LUC SPADA

Natürlich entschuldige ich mich, sehr sogar, für meine überaus schlechte Laune, letzte Kolumne. Es waren Nachwirkungen von Schreibblockade (Roman) und Saufgelage (Gin-Tonic und Rotwein, N I C H T M I S C H E N), die Mischung ist kein Gute-Laune-Garant. Rotwein holt mich runter, Gin-Tonic dreht mich auf, ich irgendwo dazwischen.

Heute ist alles anders.

Zum Beispiel habe ich heute Abend Uraufführung meines vierten Theaterstücks „Pura Vida“ im Kapuzinertheater in Luxemburg. Ist das nicht toll? Weil ich ja als Autor nicht mehr tun kann als schreiben und anschließend hoffen, werde ich, wenn es nicht toll wird, nächste Woche sehr schlechte Laune haben.

Aber bis dahin, gute Laune. Oder darf ich nicht? Darfst Du? Dürfen wir, wir Verwöhnten, gute Laune haben? Oder schlechte, nur weil die heiße Schokolade eher lauwarm geraten ist.

Mir wurde vor kurzem im Rahmen eines Interviews folgende Frage gestellt, auch bezüglich meines Theaterstücks: „Anerkennung, Freundschaft, Familie seien das Wesentliche im Leben steht im Begleittext zu Pura Vida. Sind Trump, die Klimaerwärmung oder Aleppo nicht wesentlich?“

Mal davon abgesehen, dass ich den Begleittext nicht geschrieben habe, beschäftigt mich die Frage dennoch.

Sind nur „schwere Themen“ wesentlich?

Wir leben in harten Zeiten, und deswegen: Einmal bitte nur die wirklichen Probleme leiden. Du hast Liebeskummer? Pah! Irgendwo wurde gerade jemand erschossen.

Ich weiß nicht wie umgehen mit Krieg in Aleppo. Oder Trump. Oder Erderwärmung. Ich kann nur selbst so ordentlich und anständig sein, wie ich eben kann, tendiere aber zunehmend zu „äh, ok, atme, und jetzt erstmal noch einen Gin-Tonic.“

Und ich bin es auch leid, diese Panikmenschen. Wir müssen jetzt alle traurig dem Weltuntergang entgegenreiten. Das Ende naht, R.I.P Welt, jaja, du mich auch.

Und jeder, der jetzt hier blöd mit seinem ignoranten Glücklichsein ankommt, soll doch mal schnell zu den Pinguinen fahren und die fragen, wie scheiße die akute Erderwärmung (wirklich ist.) für die ist. Und das alles, weil WIR ja unbedingt mit dem Flieger nach Indien uns selbstverwirklichen wollen.

Natürlich haben wir alle miteinander zu tun, und werden immer vernetzter, und ja, natürlich, immer bewusster und informierter, aber: Eine Friedensflagge im Profilbild ist schnell erstellt, aber ist das genug? Ist das schon Empathie oder nur ein unwesentlicher Pseudoklick, um etwas wesentlicher zu wirken? Wo fängt Ignoranz an, wo bleibt nichts anderes übrig? Wer hat das Wesentliche erkannt und erklärt mir, wie ich ein guter Mensch werde, der die relevanten Themen à la minute frisch servieren kann?

Spenden oder selbst hinfahren? Wie viel gute Laune ist erlaubt? Ich weiß es nicht.