politische Engagement für welche Bühne(n)?“ diskutieren. Einen kleinen Vorgeschmack darauf gab es trotzdem gestern im TOL. Arendt zeigte Verständnis für die Sorgen. „Wir sind uns der Probleme auf fiskalischer Ebene bewusst und befinden uns in Verhandlung mit den Autoritäten im Finanzbereich. Letztlich fällt die Besteuerung der Gehälter genau wie das Sujet TVA aber in den Zuständigkeitsbereich des Finanzministers. Die Mehrwertsteuer ist ein sehr komplexes Dossier, so einfach lässt sich diesbezüglich keine Lösung finden“, gab der Staatssekretär erneut zu bedenken. Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen machte Véronique Fauconnet, die künstlerische Leiterin des TOL, darauf aufmerksam, dass ein „intermittent de spectacle“ aus Frankreich sie weniger kosten würde als einer aus Luxemburg, 17 Prozent weniger, um genau zu sein. „Das ist eine traurige Situation“, sagte sie, Steil sprach von einer Diskriminierung, und Arendt pflichtete ihnen bei, verwies aber noch einmal auf das Finanzministerium, das seinen Aussagen zufolge seit einem Jahr auf eine Verbesserung der Situation hinarbeite.

„Deal“ als Leitthema

Nach rund 20 Minuten wurde das Gespräch dann schließlich auf den eigentlichen Gegenstand der Pressekonferenz gelenkt: die Spielzeit 2018/19, die ihren Fokus auf das Thema „Deal“ in all seinen Formen legt, dies im Sinne von „wie wir mit etwas umgehen“. „Das kann sich auf unsere Überzeugungen beziehen, unsere Vergangenheit, die Liebe oder die Freundschaft“, beschrieb Véronique Fauconnet.

In der neuen Saison hat das TOL übrigens seine Vorstellungszeiten etwas umgeändert. Während im Herbst und Winter manche Stücke bereits um 19.00 gezeigt werden, fällt der Vorhang im Frühling und Sommer manchmal erst um 21.00. Andere Vorstellungen beginnen wie bislang um 20.00. Es empfiehlt sich also, das Programm stets genau zu studieren. Das erste Stück der neuen Spielzeit wird derweil wie gehabt um 20.00 aufgeführt. Eugène Anselin ist in vier Vorstellungen ab dem 18. September noch einmal mit ihrer One-Women-Show „Wow*“ in französischer Sprache zu Gast. Am 8. Oktober steht die Lesung „Kultur ist kein Luxus sondern eine Notwendigkeit (auch in Luxemburg)“ - eine Koproduktion mit dem Kasemattentheater, wo die Lesung auch stattfindet - auf dem Programm.

Eigene Produktionen

Fünf eigene Kreationen bietet das „Théâtre Ouvert Luxembourg“ in dieser Saison. „Dans la solitude des champs de coton“ (Premiere am 25. Oktober) heißt die erste. Der Text stammt von Bernard-Marie Koltès, den die Direktorin als „den zeitgenössischen französischen Autor schlechthin“ bezeichnete. Pol Cruchten inszeniert das Stück, in dem Joël Delsaut und Massimo Riggi mitwirken. In „Célimène et le Cardinal“ von Jacques Ramal (Premiere am 17. Januar) treffen zwei Protagonisten aus Molières „Misanthrope“ 20 Jahre nach ihrer Trennung erneut aufeinander: Alceste (Frédéric Largier) und Célimène (Colette Kieffer). Zwei Stücke hat Claude Frisoni (in Koproduktion mit dem TNL) geschrieben. In „Mais sois sans tweet“ (Premiere am 28. März) steht er alleine im Scheinwerferlicht des TOL, während er sich die Bühne des TNL in „Les héros sont fatigants“ (Premiere am 25. April) unter anderem mit Dennis Jousselin und Raoul Schlechter teilt. Beide Stücke handeln von Mai 68, beziehungsweise von dem, was 50 Jahre später noch davon geblieben ist. In „Un dîner d’adieu“ aus der Feder von Alexandre de la Patellière und Matthieu Delaporte (Premiere am 22. Mai) steht ein Paar - Clotilde (Colette Kieffer) und Pierre (Steeve Brudey) - vor der Frage, wie sich überflüssige Freunde aus der Vergangenheit aussortieren lassen.

Angebot fürs junge Publikum

Großgeschrieben wird im TOL jedes Jahr die Sensibilisierung des jungen Publikums und die Zusammenarbeit mit Schulen, so etwa dem „Lycée Michel Rodange“, mit dessen Theaterklasse auch diesmal wieder ein Stück einstudiert wird. „L’argent des autres“ unter der Regie von Véronique Fauconnet und Colette Kieffer feiert am 28. Februar Premiere. „Le Petit Prince“ wird im Juli in einer Inszenierung von Isabelle Bonillo gespielt. Und mit „La malle de Molière“ besuchen Caty Baccega und Jean-Marc Barthélemy erneut Schulklassen. Ziel ist es, Molière anhand einer Textauswahl zu entstauben und so für die Schüler interessanter zu machen.

Alle weiteren Details unter www.tol.lu